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Stralsund Mit nachlassendem Augenlicht auf Suche nach einer Chance
Vorpommern Stralsund Mit nachlassendem Augenlicht auf Suche nach einer Chance
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04:11 12.04.2013
Manuela Gress von den Grünhufer Stadtteileltern (l.)hat gerne mit Kristin Schildman im Nachbarschaftszentrum zusammengearbeitet. Die kleine Layana war oft mit von der Partie. Quelle: privat

Es war gegen Ende des zweiten Semesters. Kristin Schildmann studierte Ernährungswissenschaft, als sie feststellte, dass sie in den Vorlesungen nicht mehr mitbekam, was Dozenten vorne an die Tafel schrieben. „Seit ich neun Jahre alt war, wusste ich, dass sich meine Sehfähigkeit verschlechtert“, sagt die heute 28-Jährige. Und sie erzählt auch, dass sie das nie ernst genommen hat. „Ich hab‘ doch immer noch etwas gesehen.“ Als Kristin Schildmann dann bei Laborversuchen zunehmend Probleme bekam, musste sie das Studium 2007 abbrechen. Was nun?

Für die junge Frau brach eine schwere Zeit an. „Ich hing in der Luft“, sagt sie. Die Arbeitsagentur wollte sie darauf orientieren, die Blindenschrift zu lernen. „Ich hab‘ mich innerlich lange gesträubt, ich war doch noch nicht blind“, versucht sie, ihren Selbstfindungsprozess deutlich zu machen. Zwei Prozent Sehfähigkeit sind ihr noch geblieben. „Klingt für Außenstehende wenig“, sagt sie und betont, dass sie sich damit jedoch ganz gut orientieren kann. Allerdings weiß sie auch, dass vieles davon Gewöhnung und Übung ist. „Das ist wie beim Augenarzt. Ein aufrecht stehender Buchstabe, der nach oben spitz zuläuft, kann nur ein A sein“, versucht sie ein Beispiel zu geben.

Nach außen hin wirkt das alles stark und engagiert. Doch bis heute hadert Kristin Schildmann mitunter mit dem Schicksal: „Vor allem abends, wenn ich versuche, zur Ruhe zu kommen.“ Manchmal ist sie wütend auf sich selbst. In so einem Moment hat sie sich entschlossen, die Brailleschrift für Blinde zu lernen. Das sollte die Grundlage für ihr weiteres Berufsleben werden.

Die Ausbildung in Hamburg war hart. Ihre Beziehung ging in die Brüche, und Töchterchen Layana sollte auch nicht nur nebenbei zu ihrem Recht kommen. Doch Kristin Schildmann schlug sich durch.

Glücklicher war sie danach nicht. „Berufschancen für Sehbehinderte gibt‘s zwar, aber mit der Prognose Blindheit sind sie zu eingegrenzt“, weiß sie. „Es läuft alles immer in die Richtung Callcenter oder Telefonzentrale hinaus.“ Dabei stand für sie stets fest: „Einen reinen Computerarbeitsplatz wollte ich nie haben.“ Ein Satz, der ihren Beratern im Jobcenter regelmäßig die Haare zu Berge stehen ließ.

Mit Menschen arbeiten, das wär‘s. Kristin Schildmann wollte sich nicht aufgeben. Hartz IV sollte nicht die letzte Chance im Leben sein. Sie setzte Briefe auf: „Wer gibt junger Sehbehinderter die Chance, in neuen Beruf hineinzuschnuppern?“ Das Kreisdiakonische Werk meldete sich, verwies im vergangenen Oktober auf die Möglichkeit eines ehrenamtlichen Praktikums im Nachbarschaftszentrum Grünhufe. Sie nahm an und ist bis heute überzeugt: „Alles besser, als vom Amt in Maßnahmen gedrängt zu werden.“

Im NBZ ist Organisator Thomas Nitz immer noch begeistert: „Erst wollten wir dem Mädel nur die Möglichkeit geben, aus den eigenen vier Wänden zu kommen. Doch schnell war klar, das Tini hier in ihrem Element war. “ Sie telefonierte, organisierte und koordinierte Projekte und unterstützte die Stadtteileltern bei deren Vorhaben. „Ihre Hilfe hat uns hier Freiräume geschaffen für andere Aufgaben“, betont Nitz. Und Manuela Gress von den Stadtteileltern erinnert sich gern daran, wie engagiert Kristin die gemeinsame Weihnachtsfeier mit den Asylbewerberkindern vorbereitet hat und ist traurig, dass sie jetzt weggeht. Kristin Schildmann hat durch dieses Praktikum mehr Selbstvertrauen geschöpft, sich neue Ziele gestellt. „Im Mai gehe ich nach Berlin“, sagt sie und lässt durchblicken, dass es einen neuen Lebensgefährten gibt, der ihr für diesen wichtigen Schritt den Rücken stärkt. In der Hauptstadt will sie beruflich neu durchstarten, hofft darauf, dass sie an der Außenstelle des Berufsförderungswerkes Halle die Chance auf eine Ausbildung im Bereich Marketing oder zur Bürofachkraft erhält. Nach der Erfahrung im Grünhufer Nachbarschaftszentrum steht für sie jetzt auch fest:

„Daneben werde ich mir in Berlin auch eine ehrenamtliche Arbeit im sozialen Bereich suchen.“

Wer gibt junger Sehbehinderter die Möglichkeit, in neuen Beruf zu schnuppern?“Kristin Schildmann (28) in ihrer Praktikumsbewerbung

Jörg Mattern

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