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Picknick auf Wellpappe gebannt

Tribsees Picknick auf Wellpappe gebannt

Fünf Tage lange probierten sich zehn Mädchen und zwei Jungen der Tribseeser Haupt- und Realschule als junge Künstler, und zwar in einem Workshop mit dem Maler und Grafiker Rainer Herold aus Pütte.

Tribsees. Als der alte VW-Bus des Künstlers mit allen Utensilien und den Arbeitsergebnissen von fünf langen Unterrichtsvormittagen vom Schulhof schaukelt, sind einige trotz des Stolzes auf das Erreichte doch etwas traurig. An der Verabschiedung der Jugendlichen vom Pütter Maler und Grafiker Rainer Herold spürt der Außenstehende, dass hier nicht nur in gemeinsamer Arbeit ein recht plastisches Wellpappe-Gruppenbild entstand. Es wuchsen auch persönliche Beziehungen. Erstmals beteiligte sich der seit 1974 im romantischen Pütter Pfarrwitwenhaus wirkende Meisterschüler des „Magazin-Kater-Vaters“, Professor Werner Klemke, am zweiten Projekt „Künstler für Schüler“.

Dieses rief der Künstlerbund unseres Landes in Zusammenarbeit mit dem Schweriner Bildungsministerium ins Leben, um jungen Menschen zu ermöglichen, durch Malerei, Grafik, Objektgestaltung oder darstellendes Spiel ihre Wünsche, Träume und Sehnsüchte zum Ausdruck zu bringen und damit etwas gegen jegliche Gewalt zu tun.

Obwohl Rainer Herold langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Laien besitzt und, wie jetzt ein Wandbild mit den beliebten Fernsehfiguren Mauz und Hoppel am Kindergarten Negast, schon manches für die Jüngeren gestaltete, kam er sicher mit etwas Skepsis in die Verbundene Haupt- und Realschule Tribsees. Doch schnell fand Kunsterzieherin Hannelore Böhland zehn Mädchen und zwei Jungen, die freiwillig nach der Idee Herolds das an Manets „Frühstück im Freien“ angelehnte Picknick-Gruppenbild gestalteten. Die Schüler projizierten sich selbst auf Wellpappe und schufen mit Teppichmesser und selbsthergestellten Acrylfarben recht phantasievoll ihre Konterfeis. Dörte Klabunde aus der 9a, die ihrer Figur gerade einen brandroten Schopf verpasste, meinte: „Das macht mir echt Spaß, ist doch mal was anderes als Schule.“ Und in den Pausen oder Freistunden kamen interessierte Mitschüler oder auch Lehrer, um den Fortgang der Arbeiten zu beobachten.

„Meine positiven Erwartungen haben sich erfüllt. Das Gestalten der Figuren war sehr interessant, und Herr Herold blieb stets hilfsbereit und humorvoll. Toll, dass wir auch neue Rezepte für köstliches Essen kennenlernten“, schwärmte die vierzehnjährige Philomena Karg.

Um die nötige Lockerheit in die kleine Truppe zu bringen, hatte Rainer Herold nämlich für jeden der fünf Tage eine spezielle Mittagsmahlzeit erdacht und lockte mit Düften von Gemüsesuppe bis Schokokirschpudding, die von den Schülern mit vorbereitet wurden, manchen Topfgucker in die Schulküche.

Als Dankeschön überreichten die begeisterten Projektdebütanten dem Künstler eine aus der eigenen Tasche bezahlte Yucca-Palme sowie winterharten Hibiskus. Alle Projektergebnisse werden übrigens am 11. Juli um 14.30 Uhr in Schwerin vorgestellt.



WILFRIED BRÜSS

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