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Stralsund Neuer Anlauf für Darßbahn: 14 Ordner voller Hoffnung
Vorpommern Stralsund Neuer Anlauf für Darßbahn: 14 Ordner voller Hoffnung
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00:00 06.06.2017
Zingst

In zwei Umzugskartons stecken jede Menge Chancen, aber mindestens ebenso viele Aufgaben für das Seeheilbad Zingst. 14 Aktenordner stark sind die Unterlagen der Planfeststellung für die Darßbahn im Abschnitt von der Meiningenbrücke bis nach Zingst. Die öffentliche Auslegung beginnt heute und geht bis zum 5. Juli.

Von Timo Richter
Von Timo Richter

Die Kommune will nicht alles akzeptieren. Denn mit der Bahn würde ein ganz neues Verkehrsmittel in das Seeheilbad kommen, dass den innerörtlichen Verkehr auf den Kopf stellt – neue Bahnübergänge, neue Verkehrsströme. Das stellt die Verantwortlichen in der Zingster Verwaltung langfristig gesehen vor große Probleme. Ein neues Verkehrskonzept braucht der Ort jetzt, dringend. Die langfristige Planung für eine Bahnanbindung hemmt die aktuellen Vorhaben, um den Verkehr in dem Ort zu sortieren.

Von der Meiningenbrücke kommend auf der ursprünglichen Strecke am Waldrand entlang würde die Trasse vom Gewerbegebiet am Ortsrand in einem Schwung über die Waldwiesen hin zum Haltepunkt nahe dem Experimentarium führen (siehe Karte). Im Vergleich zur ersten Auslegung vor vier Jahren hat sich daran nichts geändert. Kritik kommt von der Kommune. Die würde die Haltestelle lieber so weit wie möglich vom Deich wegverlegen. Folge: Der Verkehrsfluss der vielbefahrenen Kreisstraße würde nicht durch einen Bahnübergang behindert. Der Zingster Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) erwartet in dieser Frage geradezu einen Aufschrei aus der Kreisverwaltung. Die Neuorgansisation des Verkehrs nicht nur in Zingst, sondern in der gesamten Region infolge des Bahnanschlusses sei „eine klassische Aufgabe für den Zweckverband maritimer Lückenschluss“. Da müsse die ganze Region an einem Strang ziehen. Pruchten allerdings klagt aktuell gegen den Planfeststellungsbeschluss für den Abschnitt zwischen der Meiningenbrücke und Barth. Der Wiederanschluss des Zingst an die Bahn ist längst noch nicht in trockenen Tüchern.

Dennoch will das Zingster Gemeindeoberhaupt den Bahnanschluss auf jeden Fall. Um planungsmäßig nicht auf ein Abstellgleis zu geraten, fordert Kuhn eine zeitnahe Grundsatzentscheidung zum Betrieb der Strecke von Barth nach Velgast. Ohne eine Bestandszusage seitens des zuständigen Ministeriums in Schwerin würde auf der Halbinsel eine „Geisterbahn“ geplant. Bis Ende Juli will Minister Pegel über wohl oder Wehe des Abschnitts entscheiden. Sollte die Einstellung des Betriebs auf dem Abschnitt politisch gewollt sein, will sich Kuhn für ein sofortiges Ende der Planungen für die Darßbahn einsetzen.

„Wir müssen und wollen den Ort auf die Bahnanbindung ausrichten“, sagt Kuhn. Weil aber der innerörtliche Verkehr mit der Anbindung komplett neu organisiert werden müsste, will der Bürgermeister größtmögliche Vorteile für Zingst herausschlagen. Denn Kuhn misst der Bahnanbindung „seines“ Seeheilbades große Bedeutung zu. Die geht weit über die zusätzliche Anreisemöglichkeiten für Urlauber hinaus. Die Darßbahn werde auch für die immer älter werdende Bevölkerung immer wichtiger, um beispielsweise zu Fachärzten in Stralsund zu gelangen – ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Bauamtsleiter Ingo Reichelt findet in den Unterlagen auch Vorteile für die Kommune. So soll beispielsweise der Abzweig der südlichen Ortszufahrt durch einen groß dimensionierten Kreisverkehr ersetzt werden. Ein von der Kommune immer wieder gewünschter Haltepunkt am Gewerbegebiet am Ortseingang ist zwar nicht Bestandteil der Planfeststellung, kann aber nachträglich eingerichtet werden, wenn der Bedarf da ist.

Die Pflicht des Staates

Kann der Betrieb einer lokalen Bahnstrecke überhaupt kostendeckend sein? Darf das das entscheidende Argument sein? Ich meine, nein. Zuallererst geht es in dieser Frage um die Bewohner. Immer weniger Ärzte, immer weniger Einkaufsmöglichkeiten – die Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung wird immer schlechter. Da ist es ganz einfach die Pflicht des Staates, wenigstens eine Grundversorgung zur Verfügung zu stellen, auch wenn das etwas kostet. Wo für Touristen überall der rote Teppich ausgerollt wird, muss für die Einwohner wenigstens ein Zipfel übrig bleiben. Die Niederlande, Schweden oder Dänemark machen es vor – ein öffentlicher Nahverkehr wird angenommen, wenn er denn funktioniert. Aufs Abstellgleis würde die Landesregierung rangieren, wenn sie mit dem Aus für die Bahnstrecke von Barth nach Velgast gleichzeitig das Aus für die Anbindung der Halbinsel ans Schienennetz verkünden würde. Die Schiene auf die Halbinsel ist viel mehr als ein Angebot für Touristen, sie ist am Ende eine Art Daseinsvorsorge für die Bevölkerung in der Region. Diese zu finanzieren, ist eine fundamentale Aufgabe der öffentlichen Hand.

Timo Richter

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