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Stralsund Neubau Kita Spielkiste: Hart erkämpft, und doch gescheitert
Vorpommern Stralsund Neubau Kita Spielkiste: Hart erkämpft, und doch gescheitert
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00:00 13.10.2018
Von außen bietet die Kita Spielkiste keinen schönen Anblick. Das wird vorerst so bleiben, denn ein Neubau ist vom Tisch. Quelle: Foto: Rosa Ahrenberg

Stralsund. Hiobsbotschaft für junge Familien in der Altstadt: Der Neubau der Kita Spielkiste – seit 2006 hart umkämpft und bis 2018 endlich bis zur Baugenehmigung vorangebracht – ist gestorben. Das bestätigte der Geschäftsführer des Kreisverbandes der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Vorpommern, Peter Reizlein, auf OZ-Anfrage. „Es haperte an der Unterbringung der jetzt im Haus betreuten 200 Kinder. Sämtliche Varianten waren zu teuer. Wir bleiben jetzt erst mal in der Spielkiste. Für die Eltern ändert sich nichts.“

Zwei Bedingungen seien für den Ersatz-Standort, der den Mädchen und Jungen für zwei Jahre ein Domizil sein sollte, wichtig gewesen: die Kita-Tauglichkeit und die Nähe zur Altstadt. „Trotz Maklerauftrag, Internetsuche und vielen Gesprächen mit der Hansestadt haben wir keine Lösung gefunden. Wir hätten viel Geld investieren müssen. Zum Beispiel in ein Gebäude auf dem Dänholm. Dort sollten wir als Mieter sogar das Brandschutzkonzept bezahlen. Dann hätten wir auch noch einen Fahrdienst organisieren müssen“, so der Awo-Chef, der im April den Posten für die erkrankte Christiane Geisler übernommen hat. Vorstand und Geschäftsführung der Awo sahen alle Varianten – auch einen Container – als zu teuer an und und sagten das Neubau-Projekt jetzt ab. Damit sind auch 500000

Euro weg, die bereits in die Planung investiert worden waren...

Der Awo-Ausstieg bedeutet auch, dass die Fördermittel aus dem einstigen Kita-Investprogramm futsch sind. „Für die Kita Spielkiste gab es ja schon mehrere Verlängerungen. Somit ist das Geld weg und kann auch von keinem anderen genutzt werden“, bestätigt Landkreis-Sprecher Olaf Manzke.

Stadtsprecher Peter Koslik betont, dass man viele Jahre eng mit der Awo zusammengearbeitet habe, um den Neubau zu ermöglichen. „Wir finden es sehr schade, dass das Projekt jetzt nicht realisiert wird.“

Allerdings ist der Awo bewusst, dass mit der „Spielkiste“ etwas passieren muss. Die damalige Awo-Chefin hatte immer wieder betont, dass es Probleme mit dem Raumklima gebe. „Der Standort ist endlich, das wissen wir. Wir hoffen, dass wir in den nächsten zwei Jahren etwas bauen können, um die alte Kita leer zu ziehen und die jetzigen Plätze zu retten. Wenn die Stadt dann noch Bedarf für weitere Plätze hat, holen wir unser Projekt aus der Schublade und bauen am jetzigen Standort neu“, so Peter Reizlein, übrigens auch Unternehmensberater in Rostock.

Der 52-Jährige betont, dass die Awo jetzt nach einer anderen Lösung suche. Drei Wege werden deshalb abgeklopft. „Erstens verhandeln wir mit der Stadt, um einen Awo-Kita-Neubau auf einem kommunalen Grundstück zu bauen. Zweitens könnte auch ein Investor für uns sein Grundstück mit einer Kindertagesstätte bebauen, und wir mieten uns ein.“ Außerdem wolle man prüfen, ob durch Um- und Ausbauten jetzige Kita-Häuser der Awo erweitert werden können. Man sei aber auch offen für weitere Ideen. „Prämisse ist immer, langfristig Platz für 200 Kinder zu schaffen – und zwar in Krippe, Kindergarten und Hort“, betont die neue kaufmännische Leiterin der Awo Vorpommern, Dr. Catrin Dohse, im OZ-Gespräch.

Chronologie einer unendlichen Bau-Geschichte

2006 begann die Arbeiterwohlfahrt die Planung für eine neue Kita – zunächst am Kütertor, später auf dem Marstall in der Mönchstraße. Ab 2013 wurde ein ErsatzNeubau bei der jetzigen „Spielkiste“ favorisiert. Im neuen Haus sollten 299 Kinder, vor allem aus dem Hort, betreut werden.

2013 lief das Bauantragsverfahren an, die Baugenehmigung lag kürzlich vor. Denkmalpflegerische Ziele und Waldumwandlung wurden zuvor gemeistert.

Zunächst wollte die Stadt keine Kita im Bastionsgürtel, beauftragte aber doch eine Machbarkeitsstudie – mit positivem Ergebnis 2017.

Der Awo-Kreisverband wollte die neue Kita bauen, denn das Haus auf der Mühlenbastion ist in die Jahre gekommen. Darüber täuschen auch die vielen Verschönerungsarbeiten nicht hinweg.

„Außerdem macht uns das Raumklima Sorgen“, sagte die ehemalige Awo-Geschäftsführerin Christiane Geisler 2017. iso

Ines Sommer

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