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Öko-Frachter fährt mit altem Fritten-Öl

Stralsund Öko-Frachter fährt mit altem Fritten-Öl

Auf der Jungfernreise machte das finnische Schiff „Eeva VG“ im Südhafen fest, um Gips zu laden

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Kapitän Jouni Parkkinen auf der Brücke des Eco-Coasters, der die Umwelt deutlich weniger belastet, als andere Schiffe gleicher Größe.

Stralsund. . Ein nagelneuer finnischer Frachter, der in Sachen Umweltfreundlichkeit einiges vorlegt, machte Sonntag auf seiner Jungfernfahrt in Stralsund fest.

OZ-Bild

Auf der Jungfernreise machte das finnische Schiff „Eeva VG“ im Südhafen fest, um Gips zu laden

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Kobaltblau erstrahlt der glänzende Rumpf in der Morgensonne. Querab des Kleinen Dänholms dreht der noch werftfrische Frachter seine steile Nase schwerfällig nach Backbord, denn ein steifer Südwestwind drückt gegen seine Stahlflanke. Da kann nur noch das Bugstrahlruder helfen, das scheppernd in Aktion tritt.

An der Pier „Süd 18“, parallel zum Rügendamm, warten schon zwei orangerote Punkte: die leuchtenden Overalls entpuppen sich als die Schiffsmakler Ingo und Thorsten Müller. Sie erledigen nicht nur die listenreiche Bürokratie beim Einlaufen eines Schiffes, sondern nehmen auch die Leinen in Empfang, um sie an den Pollern festzumachen.

Pünktlich um zehn Uhr ist alles erledigt: eine Reise von Rotterdam via Nord-Ostsee-Kanal nach Vorpommern. „Terve Stralsund!“, „Willkommen in Stralsund!“, wird der Erste Offizier auf dem Vorschiff in seiner Landessprache auf Finnisch begrüßt.

Kaum hat die Gangway der 103 Meter langen „Eeva VG“ hansestädtischen Boden berührt, kommt Seelotse Arndt Czepluch herab. „Schönes Schiff“, meint er seemännisch knapp und anerkennend: „Nagelneu alles und fährt sich gut!“ Ingo Müller, der sonst nur Schiffe mit rundem Wulstbug sieht, findet ihre senkrechte Nase, die auch dem jüngsten Aida-Kreuzfahrer verpasst wurde, „schon etwas gewöhnungsbedürftig“. Aber das hat seine Hintergründe, wie von Kapitän Jouni Parkkinen auf der Brücke seines 13,6 Meter breiten 5000-Tonners zu erfahren ist.

Der 53-jährige Nautiker fragt allerdings erst mal nach dem Ozeaneum, das man durch die Brückenfenster sieht. Ingo Müller erklärt ihm den Weg und gibt weitere Tipps für die Altstadt, bis zwei Bundespolizei-Beamte an die Scheibe klopfen. Ihr Job, die Pässe der sechs Finnen und zwei Philippinos zu kontrollieren, ist schnell erledigt.

Doch dann steht das Jungfernschiff, das erst im Oktober in Rauma getauft wurde, im Focus des Interesses. Es ist der 17. Frachter für die Reederei Meriaura. Einen „Eco-Coaster“ nennt Parkkinen die weit über die nächsten Jahre hinaus reichende Neuentwicklung, die die Umwelt in jeder Hinsicht deutlich weniger belaste als andere Schiffe gleicher Größe. Die Maschine schluckt sowohl Marine-Diesel als auch Bio-Öl, erklärt der Kapitän. Aus welchem Natur-Stoff? Die Antwort ist umwerfend: „Fisch- und Fritten-Öl von McDonalds“. Der Altstoff werde in der firmeneigenen (VG) Raffinerie für den Schiffsbetrieb aufbereitet. „Aus dem Schornstein kommen so gut wie Null-Emissionen an CO2, Schwefel und Kohlenstoff“, sagt Parkkinen. „Der Treibstoff-Verbrauch halbiert sich“. Ein wichtiges Argument, wenn die Ölpreise wieder anziehen sollten.

Auch die Maschine ist optimiert auf eine Geschwindigkeit von nur 10,5 Knoten, so dass man keinen hydrodynamischen Wulstbug mehr braucht. „Bei Eisfahrt schalten wir dann den diesel-elektrischen Booster zu. Insgesamt ergibt das dann eine geballte Leistung von 2484 kW“, so der Käpt’n. In finnischen Gewässern sei die höchste Eisklasse auch dringend notwendig, um den Schiffsbetrieb rund ums Jahr aufrecht zu erhalten.

Zwischen Rotterdam, Stralsund und Finnland wird es jetzt munter hin und her gehen, wozu in diesem Monat noch das Schwesterschiff „Mirva VG“ stößt. Die Rümpfe wurden in Finnland am Modell getestet, in Polen zusammengeschweißt, an die Ems geschleppt, auf der holländischen Werft Bodewes im deutschen Papenburg weiter gebaut und im holländischen Eemshaven komplettiert.

„Die Schiffe sind da“, sagt Ingo Müller, „nur nicht genügend Gips. Es könnte noch viel mehr abgefahren werden als die 685000 Tonnen im letzten Jahr.“ Die Nachfrage sei so groß, dass das Braunkohle-Kraftwerk Jänschwalde bei Cottbus nicht hinterher kommt. Die Südhafen Pier 18 wird zwar von einem gelben Gips-Berg überragt, „doch das sind nur 4000 Tonnen“, bedauert Müller.

Montagabend hat die innovative „McDonalds-Lady“ Stralsund wieder Kurs Rauma verlassen, um Finnlands Bauindustrie mit brandenburgischem Stoff zu versorgen.

Peer Schmidt-Walther

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