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Stralsund Neuer Anlauf für den Denkmalschutz des Werft-Hochhauses
Vorpommern Stralsund Neuer Anlauf für den Denkmalschutz des Werft-Hochhauses
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08:33 19.02.2019
Seit bald 20 Jahren steht der einstige Vorzeigebau leer. Fraglich, ob er als Denkmal eine Zukunft hätte. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund

Die Anlagen der einstigen Stralsunder Volkswerft prägen das Bild der Stadt – dazu gehört auch der einstige Verwaltungstrakt mit dem einst modernen Hochhaus. Dass Bauwerk mit seinen 42 Metern Höhe beschäftigt in dieser Woche der Bauausschuss der Stadt. Hintergrund ist ein Antrag der Bürgerschaftsmitglieder Michael Adomeit und Gerd Riedel (beide fraktionslos). Die hatten das Thema schon bei der vergangenen Bürgerschaftssitzung auf die Tagesordnung gebracht und fordern, dass das Volkswerfthochhaus unter Denkmalschutz gestellt wird. Eine Entscheidung, die in letzter Konsequenz nicht in der Hand der Politiker liegt. Aber ein solcher Beschluss könnte eine Neubewertung beim zuständigen Landesamt für Kultur und Denkmalpflege in Gang setzen – zumindest theoretisch. Die Bürgerschaft hatte sich Ende Januar mit dem Vorschlag befasst, ohne eine Entscheidung zu treffen. Stattdessen wurde der Fachausschuss eingeschaltet, der am Donnerstag zusammentritt.

Mehr Wertschätzung für DDR-Architektur

Die Antragsteller argumentieren mit dem Status des Gebäudes zu Zeiten seiner Errichtung Anfang der 70er-Jahre. Damals sei es das modernste und innovativste Großraumbüro der DDR gewesen, so Adomeit. Und sie verweisen auf das Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung in Berlin-Erkner. Dort hatte der Historiker Dr. Harald Engler vergangenes Jahr in einem Interview gefordert, dass ostdeutsche Städte „konstruktiv mit ihrem DDR- Bauerbe als Teil der Kunstgeschichte umgehen.“ Es habe interessante Ansätze gerade beim industriellen Bauen gegeben, erklärt der Wissenschaftler mit Blick auf den Denkmalschutzstatus für Bauten aus dieser Zeit.

Der Eigentümer erwarb das Hochhaus per Versteigerung für rund 125 000 Euro. Was er damit vorhat, darüber schweigt er seit Jahren. Quelle: Sammlung Sauer

Parallel zum Bau neuer Produktionshallen wurde ab 1972 das Hochhaus als Verwaltungstrakt errichtet und zwei Jahre später in Betrieb genommen. Die elf Geschosse bieten gut 8000 m² nutzbare Fläche. Daneben entstand ein viergeschossiger Anbau. Inzwischen allerdings stehen die Büros seit mehr als 15 Jahren leer. Nach der Pleite der P+S-Werften verblieb das Gebäude zunächst beim Insolvenzverwalter und wurde vor knapp fünf Jahren versteigert. Den Zuschlag erhielt der Ingenieur Henry Gerhard Müller. Was daraus werden könnte, ist völlig offen. Der Bebauungsplan lässt keine Nutzung als Wohnhaus oder gar Hotel zu. Eine nötige Sanierung wurde schon vor einigen Jahren mit einem zweistelligen Millionenbetrag beziffert. Müller gibt sich gegenüber der Stadtverwaltung und der Öffentlichkeit seit Jahren zugeknöpft. „An dem Haus muss endlich etwas passieren“, so Bürgermeister Dr. Alexander Badrow. Die Stadtverwaltung arbeite intensiv an dem Thema, erklärter ohne Details zu nennen.

Schlechte Chancen und Gegenwind

Würde das Hochhaus nun zum Denkmal erklärt werden, könnte das auch den schweigsamen Eigentümer unter Druck setzen, tätig zu werden. Und sei es, durch ein Verkaufsangebot oder eine erneute Auktion. Denn mit dem Denkmalstatus würden die potenziellen Sanierungskosten wohl weiter steigen. Prinzipiell sei die Zustimmung des Eigentümers nicht nötig, um ein Denkmal zu definieren, so Adomeit. In der Stadtverwaltung wiederum misst man dem Vorstoß nur wenig Chancen auf Erfolg bei. Das machte Kirstin Gessert von der städtischen Abteilung für Planung und Denkmalpflege deutlich. Nach der Wende wurden landesweit Denkmallisten erstellt, auf denen das Hochhaus nicht berücksichtigt wurde. „Auf Initiative eines Stralsunder Bürgers wurde das beim Landesamt Ende vergangen Jahres noch mal geprüft“, so Gessert. Mit negativem Ergebnis. Auch in der Bürgerschaft sind längst nicht alle beseelt vom Gedanken an ein neues Denkmal. „Solche Bauten gibt es hundertfach und die Stadt hat ohnehin kein Geld um daraus etwas zu machen“, so Bürgerschaftsmitglied Matthias Laack.

Carsten Schönebeck

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