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Stralsund Mit MS „Sans Souci“ in die Winterpause
Vorpommern Stralsund Mit MS „Sans Souci“ in die Winterpause
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00:01 17.10.2016
Die Stralsunder FH-Touristik-Studentin Marie Kosche macht an Bord von MS „Sans Souci“ ein Praktikum. Fotos (4): Peer Schmidt-Walther

Auf zur letzten Fahrt vor der Winterpause. MS „Sans Souci“ verlässt den Stralsunder Hafen. Kapitän Peter Grunewald runzelt die Stirn. Mit Blick zum Himmel, über den der steife Ostwind graue Wolken vor sich her jagt, meint der sonst unerschütterliche Hüne: „Lauterbach können wir uns abschminken“.

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Der Flusskreuzer legt zum letzten Mal für dieses Jahr in Stralsund ab und erlebt eine stürmische Fahrt

Die letzten Gäste kommen vom Landausflug zurück. „Schön, überschaubar und gemütlich“ sei es in Stralsund gewesen, loben sie den Stadtrundgang und freuen sich aufs Mittagessen. Eine Reihe von ihnen verschiebt das Schweinesteak, als der Sans Souci-Kapitän um 13 Uhr das Signal zum Ablegen gibt und die Leinen ins Wasser des Nordhafens klatschen. Sie wollen Peter Grunewald beim Manövrieren über die Schulter schauen, während die Schokoladenseite der Hansestadt filmreif an Steuerbord vorübergleitet.

Die Ziegelgrabenbrücke bleibt geschlossen, denn MS „Sans Souci“aus Peissen bei Bernburg an der Saale macht sich für die Passage klein: Das Steuerhaus fährt hydraulisch in den Keller. Der Vormast mit den knatternden Flaggen senkt sich wie von Geisterhand.

Thomas Quatsling, der Stralsunder Marinemaler, zieht unwillkürlich den Kopf ein: „Sieht knapp aus“, meint der Ex-Seemann und zückt seine Kamera. „Beim jüngsten Hochwasser hätte es schon problematisch werden können“, meint Grunewald und lenkt den 1000-Tonner aus seiner Sichtluke im Steuerhausdach souverän durch das „Loch“. Querab vom Kleinen Dänholm schließlich Hebel auf den Tisch! Im Radfahrertempo von zwölf Kilometern pro Stunde schiebt sich das elegante Flusskreuzfahrtschiff durch die Ostansteuerung. Es pustet vierkant von vorn, die ersten Spritzer klatschen gegen die großen Scheiben des Panorama-Salons.

Hotel-Direktorin Cathrin Fuhrmann, waschechte Stralsunder Deern aus der Frankenvorstadt und Ex-Goethe-Schülerin, hat die großen Blumenpötte umlegen und sichern lassen: „Wenn wir erst ins Rollen kommen, bleibt nichts mehr an seinem Platz“. Über Funk verbreitet Stralsund traffic, die Verkehrszentrale, eine „gale warning“, zu Deutsch: Sturmwarnung mit Böen bis zur Stärke acht. Zu Recht, denn inzwischen boxen eineinhalb Meter hohe grüne Ostseewellen gegen das Vorschiff, an dem sie regelrecht explodieren.

Die Gäste genießen den Nachmittagskaffee, den FH-Touristik-Studentin und Bord-Praktikantin Marie Kosche zum Kuchen serviert, hinter dicken Scheiben, zucken aber auch bei jedem Wasserschlag instinktiv zusammen. Den erfahrenen Kapitän und Schiffseigner Peter Grunewald, der sein Handwerk bei der Weißen Flotte Berlin gelernt hat, ficht das nicht an: „Solange die Dinger vierkant kommen, macht das nix, aber von der Seite ?“ Das schlanke, nur 1,30 Meter tief gehende Schiff fängt an sich zu wiegen. Im Peenestrom, geschützt durch die Insel Usedom, ist schlagartig Schluss damit. Alle atmen erleichtert auf.

Eineinhalb Stunden später: Auch das romantisch beleuchtete „Blaue Wunder von Wolgast“, die monströse Zugbrücke, rührt sich nicht, denn „Sans Souci“ duckt sich wie schon in Stralsund einfach weg.

Übernachtet wird nach rund 60 Kilometern Sturmfahrt in Wolgast. „Das letzte Mal in diesem Jahr“, sagt Peter Grunewald und freut sich auf die wohlverdiente Winterpause und sein Motorrad.

Vier Mal hat sein „Dampfer“ auf dem Weg von und nach Berlin, Dresden, Prag, Straßburg, Hamburg oder Kiel, auch Stralsund, Rügen und Hiddensee angelaufen. Insgesamt verzeichnet die Sundstadt am Ende dieser Saison eine positive Bilanz: rund 100 Anläufe von Flusskreuzfahrtschiffen. Der Skipper bedankt sich mit Schalk im Nacken bei den Kollegen von Stralsund: „Denn man schöne Weihnachten und guten Rutsch!“

MS „Sans Souci“

Das Schiff wurde im Jahr 2000 in Nijmwegen/Niederlande gebaut, 2007/08 modernisiert und fährt unter deutscher Flagge.

Die Länge beträgt 82 Meter. 9,50 m ist die „Sans Souci“ breit und verfügt über einen Tiefgang von 1,30 Metern.

Der Flusskreuzer ist mit einem Antrieb von 2 x 600 PS unterwegs. An Bord gibt es über 41 Kabinen, einen Lift zwischen Haupt- und Panoramadeck, ein Restaurant, ein großes Sonnendeck, Bibliothek, Boutique. Der Heimathafen ist Peissen/Saale. Mehr Infos: www.ms-sanssouci.de

Peer Schmidt-Walther

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