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Neues und Überraschendes als Prinzip

Stralsund Neues und Überraschendes als Prinzip

5. Kammerkonzert des Theaters Vorpommern mit David Grant und Mika Seifert

Stralsund. Mika Seifert, der Konzertmeister-Glücksfall der Vorpommerschen Philharmoniker, gehört offensichtlich zu den ganz Harten: Die vorgestrige frühabendliche deutsche Erstaufführung des 1845 (1867) geschriebenen Violinkonzertes von Frederik Pacius in Greifswald hinderte ihn nicht daran, noch am späten Vormittag des gleichen Tages in Stralsund einen mehr als zweistündigen, von Katja Pfeifer so sachkundig wie liebenswürdig moderierten Duo-Auftritt als 5. Kammerkonzert des Theaters Vorpommern anzubieten. Und der hatte es schon deshalb in sich, da das Programm mit ausschließlich Unbekanntem, stilistisch breiter Streuung und hohem spieltechnischen wie gestalterischen Aufwand für erholsam genussvolles Spielen – und Hören – eher wenig Platz bot.

Solch kleine Reserve galt vielleicht noch für Friedrich Nietzsches – jawohl, d e r Nitzsche! – musikalische Dichtung „Eine Sylvesternacht“, für deren romantische, aber recht stringenzarme sowie als programmatisch fantasievoll gedachte Sprache David Grant (am Flügel) und Mika Seifert die hier notwendig schönen, teils versonnenen Töne für eine eher „private Passion“ des Philosophen fanden.

Für Schumanns bislang kaum wahrgenommene späte 3. Violinsonate hatte man notwendigerweise weit Anspruchsvolleres im Angebot: variable, weit tragende und intensive Tongebung, lebhafte, prägnante Impulsivität und ein auch geistig dimensioniertes Dialogisieren zwischen Violine und Klavier, liedhaft Lyrischem und selbstsicherer, sehr Schumannisch kraftvoller Bestimmtheit.

Mit Toru Takemitsus „Distance de Fée“ (1951) aus der impressionistischen Phase des später auch avantgardistischen Japaners hatten sich beide Partner einer Menge weiterer und nicht gerade gängiger gestalterischer Aufgaben gestellt. Das galt dann noch mehr für die recht „amerikanisch“, also moderat modern stilgemixte, lebhaft spielerische und vielleicht auch deshalb preisgekrönte Violinsonate des Amerikaners John Corigliano und – nunmehr den Ohren sehr wohlig – für die spieltechnisch wie klanglich effektvoll Gershwins „Ohrwürmer“ ausreizende „Konzertfantasie“ über Themen aus „Porgy and Bess“ (1983) des russischen Oistrach-Schülers Igor Frolov. Eine wahrlich bunte, souverän servierte Mischung voller Überraschungen und Neuigkeiten.

Ekkehard Ochs

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