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Mietnomadin verwüstet Wohnungen

Putbus Mietnomadin verwüstet Wohnungen

Zwei Vermieter auf Rügen fielen bisher auf die 60-Jährige rein / Die Polizei ist wegen der Frau im Dauereinsatz

Putbus. Es stinkt. Der Geruch, der aus der Wohnung kommt, ist kaum zu ertragen. Vermieterin Anna H. atmet flach und kann es nicht glauben: Sie hat ihre Wohnung in einer prächtigen Putbuser Villa mit der letzten Vermietung der Verwahrlosung preisgegeben. Erst vor wenigen Tagen ist es ihr gelungen, Ulrike B. aus der Wohnung zu bekommen. „Die haben noch nicht mal vier Wochen hier gewohnt – das Ausmaß des Schadens ist nicht abzusehen“, sagt sie fassungslos. Auf dem Boden liegt eine mit Urin durchtränkte Matratze, auch die Daunendecke zeugt von Körperausscheidungen und verbreitet einen stechenden Gestank. Im Nebenzimmer liegt noch die Verpackung zur Decke – das alles hier ist noch relativ neu. Der Blick schweift über Kleiderberge, auf dem vollgestopften Kühlschrank türmen sich die Lebensmittel, Fliegen surren. Dieser Teil erweckt den Eindruck einer Messie-Wohnung.

So hat Ulrike B. hier gelebt, mit ihrem Hund Flo und ihrem „Kumpel“ Andreas B. Die 60-Jährige ist polizeibekannt, durch ihr seltsames Verhalten hat sie sich in Putbus schnell einen zweifelhaften Ruf erarbeitet. „Sie hat hier bei uns jeden Tag für hohe Beträge Lebensmittel gekauft – und sie dann einfach bei uns stehen lassen. Montag hat sie mit kotbeschmiertem Mantel bei uns Körbe vollgepackt und nur wirres Zeug geredet“, sagt eine Mitarbeiterin des nahen Discounters. „Seit sie eingezogen ist, war die Polizei Dauergast“, sagt die Vermieterin. Ruhestörung, Ordnungswidrigkeiten, Beleidigung, der kleine Hund nicht erzogen, seine Hinterlassenschaften ein ewiges Ärgernis. Doch aus allen Situationen rede Ulrike B. sich eloquent heraus. „Sie machte auf den ersten Blick einen guten Eindruck, kann reden und alles erklären“, sagt Anna H. Auch sie selbst ist auf das äußere Erscheinungsbild der Frau hereingefallen. „Man kennt die Vorgeschichte ja nicht. Mittlerweile wissen wir, dass sie die Nummer auf Rügen hier schon mehrfach durchgezogen hat.“

Das stimmt. Ursula S. bekommt zitternde Hände, wenn die Sprache auf Ulrike B. kommt. „Wir haben sie von einem Makler als Mieterin für unsere Doppelhaushälfte in Altkamp empfohlen bekommen. Wir waren sogar bei ihr in Duisburg zuhause. Ihre Wohnung wirkte ganz normal, so wie sie auch“, sagt S.

Ganze sechs Wochen habe Ulrike B. gebraucht, um ihr Ferienhäuschen zu ruinieren. Sie habe hemmungslos im reetgedeckten Häuschen geraucht, Kumpel und Hund hätten ihre Exkremente in der ganzen Wohnung verschmiert. „Die Nachbarn haben sich bei mir wegen der ständigen Brandgefahr und den Pöbeleien beschwert, die Polizei, das Veterinäramt und das Gesundheitsamt waren hier – aber keiner hat etwas unternommen“, sagt Ursula S. hilflos. Schon im April hat sie am Amtsgericht Bergen einen Betreuungsantrag gestellt. „Auch in Duisburg war sie schon in der Betreuung des Amtsgerichts. Aber bis jetzt ist wenig passiert. Wir fühlen uns so ohnmächtig“, sagt sie.

Die Lkw-Ladungen voller Möbel stehen jetzt unter dem Carport und warten darauf, dass Ulrike B. sie abholt, denn Ursula S. konnte zu guter Letzt wegen fehlender Mietzahlungen kündigen. Nun läuft ein Rechtsstreit mit der Frau, die in den Augen der Vermieter eine Mietnomadin zu sein scheint.

Auch Anna H. hat wegen nicht gezahlter Mieten fristlos gekündigt. Nun macht Ulrike B. Putbus und Lauterbach unsicher, laut Polizeiberichten liegen mittlerweile einige Anzeigen wegen Diebstahl und Ruhestörung gegen sie vor. „Sie hat auf unserer Terrasse einfach alle Dekogegenstände eingepackt, in Zeitung gewickelt und mitgenommen“, schüttelt Martin E. den Kopf. Er ist Mitarbeiter in einem namhaften Hotel in Lauterbach und hatte unschöne Begegnungen mit der Duisburgerin: „Jetzt versucht sie, in unserem Strandkorb zu übernachten. Das geht gar nicht.“

Doch Ulrike B. ist kein Fall für den Gewahrsam, sagt der Leiter des Polizeireviers Bergen, Mario Ullrich. „Sie beschäftigt uns ganz schön. Und sie ist ohne festen Wohnsitz in Putbus und Lauterbach unterwegs. Aber solange sie keine Straftat begeht, können wir da auch nichts machen, das ist eine frei gewählte Lebensform. Hier sind die Stadt und das Amtsgericht in der Pflicht.“ Doch in der Putbuser Verwaltung ist noch nichts bekannt, sagt Thomas Möller, Fachbereichsleiter Bauen und Ordnung. „Wir können erst aktiv werden, wenn uns Anzeigen vorliegen, und das ist bisher nicht der Fall.“

Vermieterin Anna H. schaut sich in der verschandelten Wohnung um. „Ob ich die Kosten, die ich jetzt für die Reinigung und Instandsetzung habe, jemals wiedersehe, weiß ich nicht.“ Und noch eine andere Gefahr sieht Anna H.: „Als ich eben an der Tankstelle in Putbus war, habe ich Frau B. dort gesehen, mit der Zeitung in der Hand. Sie studiert wohl die Wohnungsanzeigen. Hoffentlich fällt der nächste Vermieter nicht auf sie rein.“

Ulrike B. war für die OSTSEE-ZEITUNG nicht erreichbar.

Gaia Born

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