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Stralsund Neue OP-Methode: Krebspatient gerettet
Vorpommern Stralsund Neue OP-Methode: Krebspatient gerettet
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03:41 13.07.2013
Zum ersten Mal führte Prof. Matthias Birth, Chefarzt der Chirurgie und Ärztlicher Direktor am Helios Hanseklinikum (r.), an einem Tumor-Patienten erfolgreich eine neuartige Leber-OP durch, ohne die Klaus Noetzel keine Überlebenschance gehabt hätte. Quelle: Marlies Walther

Man mag es nicht glauben: Nur drei Tage nach einem komplizierten Eingriff, den es so in Stralsund noch nicht gegeben hat, sitzt der 68-jährige Patient wieder aufrecht im Bett und löffelt seine Suppe. „Und die schmeckt auch wieder“, freut sich Klaus Noetzel.

Der Mann aus Ducherow bei Anklam kann wieder lachen. Und das, obwohl der Krebskranke 80 Prozent seiner Leber verloren hat. Bei einer Operation, ohne die er allerdings keine Überlebenschance gehabt hätte. „Die schwere OP hat mir der Professor leicht gemacht“, sagt der Mann, der viele Jahre auf dem Bau gearbeitet hat, voller Dankbarkeit.

Prof. Matthias Birth, Ärztlicher Direktor des Helios Hanseklinikums und Chefarzt der Chirurgie, hat an dem Krebskranken zum ersten Mal erfolgreich einen so genannten „In-Situ-Split“ praktiziert.

Diese Operationstechnik wird in Deutschland bislang „von einer Handvoll Ärzten“, so Birth, durchgeführt. Auch international seien die Erfahrungen noch beschränkt. Zur Anwendung kommt die Methode, wenn Patienten einen Tumor haben, der so groß ist oder so ungünstig liegt, dass er zwar technisch entfernbar wäre, aber zu wenig gesundes Lebergewebe übrig bleibt, um zu überleben. Das würde normalerweise als nicht operabel gelten.

Bei einem ersten Eingriff am 17. Juni wurde bei Klaus Noetzel die Leber durchtrennt. Zusätzlich wurde eines der beiden Blutgefäße für den tumortragenden Anteil abgetrennt. Die Leber hat eine doppelte Blutversorgung. Sie erhält Schlagaderblut und so genanntes Pfortaderblut — nährstoffreiches Blut aus dem Darm — erläutert Birth.

Nach dieser OP wartete man drei Wochen in der Hoffnung, dass der gesunde Anteil wächst, weil der kranke Teil nicht mehr mit genügend Blut versorgt wird. Wenn das Wachstum ausreichend stark ist — bei Klaus Noetzel hatte sich das Volumen des gesunden Leberanteils fast verdreifacht — erfolgt die zweite OP. Dabei wird der tumortragende Teil auch von der zweiten Blutversorgung abgekoppelt und endgültig entfernt. Wie alles verläuft, könne man natürlich vorher nicht sagen. „Aber die Überlebenszeit liegt ohne OP bei wenigen Wochen. Es ist also eine Chance, die der Patient sonst nicht hätte“, sagt der Chefarzt. „Wir freuen uns, dass es gelungen ist.“ Die kritische Phase sei nun überstanden, die Leberwerte verbessern sich. Mit der Restleber könne Klaus Noetzel gut weiterleben, ist Birth überzeugt. Schon am Montag, als er der Lebensgefährtin des Rentners am Telefon die Nachricht überbrachte, dass die Operation gelungen sei, konnte er ihr sagen: „Ich habe ein gutes Gefühl!“ Und das sollte auch anderen Patienten mit einem ähnlichen Krankheitsbild Mut machen, hofft der Chefarzt. Ob die OP im Einzelfall möglich ist, hänge sicher von verschiedenen Faktoren ab. So dürfe der Tumor noch nicht gestreut haben. Das wurde im Fall von Klaus Noetzel zuvor mit einer Bauchhöhlenspiegelung abgeklärt.

Ansonsten spiele das Alter kaum eine Rolle, jedoch müsse der Patient in einem Gesamtzustand sein, dass er den mehrstündigen risikovollen operativen Eingriff übersteht. Ein Alternative gebe es nicht.

Und er muss es selbst wollen. „Zu so einer Operation kann man niemanden überreden“, so Birth.

Wie es nun für Klaus Noetzel weitergeht, werde in der interdisziplinären Tumorkonfernz des Helios Hanseklinikums besprochen, das alle Fachexperten an einen Tisch holt. Überhaupt sei der Erfolg nur als große Teamarbeit möglich gewesen, betont der Ärztliche Direktor und lobt die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Ohne diesen Schritt hätte es für den Patienten keine Zukunft gegeben. Die Operation ist eine Chance.“Prof. Matthias Birth (48), Chefarzt der Chirurgie am Helios Hanseklinikum

Marlies Walther

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