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Park-App für Stralsund: Fraktionen wollen sich jetzt schlau machen

Stralsund Park-App für Stralsund: Fraktionen wollen sich jetzt schlau machen

Ausschüsse des Stadtparlaments uneins über den Vorschlag von Bürger für Stralsund, per Handy schneller ins Parkhaus zu finden.

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Anja Morgenstern (34) aus Stralsund kann sich vorstellen, eine App zu benutzen, um in der Stadt leichter einen Parkplatz zu finden.

Quelle: Elisabeth Woldt

Stralsund. Eine Park-App die Smartphone-Nutzer direkt ins nächste Parkhaus lotst — die Diskussion darüber, ob Stralsund so etwas braucht, läuft derzeit in den Fachausschüssen der Bürgerschaft. Die Fraktion Bürger für Stralsund (BfS) macht sich für die Idee stark.

Entsprechend engagiert legte sich auch Sabine Ehlert (BfS), Vorsitzende des Ausschusses für Familie, Sicherheit und Gleichstellung, auf der jüngsten Sitzung des Gremiums für das mobile Handy-Park-Programm ins Zeug. „Der Trend geht eindeutig hin zur Nutzung von Apps für die verschiedensten Aufgaben.“

Eine Auffassung, die bei der Stadtverwaltung differenzierter gesehen wird, wie Stephan Bogusch, Abteilungsleiter Straßen und Stadtgrün deutlich machte. Er orientierte sich bei seinen Ausführungen am Beispiel des Online-Portals parken-luebeck.de. Hier finden sich in einer interaktiven Karte Lübecks Parkhäuser einschließlich der freien Plätze darin. Boguschs Ansatz: „Aus Sicht der Verwaltung ist das auch ein gangbarer Weg für Stralsund.“ Hier verfüge man mit stralsund.de über einen modernen Online-Auftritt, der ebenfalls eine Karte mit Parkhäusern und Behindertenparkplätzen enthält. Diese könnte mit geringem Aufwand nachgerüstet werden, damit die jeweils aktuelle Zahl der darin stehenden Autos entsprechend der vorhandenen Daten des Parkleitsystem angezeigt werden kann.

Steffi Behrendt teilt Boguschs Auffassung. Als Chefin der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt verantwortet sie auch deren Onlineauftritt und gibt zu bedenken: Die Kosten seien derzeit nicht zu überblicken. „So eine App muss für verschiedene Betriebssysteme der Handys wie Android oder iOS programmiert werden. Zusätzliche Kosten entstehen durch ständige Pflege und Bewerbung der Applikation.“

Anett Kindler (Grüne) sprach sich dafür aus, solche neuen Medien zu nutzen. „Schön wäre es, wenn mit der App auch gleich noch der Nahverkehr einbezogen werden könnte.“ Sie bemängelte eine schlechte Lesbarkeit von Internet-Seiten, die für PC programmiert wurden auf den kleinen Bildschirmen der Handys. In diese Kerbe schlug auch Ann Christin von Allwörden (CDU/FDP). „Eine Homepage muss zu oft angeklickt werden, um zum Ziel zu kommen. Eine App wäre die bessere Alternative für das Smartphone.“

Steffi Behrendt betonte dagegen nocheinmal, dass auch die Internetseite der Hansestadt auf Smartphones gut läuft. Und Stefan Bogusch ergänzte: „Unser Thema ist doch nicht an eine App gebunden.“ Ohne Zahlen zu Kosten, Bedarf und möglichem Nutzerverhalten wogte die Diskussion im Ausschuss hin und her, bis Sabine Ehlers vorschlug, das Thema noch einmal in den Fraktionen zu diskutieren. Dem folgten die Anwesenden. Der Bauausschuss beschloss ebenso.

André Kretzschmar, Leiter der Tourismuszentrale, war zur Ausschusssitzung nicht eingeladen. Er hätte allerdings Erfahrungen mit der ersten Stralsund-App beisteuern können, mit der der Eigenbetrieb der Hansestadt 2009 in den App-Store ging. „Mit den Zugriffszahlen waren wir zufrieden, mit den Bewertungen weniger“, sagt Kretzschmar. Er sieht hier ein wesentliches Problem solcher Apps. Wenn die Nutzer mit dem Produkt nicht zufrieden sind und das in Netz kund tun, kann eine gute Idee auch schnell Schaden nehmen.“

Das Problem der Tourismus-App: Sie war aufgebaut wie ein Flugblatt, dass Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Übernachtungsmöglichkeiten der Hansestadt auflistete, aber nicht interaktiv auf Nutzerbedürfnisse abstimmte. „Deshalb haben wir die App noch einmal aus dem Internet genommen und sind jetzt dabei, diese bis zum Saisonstart entsprechend zu überarbeiten.“

Über Kosten redet auch Kretzschmar nicht. Nur so viel: „Wir haben die Hilfe einer Agentur in Anspruch genommen und auf ein vorhandenes Programm angedockt.“ Die Probleme sieht er vielmehr in einem großen organisatorischen und Arbeitsaufwand, so eine App stets auf aktuellstem Stand zu halten.

App-solut genau hinsehen
Kein Zweifel: Eine lokale Handy-Anwendung für Stralsund ist wünschenswert. Sie hätte praktischen Nutzen für Einheimische wie Urlauber bei der Parkhaussuche, wäre zudem Reklame für die Welterbestadt.
Insofern klingt die Forderung der Fraktion Bürger für Stralsund nach einer Park-App zunächst verlockend. Die Umsetzung muss aber — wenn sie Realität werden soll — so gut gemacht sein, dass die App nicht nur hält, was sie verspricht. Sie muss vor allem in den Augen einer kritischen Internetgemeinde Bestand haben. Sonst verkehrt sich die gute Absicht ins Gegenteil.
Das jedoch klingt danach, dass die Stadt Geld in die Hand nehmen muss, um so eine Anwendung entwickeln zu lassen und die Kosten für ihre Weiterentwicklung zu tragen. Kosten, über die seltsamer Weise bisher in der Debatte gar nicht geredet wurde. Geld, dass knapp ist am Sund, angesichts eines eng gestrickten Kommunaletats und Altschuldenlasten von 113 Millionen Euro.
Wie gesagt: Die Park-App ist wünschenswert — so sie bezahlbar ist. Sonst gibt es eine sinnvolle und sparsame Alternative zur elektronischen Parkplatzsuche: die Homepage der Stadt weiterentwickeln.

 



Jörg Mattern

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