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Stralsund Niepars kritisiert Landes-Förderpolitik
Vorpommern Stralsund Niepars kritisiert Landes-Förderpolitik
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14:45 01.03.2018
Bürgermeisterin Bärbel Schilling (l.) bedankt sich stellvertretend für viele fleißige Helfer bei Sylvia Schumacher, Katja Schlüter und Edeltraut Sieminewski (v.l.). FOTOS (2): INES SOMMER

Niepars. Seit Jahren klagen die Kommunen über die schlechte Finanzausstattung. Auch in Niepars übersteigen die Ausgaben für Pflichtaufgaben bei Weitem die Einnahmen. Wer Kritik äußert, bekommt immer dieselbe Antwort: Steuern erhöhen.

Tony Witt aus der 9. Klasse begleitete die singenden Mädels am Schlagzeug. Er und Philipp Rüter waren die einzigen Jungs, die beim Neujahrsempfang die Schar der jungen Künstlerinnen unterstützten. Das Publikum dankte mit viel Beifall.

„Unsere Gemeindevertretung hat sich in der Mehrheit dagegen ausgesprochen. Nur die Hundesteuer wurde erhöht“, sagt Bürgermeisterin Bärbel Schilling (parteilos) in ihrer Ansprache auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde am Montagabend in der Nieparser Schul-Aula. Und sie verschweigt nicht, dass sie für höhere Sätze gestimmt hat. „Es heißt immer, wenn wir Fördermittel beantragen wollen und bleiben bei niedrigen Steuern, hat das Folgen. Doch was können wir denn ohne Fördermittel noch investieren.“ Überhaupt sollte die jetzige Förderpolitik des Landes abgeschafft werden. „Wir Gemeinden sagen, wir wollen das Geld direkt haben und entscheiden in der Gemeindevertretung, wofür wir es ausgeben. Denn wir wissen doch am besten, was am dringendsten ist“, forderte die Kommunalpolitikerin und erinnerte an den Frust einiger Bürgermeister, als es im Zuge des Wanderweges um den Borgwallsee hieß, für einen straßenbegleitenden Radweg an der L21 könne das Geld nicht verwendet werden.

Und sparen fällt aus, denn es gibt nichts mehr zu sparen, alle Haushaltsposten sind ausgereizt. Dafür zählte die Bürgermeisterin die wichtigsten Herausforderungen für die Gemeinde auf. „Wir müssen dringend das Turnhallendach reparieren, sonst wird der Schaden immer größer. Geschätzte Bausumme: 170000 Euro. Fördermittel kriegen wir nicht, denn es handelt sich um eine Reparatur“, so Bärbel Schilling, die auch darüber informierte, dass sich die Umsetzung des Brandschutz-Konzeptes in der Schule noch hinzieht. „540000 Euro stecken wir da rein, abzüglich der Förderung bleibt für die Gemeinde ein Eigenanteil von 190000 Euro.“

Als Nachteil erweist sich, dass die Gemeinde Niepars der Schulträger ist und somit die meisten Lasten zu schultern hat. „Und dann heißt es, dass ab 2025 die Schülerzahlen wieder drastisch sinken. Was machen wir dann? Dann haben wir viel Geld investiert – und die Schule wird geschlossen.“ Außerdem werde die freie Schulwahl für Niepars immer mehr zum Problem. „Wir zahlen jedes Jahr 520000

Euro für jene Eltern, die ihre Kinder woanders beschulen lassen, vor allem in Stralsund. Das ist viel Geld, das unserer Schule, unserer Gemeinde fehlt.“ Deshalb plädierte das Gemeindeoberhaupt dafür, der Schule ein noch stärkeres Profil zu geben. Man müsse so gut sein, dass Stralsunder in Niepars lernen wollen. „Dass wir künstlerisch sehr stark sind, haben wir heute Abend beim Programm der Schüler gesehen.“ Unter Leitung von Lehrerin Anja Degwitz hatten die jungen Leute mal wieder für Gänsehaut-Feeling gesorgt.

Auf weitere 150000 Euro wird der Reparatur-Stau bei den Gemeindestraßen geschätzt. Einige Straßenlampen müssen noch auf LED umgestellt werden. Und dann hat auch die Feuerwehr Bedarf angemeldet. „Die Wehr braucht ein neues Fahrzeug, das wissen wir, aber wir müssen gucken, was in diesem Jahr noch möglich ist. Außerdem müssen wir die Ergebnisse der Feuerwehr-Bedarfsplanung, die wir übrigens auch bezahlen müssen, abwarten. Wer weiß, was uns da noch auferlegt wird.“

Nachdem Bärbel Schilling die Sorgen der Kommune offen angesprochen hatte und für manch nachdenklichen Blick bei den fast 100 Gästen sorgte, versäumte sie es nicht, den Nieparsern für ihr Engagement zu danken, ob in einer der starken Firmen des Handwerkerdorfes, im Sportverein, bei der Feuerwehr oder in all den anderen Vereinen und Gruppen. Stellvertretend bat die Bürgermeisterin diesmal jene Frauen nach vorn auf die Bühne, die sich bei jeder Gemeindeveranstaltung – von der Senioren-Weihnachtsfeier über das Polizeiorchester-Konzert bis hin zu Frauentagsrunde, Parkfest oder Kabarett – um Abwasch, Bedienung und Aufräumen kümmern. Und für dieses ehrenamtliche Engagement gab’s für alle emsigen Helfer eine Prämie. Wie die nun „auf’n Kopp gekloppt“ wird, wollten die Frauen aber noch nicht verraten.

Am Rande aufgeschnappt

2007 wurde die Aula in der Nieparser Pflugradt-Schule eröffnet. Bis heute bietet der Anbau beste Bedingungen für viele kulturelle Veranstaltungen.

Und das nicht nur für Theater, Musik und Messen in der Regionalschule, sondern natürlich auch für Gemeinde-Veranstaltungen wie Konzerte, Feiern oder Kabarett. Mit Bühne und genügend Platz im Zuschauerraum kommt da auch ein Neujahrsempfang super an. Allerdings würde sich Bürgermeisterin Bärbel Schilling noch mehr Nutzer für diese Location wünschen.

Der Vertrag mit dem Kreisdiakonsichen Werk zur Jugendarbeit im Amt Niepars läuft Ende 2018 aus. Deshalb sind die Gemeinden jetzt gefragt, müssen entscheiden, wie es weitergehen soll. „Schon jetzt gibt es Gemeinden, die keine Jugendarbeit mehr wollen, dann wird es für die anderen umso schwieriger. Unsere Gemeindevertretung hat sich aber noch nicht für ein Modell entschieden“, so Bürgermeisterin Bärbel Schilling, die aber davon ausgeht, dass sich etwas ändern wird.

Über den Breitband-Ausbau werden die Einwohner der Gemeinde noch von der Telekom informiert, so das Gemeindeoberhaupt. „Wir sollen geduldig auf den entsprechenden Brief warten, in dem alles erklärt wird. Bis März sollen ihn alle haben. Fakt ist, wir werden auf 30 MBit ausgebaut. Natürlich sagen viele, wir brauchen 100. Aber sehen wir es als Anfang.“

Ines Sommer

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