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Neuer Glanz für ein altes Traufenhaus

Stralsund Neuer Glanz für ein altes Traufenhaus

Noch befindet sich das Denk- mal Semlower Straße 17 in traurigem Zustand, doch das soll sich jetzt ändern. In die- sem Monat will hier Eigen- tümer Michael U. Hotze die Bauleute anrücken lassen.

Stralsund. Die ungewöhnliche Dachform hat es Architekt Jasper Herrmann besonders angetan. Mit seiner Pyramidenstruktur sei das Gebäude eine Rarität in der Hansestadt. So ist das Dach mit seinen drei Böden fast genauso hoch wie der Rest des im 18. Jahrhundert errichteten Traufenhauses, das ansonsten mit seiner durch Pilaster gegliederten Fassade typisch für den Geschmack jener Zeit ist.

Hotze und Herrmann, die auch bei den geplanten Häusern am Knieperteich (OZ berichtete) und weiteren Projekten in der Stadt zusammenarbeiten, haben sich für die Semlower Straße 17 einiges vorgenommen. Gut 600 000 Euro will der Kaufmann aus Frankfurt am Main hier investieren. Wenn, wie geplant, im Herbst alles fertig ist, wird es hier statt sieben neun Wohnungen geben mit Größen von 37 bis 140 Quadratmetern, was durch den Ausbau des Daches möglich wird. Dort entstehen die beiden sich über jeweils zwei Ebenen erstreckenden Maisonette-Wohnungen.

In den unteren drei Vollgeschossen wird sich ebenfalls eine Menge ändern. Damit alle Appartements sowohl Fenster zur Süd- als auch zur Nordseite haben, werden die Grundrisse

entsprechend verändert. Sämtliche Wohnungen werden an der zur Sonnenseite gelegenen Rückfront mit Balkonen bzw. Terrassen im Dach- und Parterrebereich versehen. Auch mit dem Einbau eines Aufzugs, der alle Etagen anfährt, setzt der Investor er will schließlich zumindest die oberen Etagen als Eigentumswohnungen veräußern auf hohen Standard.

Dazu gehört laut Jasper Herrmann die weitestmögliche Erhaltung der historischen Substanz von den Holzfußböden über die Türen bis zu den Fenstern, wobei hier allerdings nur zwei Exemplare aus der Barockzeit erhalten geblieben sind. Besonders viel Atmosphäre dürften die Dachwohnungen haben, denn da sollen die Holzbalken offen sichtbar bleiben. Der Blick über die Altstadt und zur Nikolaikirche werde traumhaft sein.

Die Geschichte dieser Adresse lässt sich bis 1700 zurückverfolgen, so Andreas Neumerkel vom Stadtarchiv. Damals tauchte ein Herr Martin Klinkow als Eigentümer in den Akten auf. Irgendwann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts müssen dann zwei Parzellen zu einem Haus verbunden worden sein. Möglicherweise im Auftrag von Adam Fabricius. Der Spross einer bekannten Stralsunder Juristenfamilie wurde 1778 bis 1844 als Eigentümer geführt. Später folgten der Konsul und Kaufmann Carl Heinrich Albert Krummsee und 1878 der Maurermeister Theodor Teichen, seinerzeit erfolgreichster Bauunternehmer am Sund.

Bereits 1706 wurde in der schwedischen Matrikel von einem Brauhaus im Hof berichtet, das auch als Stall für 20 Pferde nutzbar sei. Davon ist freilich nichts mehr übrig geblieben. Ein Bombentreffer zerstörte am 6. Oktober 1944 den gesamten hinteren Bereich. Schon 1939 hatte die Semlower 17 ihren Charakter stark verändert, als die Straße als erste und einzige im Rahmen des „Entschandelungsprogramms“ saniert wurde. Das Dach der 17 soll zuvor so marode gewesen sein, dass ständig Steine runterfielen.

Wohl wegen dieser Rekonstruktion ist das Haus noch vergleichsweise gut in Schuss, auch wenn sich bereits der Schwamm eingenistet hat. Der Architekt hat an das Gebäude übrigens auch ganz persönliche Erinnerungen. Als der gebürtige Jenenser 1983 nach Stralsund kam, war eine Wohnung im Erdgeschoss die allererste Adresse.



CHRISTOPH HOHLFELD

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