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Stralsund Naturwald: Sägen sollen für immer schweigen
Vorpommern Stralsund Naturwald: Sägen sollen für immer schweigen
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00:10 05.05.2018
Landrat Ralf Drescher (l.) und Forstamtsleiter Andreas Baumgart informieren sich über die Naturwaldparzelle bei Schuenhagen. Quelle: Foto: Nicole Wasmund

Velgast/Schuenhagen. Nichts mehr mit „Der Wald wird gefegt“, wie es in einem alten Schlager heißt. In einem kleinen Wäldchen am Barthe-Ufer, ganz in der Nähe des Forstamtes Schuenhagen, werden nun nicht nur die Sägen für immer schweigen. Durch die Aufgabe der forstlichen Nutzung in diesem Bereich sollen dort natürliche Entwicklungsprozesse weitestgehend ungestört ablaufen. Das heißt auch, der Mensch greift überhaupt nicht mehr ein.

„Die Naturwaldparzelle repräsentiert typische Waldgesellschaften der vorpommerschen Lehmplatten, wie etwa den sumpfigen Erlen-Bruchwald, den feuchten eschenreichen Buchenwald oder den frischen Hainsimsen-Buchenwald. Auch Raritäten wie Flatterulme, Feldahorn und Winterlinde kommen hier vor“, begründet Nicole Wasmund diesen wichtigen Schritt. Sie ist im Landkreis die Projektleiterin von „chance.natur“, einem Bundesförderprogramm.

In enger Zusammenarbeit mit der Landesforstanstalt und dem Forstamt Schuenhagen konnten bereits mehrere Waldflächen, wie die Müßer-Naturwaldparzelle, gesichert werden. Mittlerweile sind im Kerngebiet der Nordvorpommerschen Waldlandschaft knapp 80 Hektar Wald dauerhaft aus der forstlichen Nutzung genommen worden. Das Forstamt Schuenhagen stellt zudem knapp 26 Hektar Wald kostenneutral als Altholzinseln zur Verfügung. Forstamtsleiter Andreas Baumgart sagte dazu: „Als öffentlicher Waldeigentümer hat die Landesforst eine besondere Gemeinwohlverpflichtung, und der Waldnaturschutz zählt neben der schonenden forstlichen Bewirtschaftung eben auch zu unseren Kernaufgaben. Der Landeswald sollte immer auch Vorbild sein.“

Bereits 2016 wurde die erste große Naturwaldparzelle im Recknitztal gesichert. Weitere Wald-Flächen, in denen urige Methusalembäume stehen und die von stehendem und liegendem Totholz geprägt sind, sollen aus der forstlichen Nutzung genommen werden. Mit anderen Worten: Es wird nicht „aufgeräumt“, alles bleibt, wie es ist. So können natürliche Prozesse ungestört ablaufen, begründen die Naturfreunde das neue Denken, nicht mehr alles beeinflussen zu müssen. „Diese Wald-Wildnis Gebiete sind auch Oasen für viele seltene Arten, wie etwa Stachelbartpilze, Eremiten – ein winzig kleiner und sehr ortstreuer Käfer – und Mittelspechte“, so Nicole Wasmund.

Das „chance.natur“-Projekt wird von 18 Kommunen aus der Region unterstützt. Diese und weitere 22 Partner aus Land-, Forst- und Tourismuswirtschaft bestimmen die Mitglieder einer elfköpfigen Lenkungsgruppe. In dieser werden unter dem Vorsitz von Landrat Ralf Drescher (CDU) die Projektmaßnahmen abgestimmt, die bis zum Projektende umgesetzt werden sollen.

„Das Projektteam versucht dabei stets auch die Belange der Eigentümer und Flächennutzer zu wahren und in enger Kooperation Maßnahmen im Konsens umzusetzen. Als Ausgleich für die wegfallenden Holzerträge in den Naturwaldparzellen bekommen die Waldbesitzer Geld“, so die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung.

Besonderes Augenmerk legt das „chance.natur“-Projekt auf den Schutz des Schreiadlers. „Der hat hier in der Region noch viele Brutgebiete und Nahrungsflächen, doch es sind noch nicht genug. Deshalb sollen Waldbereiche als Brutwald gesichert und weitere Nahrungsflächen geschaffen werden“, so Dr. Wasmund und ergänzt: „In Mecklenburg-Vorpommern gibt es noch 108 Paare, in Deutschland insgesamt 131.

Die Nordvorpommersche Waldlandschaft ist eines der wichtigsten Brutgebiete des Schreiadlers in Deutschland. Davon können die umliegenden Gemeinden profitieren, denn immer mehr Naturliebhaber aus ganz Deutschland zieht es hierher.“

„chance.natur“-Projekt

Die Nordvorpommersche Waldlandschaft ist eine von vier Bundes-Modellregionen für übergreifende Naturschutzprojekte – eingebettet in das Bundes-Programm „chance.natur“.

8,6 Millionen Euro bekam Vorpommern-Rügen, darin enthalten sind 1,4 Millionen für die Regionalentwicklung. Der größere Teil ist für die Naturschutzprojekte geplant, so für den Schreiadler-Schutz oder die Einrichtung von Naturwaldparzellen.

27 Hektar Offenlandflächen werden inzwischen schreiadlergerecht bewirtschaftet. Das bedeutet, dass die Grünlandflächen bereits früh gemäht werden und auf Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdüngung und Gülle verzichtet wird.

Zur richtigen Zeit gemähtes Grünland ist für den Bodenjäger, der es vor allem auf Mäuse und Frösche abgesehen hat, enorm wichtig. Intensive Landwirtschaft steht dem entgegen.

Eine aus den Förder-Projektmitteln nun wieder naturnah bewirtschaftete Wiese liegt nur wenige Kilometer nordöstlich der Velgaster Naturwaldparzelle, eingebettet in feuchtem Laubwald. Und wenn die eingeleiteten Maßnahmen greifen, dann dürfte sich auch hier der kleine Adler schon bald wieder zu Hause fühlen, hofft Projektleiterin Nicole Wasmund.

Ines Sommer

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