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Modernes Wohnen im Schlossambiente

Stralsund Modernes Wohnen im Schlossambiente

Ab kommendem Frühjahr soll das „Schloss am Sund“ 15 Familien komfortablen Wohnraum bieten. Ein Rostocker Bauunternehmen erwarb das Haus aus der Hinterlassenschaft von Weyland & Quast.

Stralsund. Wer würde es der imposanten Villa „Schloss am Sund“ in der Gerhart-Hauptmann-Straße 5 ansehen, dass sie einmal aus einer Brauerei hervorging? Dokumente des Stadtarchivs belegen, dass hier am 27. Mai 1878 der Konsul und Kaufmann Eugen Diekelmann die „Schlossbrauerei“ gründete. Das Anwesen an der früheren Strand-/Ecke Sarnowstraße, so Archivmitarbeiter Dr. Andreas Neumerkel, umfasste damals neben Braugebäude, Wohnhaus und Kontor auch ein Gartenlokal. Um 1914 erwarb die Handelsfirma Albert Wertheim die ehemalige Schlossbrauerei, die zuletzt unter Hansa-Brauerei AG firmierte, und holte sich bei der Stadt die Erlaubnis für den Umbau in ein vornehmes Wohnhaus ein. Dazu mussten die Fabrikschornsteine abgerissen werden, und die Front wurde mit Balkons verziert.

Gleich nach erteilter Baugenehmigung verkaufte Wertheim das Grundstück an den Lehrer Paul Becker. Der Umbau war bereits im September 1914 vollendet. Im selben Jahr entstand auch der schmiedeeiserne Zaun auf dem gemauerten Sockel. Zu den gut betuchten Mietern gehörten in den Folgejahren Kaufleute, Lehrer, Angestellte im gehobenen Dienst, Rentner und Künstler. In den 20er-Jahren bewohnte zum Beispiel die Malerin Elisabeth Büchsel das Haus.

Nach der Wende kaufte die Firma Weyland & Quast das sanierungsbedürftige „Schloss am Sund“ und nahm auch Bauarbeiten in Angriff, ehe sie Pleite ging. Aus der Konkursmasse erwarb in diesem Sommer die Rostocker Baugesellschaft mbH die geschichtsträchtige Immobilie. „Nach sehr langen, reiflichen Überlegungen“, wie Geschäftsführer Uwe Borck den Schritt kommentiert. „Denn dieses Haus birgt eine Menge Schwierigkeiten, und es wird auch eine Menge Geld kosten.“

So geht er davon aus, dass fast sämtliche von Weyland & Quast initiierten Arbeiten noch einmal gemacht müssen. „Sie sind durchweg völlig oberflächlich ausgeführt worden“, erzählt er. „Da wurde Tapete auf durchfeuchtete Wände geklebt, die Badfliesen kamen ohne Schutzschicht auf die Holzfußböden, die Heizungsrohre sind so schief und abenteuerlich verlegt, dass es weh tut. Es ist ein Drama, was hier für Geld vergeudet wurde.“ Und dabei sei es doch so ein wunderbares Haus.

Die leuchtend weiße Fassade mit den Verzierungen, Balkons und Erkern, die großen Wohnungen mit den Stuckdecken, farbig verglasten Fenstern und anderen Schmuckelementen sowie der „hochherrschaftliche“ Eingang mit der Deckenmalerei haben es Uwe Borck angetan. „Wir wollen behutsam und gründlich sanieren“, sagt er.

An diesem Montag ging's los. Zunächst rollte der Bagger für die Trockenlegung der Fundamente an. Dann folgen Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallationen. Die Küchen und Bäder erhalten moderne, zeitgemäße Ausstattungen. Ansonsten wird in Absprache mit der Denkmalpflege vieles wiederaufgearbeitet die schönen Türen und auch die alten Kastenfenster. „Wenn die ordentlich schließen, sind sie besser als jedes Thermofenster“, ist Borck überzeugt. Zur Erhöhung des Wohnwerts kam man mit der Denkmalpflege überein, an der Rückfront Balkone und Terrassen weiter auszubauen, damit alle Bewohner den fantastischen Blick über den Sund genießen können.

Im Mai 2002 soll alles komplett sein. Ein Teil der 15 exklusiven Wohnungen ist schon verkauft. Der Investor ist zuversichtlich, auch für die verbleibenden recht bald Liebhaber zu finden, die das Leben in einer nostalgischen Schlossvilla in dieser gefragten Wohngegend zu schätzen wissen.



ELFI GÜNTHER

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