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Stralsund Panik-Panther wurde Stecker aus der Dose gezogen
Vorpommern Stralsund Panik-Panther wurde Stecker aus der Dose gezogen
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00:00 19.09.2016

Aus den Krallen verstaubter Verzerrer-Zwangsjacken aus E-Gitarren will die Berliner Band „Im Bett mit Udo“ das Liedgut des legendären Panik-Rockers reißen und neu arrangieren. Am Samstagabend wollte die erstaunlich große Stralsunder Udo-Lindenberg-Fangemeinde in der Kulturkirche schauen und hören, ob die Musiker aus der Hauptstadt diesem selbst auferlegten Anspruch gerecht werden.

Sie wurden es auf erstaunlich erfrischende Weise: Im bewusst plüschig gestalteten Bühnenambiente mit wild herum liegenden Kissen, Disko-Glitzerkugel an der Decke und geschmacklich krasser Nachttischlampe aus den 70er-Jahren hatten es sich die Musiker gemütlich gemacht, um mit heraus gezogenem Stecker ihrem Idol die Ehre zu erweisen. Die alten Kunstfiguren in der eigentlich unnachahmlichen Lindenbergschen Manier wie Rudi Ratlos oder Olga von der Wolga ließ das Quintett spielfreudig, swingend auferstehen. Das schöne, schon im Original zu Herzen gehende Stück „Cello“ kam in einem umwerfend berührenden Gewand daher, auf das der Meister bestimmt stolz wäre. In den gleichfalls neu arrangierten Songs „Und sie liebten sich gigantisch“ oder „Sie ist 40“ setzten die Musiker eigene Akzente, so dass die Klassifizierung „Cover-Band“ völlig unangebracht scheint. Der Begriff Adaptionen würde besser passen!

Die Panik-Evergreens „Reeperbahn“, „Hinterm Horizont“, und „Ich lieb Dich überhaupt nicht mehr“ waren das unverzichtbare Sahnehäubchen für die Fans. Bei dem Lindenberg-Hit „Andrea Doria“ sang der ganze Saal mit. Der Höhepunkt – neben dem Genuss zum Schluss von Udos Lieblingseierlikör – war jedoch „Mädchen aus Ostberlin“. Dieser Song aus den eisigsten Zeiten des Kalten Krieges endete mit den Zeilen und Akkorden von „Stairway to Heaven“ der unverwüstlichen Rock-Giganten von Led Zeppelin – eine grandiose Kombination.

Leider dürfen „Im Bett mit Udo“ keine Alben mit ihren neu arrangierten Lindenberg-Songs vertreiben. Der Panik-Rocker selbst hätte wohl nichts dagegen, aber das Management, und so kann man nur live spielen. Schade eigentlich.

Christian Rödel

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