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Stralsund Mutter fordert bessere Kita-Betreuung
Vorpommern Stralsund Mutter fordert bessere Kita-Betreuung
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00:01 05.10.2016

Frust über den schlechten Betreuungsschlüssel in Greifswalder Kindertagesstätten: Mutter und Ärztin Maja Ratzmann (44) hält eine tägliche Betreuung von zehn Stunden in einer Kindertageseinrichtung für gesundheitsgefährdend. Grund: Eine Erzieherin muss sich um zu viele Kinder kümmern. „Die Menschlichkeit bleibt bei diesen Bedingungen auf der Strecke.

Die Erzieher haben keine Zeit, auf die Bedürfnisse der einzelnen Kinder einzugehen, weder im Kindergarten noch in der Krippe“, sagt Ratzmann, die selbst Mutter von zwei Kindern ist (4 und 11).

„Dabei sind die ersten drei Jahre die wichtigsten im Leben eines Kindes“, ergänzt Ratzmann.

Rückendeckung bekommt die Mutter aus Greifswald von der Bertelsmann-Stiftung. Sie kritisiert den schlechten Betreuungsschlüssel in den Kindertageseinrichtungen in MV seit Jahren. Als ideal gilt nach Angaben der Experten, wenn ein Erzieher maximal acht Kindergartenkinder betreut, also Mädchen und Jungen im Alter von drei bis sechs Jahren. In MV ist ein Erzieher stattdessen für 15 Kinder zuständig. In keinem anderen Bundesland ist der Betreuungsschlüssel so schlecht wie in MV.

Nicht den Schlussplatz, aber gerademal auf Rang 12 (von 16) schafft Mecklenburg-Vorpommern bei den Krippenkindern. Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt hier, dass ein Erzieher für drei Kinder unter drei Jahren zuständig ist. Tatsächlich sind aber sechs in einer Gruppe. Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) hält die Angaben der Bertelsmann-Stiftung für wenig aussagekräftig, sie betont die sehr gute Ausbildung des Personals in MV (siehe Beitrag rechts). Tatsächlich ist das Ausbildungsniveau in keinem anderen Bundesland so hoch wie hier. Nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung haben 93 Prozent des pädagogischen Personals auch einen Fachschulabschluss.

Trotzdem fordern auch Verbände und Kommunen seit Jahren einen besseren Betreuungsschlüssel, wie Christian Möller, Sprecher des Sozialministeriums, bestätigt. Unter anderem macht sich die Kreisverwaltung Vorpommern-Greifswald für ein besseres Fachkraft-Kind-Verhältnis stark. Sozialdezernent Dirk Scheer (parteilos), weist darauf hin, dass die Anforderungen an die Erzieher in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Das Kita-Personal müsse die Entwicklung der Kinder dokumentieren, mit den Eltern Entwicklungsgespräche führen, mögliche Defizite erkennen und fördern, die Arbeit vor- und nachbereiten. „Der gegenwärtige Personalschlüssel reicht hiefür nicht aus“, sagt Scheer. Immerhin wurde das Fachkraft-Kind-Verhältnis in der Krippe seit 1996 nicht verändert.

Lars Bergemann (Linke), Vorsitzender des Kreisjugendhilfeausschusses, kennt die Forderungen nach einer besseren Personalausstattung vor allem von den Leitern der Kindertagesstätten im Kreis. „Die Hoffnungen sind groß, dass ein besserer Betreuungsschlüssel im Koalitionsvertrag aufgenommen wird“, sagt Bergemann. Diesen verhandeln derzeit SPD und CDU.

Mutter Maja Ratzmann fordert die Politiker auf, mehr Geld in die Kleinkinder zu investieren. „20 Prozent der Kinder und Jugendlichen gehen heute zum Psychiater. Wenn wir die Betreuung bei den Kleinsten verbessern, könnte dieser Anteil sinken“, ist Ratzmann überzeugt.

Katharina Degrassi

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