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Neuer Rektor: Mehr Lachen, Kreativität, Stolz und Innovation

Stralsund Neuer Rektor: Mehr Lachen, Kreativität, Stolz und Innovation

Dr. Matthias Straetling (53) wird heute offiziell in sein Amt eingeführt / Der Mann an der Spitze der Fachhochschule will an die Aufbruchstimmung vor 25 Jahren anknüpfen

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Dr. Matthias Straetling vor dem verwunschenen Haus 8 der Fachhochschule am Ostseefernradweg: „Der Campus ist ein öffentlicher Ort!“. Wenn es nach dem neuen Rektor geht, können die Stralsunder hier bald auf ein Glas Bier oder Brause einkehren.

Quelle: Marlies Walther

Stralsund. Turbulente zwei erste Wochen im Amt liegen hinter ihm. Heute wird er offiziell als 7. Rektor der Stralsunder Fachhochschule eingeführt: Dr. Matthias Straetling.

Der neue Mann an der Spitze der Hochschule kommt „mit einem Rucksack an Erfahrungen“, wie er selbst sagt, aus der Schweiz nach Stralsund.

Studiert hat der 53-Jährige in Deutschland und Österreich. Seit 2000 übernahm er verschiedene Lehr- und Leitungsfunktionen an deutschen und internationalen Hochschulen. Zwölf Jahre war er an der Uni St. Gallen in der Schweiz tätig, zuletzt arbeitete er als Vizepräsident der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. In den 1990er-Jahren hatte er im Auftrag der EU mit einem Büro in Riga Projekte in Osteuropa umgesetzt. Damals gab es auch den ersten Kontakt zu Mecklenburg-Vorpommern – durch eine Gastdozentur in Güstrow. „Nach Stralsund komme ich als überzeugter Europäer“, sagt der Vater von zwei Kindern.

Kein Geheimnis macht der Wissenschaftsmanager daraus, dass es für ihn eine besondere „Lebensherausforderung“ ist, dass man in Stralsund auch ohne Professoren-Titel zum Rektor gewählt werden kann.

Das sei eine „mutige Entscheidung“ gewesen. 24 der 36 Mitglieder des Konzils hatten ihm im Januar ihre Stimme gegeben.

„Wir sind hier eine kleine aber gut aufgestellte Fachhochschule mit hoch motivierten Mitarbeitern, hervorragenden Studienangeboten und guter Ausstattung“, sagt Straetling und sieht die Einrichtung „konkurrenzfähig“ mit Unis in ganz Deutschland. Die Hochschule müsse ihr Licht nicht unter den Scheffel stellten. Da fehle ihm einfach etwas mehr Stolz und Selbstbewusstsein.

„Ich möchte dieser Fachhochschule zusammen mit dem Rektorat zu der Ausstrahlung verhelfen, die sie verdient hat“, kündigt Straetling an. Er glaube an die Kraft von Kreativität und Innovation, um aus einem gewissen „Trott“ herauszukommen. Dafür müssten die Bedingungen geschaffen werden. Das fange oft im Kleinen an. „Wir können deutlich mehr Studierende haben“, ist der Rektor überzeugt. Derzeit sind 2300 Frauen und Männer eingeschrieben. Die 3000er-Marke würde der Chef, der für vier Jahre gewählt ist, gern fallen sehen. Erneuerbare Energien oder Tourismus, diese Studiengänge seien zum Beispiel für ganz Deutschland oder auch die Schweiz interessant.

Er verstehe sich weder als Sanierer noch als Krisenmanager, „weil es hier keine Krise gibt“. Vielmehr möchte der Rektor an die Aufbruchstimmung vor 25 Jahren und den familiären Zusammenhalt anknüpfen. „Herausforderungen wie Digitalisierung, Internationalisierung, Hochschulfinanzierung und Demografie erfordern frisches Denken und neue Antworten“, hebt Straetling hervor.

Er komme aus einer „Konsenskultur“, sei aber ebenso an schwierige Umfelder gewöhnt. Da müsse man auch mal im Wind stehen, sagt der Mann, der bei der letzten Mittwochsregatta auf der „Jet Leg“

ausprobiert hat, wie es sich bei einer ordentlichen Brise auf dem Sund segelt. Und es soll künftig mehr gelacht werden auf der Schwedenschanze. „Der Campus ist ein öffentlicher Ort. Jeder Stralsunder sollte mindestens einen Angehörigen der Fachhochschule kennen“, sagt er.

Straetling hat viele Ideen, die er kaum alle umsetzen wird, wie er selbst vermutet. Aber an diese hat er binnen kürzester Zeit sein Herz gehängt: Nächsten Herbst möchte er den Beginn des neuen Studienjahres auf der Terrasse eines verwunschenen Häuschens, von Efeu zugewachsen, mit verblichener Bierwerbung an der Fassade, feiern. Am Ostseefernradweg wartet Haus 8 auf die Erweckung aus dem Dornröschenschlaf. Wenn’s nach dem Rektor geht, lieber heut’ als morgen.

Ein Deutsch-Schweizer mit Schwäche für große Bilder

Geboren wurde Matthias Straetling am 14. Juni 1963 in Bochum. Er wuchs in Köln auf, ist Deutscher und Schweizer.

Mit seiner Frau , einer Optikermeisterin, hat er einen elfjährigen Sohn und eine neunjährige Tochter. Die Familie lebt in St. Gallen. Dorthin will Straetling, der in der Stralsunder Altstadt eine Wohnung hat, aller zwei Wochen fliegen. Zu seinen Hobbys zählt er das Skifahren und Wandern. Er habe aber auch eine Schwäche für „große Bilder“.

Die weißen Wände seines neuen Büros auf der Schwedenschanze schmücken drei farbintensive, großformatige Arbeiten in Orange, Gelb und Grün von Melanie Richter aus Düsseldorf. Der Titel der Gemälde: „Sterbende Geier“. Er sei fasziniert, wie die Künstlerin ein so schreckliches Sujet dargestellt hat. Kunst gebe ihm Kraft.

Auf dem Ortseingangsschild der Hansestadt Stralsund würde der neue Rektor künftig gern den Zusatz Hochschulstadt lesen.

Marlies Walther

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