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Ostsee-Strömungstonne aus dem Jahr 1850 gibt Rätsel auf

Stralsund Ostsee-Strömungstonne aus dem Jahr 1850 gibt Rätsel auf

Neues Ausstellungsstück im Nautineum sorgt in der Fachwelt für wilde Spekulationen / Vor über drei Jahren ist das Seezeichen vom Grund der Ostsee geborgen worden

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Kurator Michael Mäuslein zeigt auf den Lochfraß des Rostes an der Strömungstonne aus dem Jahre 1850. Fotos (4): Christian Rödel

Stralsund. Einen für die Fachwelt sensationellen wissenschaftlichen Fund haben Besatzungsmitglieder des Mehrzweckschiffes „Arkona“ am 9. Februar 2013 vom Ostseemeeresgrund rund zehn Seemeilen nördlich des Darßer Ortes geborgen. Im Nautineum auf der Insel Kleiner Dänholm ist das mehr als 160 Jahre alte Seezeichen ab sofort Bestandteil der Ausstellung zur deutschen Meeresforschung. Der total verrostete, etwa 1,5 Tonnen schwere Metallkörper entpuppte sich nach eingehender Untersuchung als bisher einzigartiges Zeugnis für metallische Strömungstonnen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts in der Ostsee.

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Neues Ausstellungsstück im Nautineum sorgt in der Fachwelt für wilde Spekulationen / Vor über drei Jahren ist das Seezeichen vom Grund der Ostsee geborgen worden

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„Für mich war sofort klar, dass dieses Seezeichen etwas ganz Besonderes ist, weil solche metallischen Strömungstonnen eher im englischen Kanal üblich waren, da dort die Strömungen besonders stark waren“, sagte gestern Michael Mäuslein, Kurator für Meeresforschungstechnik im Nautineum auf dem Dänholm.

Der Historiker datiert die Herstellungszeit des Exponates auf ungefähr das Jahr 1850, da das Gehäuse aus sogenanntem Puddeleisen (Schmiedeeisen) besteht und diese Stahltechnologie des Kohlenstoffentzugs in jener Zeit sehr gebräuchlich war. Für Mäuslein ist es höchst erstaunlich, wie aus genieteten und verschraubten Metallteilen ein so wasserdichtes Seezeichen produziert werden konnte. Dass diese Strömungstonne irgendwann einmal untergegangen ist, könne nur am Rost gelegen haben. In der äußeren Hülle hat der korrodierende Lochfraß große offene Stellen hinterlassen. Im Inneren ist ein Kern, der zwar äußerlich rostbraun aussieht, aber keine Löcher aufweist. Die halbkugelförmige Tonne besteht aus einer Art „Flickenteppich“. Die Kugelform wurde aus metallischen Streifen zusammengenietet und verschraubt. „An einigen Stellen ist der äußere Metallmantel fast so dünn wie Pergament“, staunt der Meerestechnik-Experte, der von teils abenteuerlichen Theorien internationaler Fachkollegen berichtet, denen er Fotos von dem Fund zugeschickt hatte.

„Meine starke Vermutung ist, dass die Preußen diese Tonne nicht als Seezeichen, sondern als ein erstes Messgerät für Untersuchungen in der Ostsee genutzt haben“, mutmaßte Mäuslein gestern früh bei der Vorstellung des inzwischen konservierten Vehikels.

Die Preußen haben seit ihrer Landnahme nach dem Wiener Kongress im Jahre 1815 im einstigen „Südschweden“ offensichtlich auch etwas für die Erforschung des vor der Tür liegenden Meeres getan – eventuell auch nur, um technische Erkenntnisse zur Optimierung ihrer Kriegsflotte zu erlangen.

Das staatliche Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hat jedenfalls gemeinsam mit dem Deutschen Meeresmuseum alles zur Rettung dieses historisch wichtigen Fundes getan, damit die Nachwelt dieses Objekt weiter untersuchen kann. In der Werkstatt des Bauhofes vom WSA auf dem Dänholm haben Philipp Wittmann und Daniel Lenz eine solide Stahl-Konstruktion hergestellt, die das neue Ausstellungsobjekt sicher präsentiert. In der großen Halle für Meeresforschungstechnik hat die rätselhafte Strömungstonne nun ihren trockenen Platz gefunden.

Christian Rödel

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