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Stralsund Mit durchsichtigem Geldüberweisungstrick gescheitert
Vorpommern Stralsund Mit durchsichtigem Geldüberweisungstrick gescheitert
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03:33 07.09.2013

Es war nur ein Augenblick der Unachtsamkeit. Die Frau hatte am Imbiss etwas eingekauft, und während sie die eingepackten Leckereien in ihrer Tasche verstaute, hatte sie vermutlich das Portmonee kurz auf dem Tresen abgelegt. So zumindest rief sie es sich in Erinnerung, als sie am nächsten Morgen die Geldbörse vermisste. Also führte sie der erste Weg zum Imbiss. Doch dort war kein Portmonee abgegeben worden und man hatte auch nicht gemerkt, ob sich jemand etwas vom Tresen geangelt hatte. Die 24-Jährige ging zur Polizei und erstattete Anzeige.

„Die Frau war so geistesgegenwärtig, ihre EC-Karte gleich bei der Sparkasse sperren zu lassen“, sagt Heiko Lutzke. Doch der Kriminalhauptmeister weiß, dass ihr Ärger nicht erspart bleiben sollte.

Als die Frau zwei Tage später ihr Konto überprüfte, fehlten 2000 Euro. „Das Geld war aber nicht per EC-Karte abgehoben worden“, erläutert der Kriminalist. „Auf dem Kontoauszug wurde schnell deutlich, dass da jemand eine Überweisung auf ein anderes Sparkassenkonto getätigt hatte.“ Auf eine entsprechende Beschwerde der Kontoinhaberin reagierte das Geldinstitut mit der Rückbuchung des Betrages.

Damit war der Fall jedoch noch nicht erledigt, denn die Kripo ging ja noch der Anzeige nach. Auf dem Kontoauszug mit der Überweisung fand sich nicht nur das Empfängerkonto, sondern auch der Name der dazugehörigen Inhaberin. Doch noch bevor die Ermittler diese dazu befragen konnten, erschien die 25-Jährige selbst bei der Polizei und erstattete Anzeige gegen das Geldinstitut, das 2000 Euro von ihrem Guthaben zurückgebucht hatte.

„Das heißt, von Guthaben konnte da eigentlich nicht die Rede sein, denn die Frau hatte es zuvor noch geschafft, 1180 Euro abzuheben“, weiß Lutzke. Da sie nach der Rückbuchung der 2000 Euro an die rechtmäßige Besitzerin nun im Minus war, wollte sie die Kosten dafür von der Bank ersetzt haben.

Soviel Dreistigkeit kommt auch erfahrenen Kriminalisten im Job nicht täglich unter. Auch das Argument der 25-Jährigen, die ihre EC-Karte rein zufällig im gleichen Zeitraum verloren haben wollte, und angab, dass jemand mit diesen Daten das Geld auf ihr Konto überwiesen haben musste, stand auf sehr wackligen Beinen. „Wenn sich da eine größere Summe auf dem Konto findet, deren Ursprung sich nicht zuordnen lässt, dann ist der einzige Weg doch eher, mit der Bank zu reden und die Sache klären zu lassen, anstatt schnell mal etwas über 1000 Euro bar abzuheben“, ist sich Heiko Lutzke sicher.

Dazu hätte sich die Verdächtige durchaus selbst äußern können. Doch sie zog es vor, die Ladung zum Gespräch bei der Kripo zu ignorieren. So wird nun der Staatsanwalt ohne ihre Aussage seine rechtliche Wertung zu diesem Fall treffen.

In der Anzeige haben sich immerhin mehrere Tatbestände summiert, so gesellen sich zum Betrugsvorwurf auch noch die Vortäuschung einer Straftat, und die Fundunterschlagung.

Allen, die das Pech haben, ihre EC-Karte zu verlieren, rät der Kriminalist, den Verlust zunächst der Bank anzuzeigen. Dann verweist er noch auf „Kuno“. Dahinter verbirgt sich der sperrige Begriff:

Kriminalitätsbekämpfung im Unbaren Zahlungsverkehr unter Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen. „Nach der Anzeigenaufnahme bei der Polizei, werden die Daten der verlorenen EC-Karte an alle Unternehmen, die ,Kuno‘ angeschlossen sind, deutschlandweit übermittelt“, erläutert Heiko Lutzke. „Damit soll verhindert werden, dass mit diesen Karten auch ohne Pin das elektronische Lastschriftverfahren im Einzelhandel eingekauft werden kann.“

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