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Stralsund Ohne Prunk und Protz: typisch norddeutsch
Vorpommern Stralsund Ohne Prunk und Protz: typisch norddeutsch
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00:05 23.08.2016
Einzigartig: Die Eingangshalle des Stralsunder Hauptbahnhofs mit den Großgemälden von Erich Kliefert. Fotos (4): Stefan Sauer

Eine junge Frau schaut verträumt auf die historische Wandbemalung von Erich Kliefert in der Stralsunder Bahnhofshalle. „Das ist doch mal ein schöner Blick zum Abschied. Gestern sind wir genau da lang mit der Fähre nach Rügen gefahren“, sagt Jennifer Becker aus Flensburg, während sie das farbige Gemälde betrachtet. Die Pädagogin verlebte mit ihrer Freundin drei Tage Urlaub in Stralsund und reist nun wieder ab. „Diese Bahnhofshalle hat etwas ganz Besonderes“, findet die 32-Jährige.

Hauptbahnhof erhält Preis des Verbandes Allianz pro Schiene für Kundenfreundlichkeit

Ihre Ansicht eint sie mit der Jury des Verbandes Allianz pro Schiene. Denn die gab gestern die Sieger im Wettbewerb „Bahnhof des Jahres 2016“ bekannt. Und Stralsund hat gewonnen. Weil der Reisende hier „bilderbuchgleich“ die typisch norddeutsche Lebensart verkörpert findet“, wie es zur Begründung heißt. „Das Solide zählt mehr als Prunk und Protz, dafür ist alles wirklich gut gemacht“, sagt Dirk Flege (49), Geschäftsführer von Allianz pro Schiene und Mitglied der Jury. „Stralsund ist erfüllt von einer Gelassenheit, die sich wie ein Vorbote von Ostsee und Urlaub anfühlt“, so Flege.

Besonders habe die Verkehrsexperten die Eingangshalle „mit dem hölzernen Deckengebälk und dem raumgreifenden Wandbild“ beeindruckt. Die biete einen würdigen Empfang. Auch die „tageslichtdurchflutete Bahnsteighalle“ habe eine hohe Aufenthaltsqualität. „Wettergeschützt kann der Reisende dort auch mal eine Weile des Wartens auf Anschlüsse leicht verschmerzen“, meint Flege. Und die Bio-Insel hinter der roten Ziegelfassade gehöre zu den besten Bahnhofsbistros Deutschlands. Großer Pluspunkt sei zudem das aufmerksame und durchweg höfliche Sicherheitspersonal. „Hier fühlt sich der Fahrgast wahrgenommen, im positivsten Sinne des Wortes. In Stralsund arbeiten Menschen, die sich kümmern. Genauso muss es sein im Bahnhof des Jahres 2016“, meint die Jury.

Neben Stralsund wurde der nordrheinwestfälische S-Bahnhof Steinheim für besondere Kundenfreundlichkeit geehrt. „Die Auszeichnung der beiden Bahnhöfe freut uns sehr. Sie zeigt uns, dass unsere Modernisierungsvorhaben und Serviceangebote bei den Kunden ankommen“, sagt Dr. André Zeug, Vorstandsvorsitzender der DB Station & Service AG. Den Bahnhöfen Stralsund und Steinheim sei gemeinsam, dass sie nicht nur attraktive Mobilitätsdrehscheiben für Berufspendler und Einheimische sind, sondern auch Eingangstore für Touristen. „Mit Komfort und Service sorgen wir dafür, dass der Urlaub schon am Bahnhof beginnt“, so Zeug weiter.

Die Allianz pro Schiene verleiht den Preis zum 13. Mal in Folge. „Im Laufe der Geschichte des Wettbewerbs sind wir immer wieder darauf gestoßen, dass die gute Zusammenarbeit vor Ort entscheidend für den Sieg ist“, hebt Dirk Flege hervor. Kriterien zur Beurteilung, die teilweise inkognito stattfand, waren neben der Kundeninformation, Sauberkeit und einem allgemeinen Wohlfühlfaktor unter anderem auch die Anschlussmobilität und Integration in die Stadt.

„Die Vernetzung spielt eine große Rolle. Solche Fragen, ob man den Bus sofort findet, wie die Beschilderung aussieht und ob die Blindenstreifen funktionieren, werden ebenso in Betracht gezogen wie ein WC-Check und die Gastronomie“, sagt die Pressesprecherin des des Verbandes Allianz pro Schiene, Dr. Barbara Mauersberg. „Und Sie haben wirklich ein Schmuckstück“, lobt Mauersberg. Da könne sie aus eigener Erfahrung und vollem Herzen der Jury nur zustimmen. „Auf dem Weg nach Rügen habe ich schon oft auf dem Stralsunder Bahnhof Station gemacht. Ich liebe ihn. Da fängt Urlaub an“, so Mauersberg.

Während der Bahnhof des Jahres in Steinheim bereits am heutigen Dienstag groß gefeiert wird, steht der Termin zur festlichen Übergabe der Plakette in Stralsund noch nicht fest. Nach der Landtagswahl, voraussichtlich im Oktober, soll die gefeiert werden.

Gemälde von Erich Kliefert entstanden 1935

Die Jury des Wettbewerbes „Bahnhof des Jahres“ besteht aus Vertretern des Fahrgastverbandes Pro Bahn, des Deutschen Bahnkunden-Verbandes, des Verkehrsclubs Deuschland, des ACE Auto Clubs Europa, des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs und der Allianz pro Schiene. Bei den Testreisen mit dabei sind auch Tourismus-Experten.

Der erste Zug fuhr am 27. September 1863 in Stralsund ein. Der Bau des heutigen Empfangsgebäudes wurde am 9. November 1903 begonnen und am 29. März 1905 dem Verkehr übergeben.

In den 1930er-Jahren erhielt der Stralsunder Künstler Erich Kliefert (1893 - 1994) den Auftrag zur Neugestaltung der Empfangshalle. Die großformatigen farbigen Gemälde zeigen Stralsund aus der Vogelperspektive sowie die Insel Rügen und entstanden 1935.

Marlies Walther

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