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Stralsund Null-Bock-Generation war gestern
Vorpommern Stralsund Null-Bock-Generation war gestern
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03:37 11.09.2013
Es ist mein Traum, einmal für meine Partei für den Landes- oder sogar Bun- destag zu kandidieren.“Sebastian Koth (22), JuLi

„Meine Zukunft ist mir nicht egal und ich bin der festen Überzeugung, dass es sich lohnt, für Ziele zu kämpfen“, sagt Conrad Busse schlicht. Der 15-Jährige engagiert sich politisch, ist Mitglied der Jusos (Jungsozialisten) und spricht einigen jungen Leuten aus dem Herzen. Denn inmitten der vermeintlichen Null-Bock-Generation gibt es Jugendliche wie Conrad, denen Tagespolitik wichtig ist, die kritisch sind und vor allem eins wollen: mitmischen.

„Eines unserer Ziele ist es, junge Leute für Politik zu begeistern, und sie zu motivieren, aktiv mitzuwirken“, erklärt Georg Günther von der Jungen Union (JU) des Kreises Vorpommern-Rügen, mit 79 Mitgliedern die größte politische Jugendorganisation. „Bevor ich anfing, mich zu engagieren, habe ich mich umgeschaut, wer am aktivsten ist und bin dabei auf die JU gestoßen“, sagt der 24-jährige Finanzwirt. Ein entscheidender Punkt für Georg Günther ist, dass verhältnismäßig unabhängig von der Mutterpartei CDU agiert wird. „Natürlich sympathisiert ein Großteil unserer Mitglieder mit der Partei und einige sind auch Mitglieder, aber vordergründig setzen wir uns für Themen ein, die uns persönlich ansprechen“, erklärt Georg und führt als Beispiel den Netzausbau in den Gemeinden in MV an, der der JU am Herzen liegt. Aber Vorgaben von der Partei gibt es trotz regelmäßigen Kontakts keine. „Das macht die Arbeit interessanter, weil wir selbst über unseren Kurs entscheiden dürfen.“

Das ist auch bei den Jusos und den JuLis (Junge Liberale) nicht anders. „Wir sind nicht an das Programm der Mutterpartei gebunden“, sagt Conrad Busse, der Mitglied im Kreisvorstand der SPD Vorpommern-Rügen und seit über einem Jahr bei den Jusos dabei ist. „Wir fordern als Jusos einen Mindestlohn und die Angleichung der Renten in Ost und West. Unser Fokus ist auf die Gleichstellung von Frau und Mann gerichtet“, erzählt der Hansa-Gymnasiast. Mit seiner kritischen und fordernden Art hat er bei seinen Klassenkameraden für einige Denkanstöße gesorgt. „Nicht nur, dass jetzte alle die Kampflieder können“, sagt Klassenkamerad Jonas Felderhoff mit einem Lachen. „Durch Conrad reden wir tatsächlich mehr über Politik und diskutieren auch darüber.“ Für Conrad ist es gut zu wissen, dass er mit den anderen Jusos an einem Strang zieht. „Es ist wichtig, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen“, findet er. Im Landkreis gibt es 25 Jusos.

Die dritten im Bunde sind die JuLis, die mit 30 Mitgliedern im Kreis vertreten sind. „Wir sind die mobilste und aktivste politische Jugendorganisation im Land“, findet Sebastian Koth, Kreisvorsitzender der JuLis Vorpommern-Rügen. „Wir sind nah am politischen Geschehen im Kreis dran. Fünf unserer Mitglieder sind an der Kommunalpolitik aktiv beteiligt. Außerdem ist der FDP-Spitzenkandidat in MV, Hagen Reinhold, Mitglied der JuLis. Abseits des Parteiprogramms und des derzeitigen Wahlkampfs gibt es neben den Stammtischen eine Vielzahl an Angeboten bei den JuLis. „Es kommt vor, dass wir an den Wochenenden unterwegs sind, tagsüber diskutieren und abends gemeinsam feiern. Dabei treffen wir auch JuLis aus anderen Kreisen und unterhalten uns über aktuelle Themen und die Arbeit der jungen Liberalen im jeweiligen Gebiet.“

Was der 22-jährige Sebastian Koth ein bisschen schade findet, ist der fehlende Austausch der politischen Jugendorganisationen untereinander. „Die Zusammenarbeit beschränkt sich auf einzelne Veranstaltungen wie etwa bei einer Demo gegen Rechts vor einigen Monaten. Da haben alle gemeinsam mobil gemacht. Ansonsten ist es schwierig, in Kontakt zu kommen“, bedauert der 22-Jährige. „Man hört wenig von den anderen. Jeder ist mehr oder weniger mit sich selbst beschäftigt, obwohl es interessant wäre, über unsere Themen mit anderen zu diskutieren, wie es in der Politik tagtäglich praktiziert wird.“ Für Sebastian Koth nimmt die Politik einen großen Raum ein. „Ich kandidiere für die Wahl zum Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen MV und hoffe auf ein gutes Ergebnis. Langfristig wäre es mein Traum, einmal für meine Partei für einen Land- oder sogar Bundestag zu kandidieren.“

Viel Zeit investiert auch Georg Günther. Momentan ohnehin, denn die Parteien befinden sich in der heißen Phase des Wahlkampfes, natürlich mit Unterstützung der Jugendgruppen. „Wer da die alltägliche Arbeit und das Ehrenamt nicht zu kurz kommen lassen will, braucht einen guten Zeitplan, gesteht Georg, der seit 2011 auch bei der CDU Mitglied ist. Aber bei der JU geht es wesentlich entspannter zu, „Party and Politics“ heißt es da auf der Internetseite. „Damit wollen wir versuchen, politische Bildung und die Freude am Leben miteinander zu verbinden.“

Seine berufliche Zukunft sieht Conrad Busse nicht unbedingt in der Politik. „Aber da muss ich in meinem Alter ja noch nicht so festgelegt sein“, sagt er. Sein großes Steckenpferd ist Geschichte. Das wäre dann vielleicht schon eher etwas, das er sich vorstellen könne. „Doch das ist ja zum Glück ganz unabhängig von meinem politischen Engagement. Ich bin ein Juso, weil ich gern eine sozialere Gesellschaft möchte. Und dieses Ziel werde ich auch weiter verfolgen.“

Jugendorganisationen der Parteien
79 Mitglieder hat die Junge Union (JU) Vorpommern-Rügen. Ihr Kreisvorsitzender ist Georg Günther (24). Mitglied der JU können junge Leute zwischen 14 und 35 Jahren werden. Kontakt:

www.ju-vr.de

Die Jungsozialisten (Jusos) sind auf Kreisebene mit 25 Mitgliedern dabei, in der Hansestadt gibt es sieben Aktive. Juso kann jeder bis 35 Jahre werden. Die Jusos agieren unabhängig von der Mutterpartei SPD, eine wichtige Forderung ist die Gleichstellung von Mann und Frau.

Kontakt: www.jusos-stralsund.de


Junge Liberale (Julis) des Kreises Vorpommern-Rügen haben 30 Mitglieder, der Kreisvorsitzende ist Sebastian Koth (22). Fünf Mitglieder der Jungen Liberalen sind aktiv an der Kommunalpolitik beteiligt. Kontakt: www.julis-nvp.de

Yusuf Rieger und Miriam Weber

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