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„Plötzlich zog der Mann eine Waffe unter dem Pullover vor“

Greifswald „Plötzlich zog der Mann eine Waffe unter dem Pullover vor“

Der Greifswalder Ronny Schmietendorf (36) wurde gestern für seine Zivilcourage geehrt / Mitte Juni stellte er einen Räuber auf der Flucht

Greifswald. Die Aufregung um seine Person ist ihm fast unangenehm. Schließlich sei sein Eingreifen eine Selbstverständlichkeit gewesen. Das sieht Gunnar Mächler, Leiter der Polizeiinspektion Anklam, ganz anders.

Er ehrte Ronny Schmietendorf (36) gestern für seine Zivilcourage. „Ohne das beherzte Eingreifen des Greifswalders hätten wir den Täter nicht schnappen können“, sagt Pressesprecher Axel Falkenberg.

Der 36-Jährige hatte vor zwei Wochen einen flüchtigen Räuber gestellt.

Ronny Schmietendorf, der in Richtenberg bei Stralsund geboren wurde, fährt am 17. Juni mit seinem Auto auf der Anklamer Straße stadtauswärts, als er in Höhe Hans-Beimler-Straße halten muss. Er bemerkt einen jungen Mann, der sich gerade ein Tuch über die Nase zieht und in den Tabakladen geht. „Das kam mir seltsam vor. Ein paar Sekunden überlegte ich noch. Direkt hinter der Kreuzung drehte ich um“, erinnert sich Schmietendorf. Als er auf den Laden zugeht, kommt ihm der junge Mann entgegen, das Halstuch längst wieder heruntergelassen. „Er hatte so einen schuldbewussten Blick.“

Schmietendorf, der als Detektiv bei MediaMarkt arbeitet, erfährt im Geschäft von der Verkäuferin, dass sie gerade bedroht und ausgeraubt worden ist. Die gesamten Tageseinnahmen plus E-Zigaretten und Schokoriegel hatte der Mann mitgehen lassen. Schmietendorf rennt sofort los, brüllt dem Täter auf der Straße entgegen, er solle stehenbleiben. „Wie blöd von mir. Das war natürlich falsch. Jetzt sprintete er los.“ Doch Schmietendorf bleibt ihm auf den Fersen, auch als er über einen Zaun springt. „Plötzlich drehte sich der junge Mann um und zog eine Waffe aus dem Pullover“, sagt Schmietendorf. Dem Mann ruft er zu: „Das ist ja wohl keine richtige Waffe.“ Der Satz scheint Wirkung zu haben. „Der Mann rannte weiter und sprang wenig später auf sein Fahrrad“, erinnert sich Schmietendorf. Angst habe er in dem Moment nicht gehabt. „Das lief alles ganz automatisch ab. Ich habe nicht darüber nachgedacht“, so Schmietendorf. Im Nachhinein sieht er das anders: „Wäre es tatsächlich eine richtige Waffe gewesen, hätte sich das für mich erledigt gehabt.“

Die Verfolgungsjagd führte die beiden in die Rudolf-Petershagen-Allee. „Dort standen zwei Männer, denen ich zubrüllte, sie sollen den Dieb aufhalten.“ Einer habe dann auch eingegriffen und den Radfahrer zu Fall gebracht. „Ich musste ihn dann nur noch fixieren. Am Boden lag er ja schon“, sagt Schmietendorf. Jemand habe ihm noch einen Kabelbinder gebracht, um den Täter zu fesseln. Wenig später konnte der Mann abgeführt werden. Wie die Ermittlungen der Polizei ergaben, handelte es sich bei der Waffe um eine Schreckschusspistole. Der 17-Jährige hatte zudem Alkohol getrunken und Drogen genommen.

Schmietendorf kam bei der Verfolgungsjagd seine Ausbildung als Fachkraft für Schutz und Sicherheit zugute, die er von 2007 bis 2009 gemacht hat. Im Greifswalder Media Markt arbeitet er bereits seit 2005 als Detektiv, war auch berufsbegleitend während seiner Ausbildung dort tätig. „Man bekommt einen Blick dafür, ob jemand Blödsinn machen will“, sagt Schmietendorf. Ihm tue vor allem die Verkäuferin leid, die nach diesem schlimmen Überfall womöglich denkt, so etwas könne immer wieder passieren.

„Ronny Schmietendorf steht stellvertretend für die vielen stillen Helden, die sich durch ihr beherztes und couragiertes Handeln immer wieder für mehr Sicherheit verdient machen“, sagt Polizeisprecher Falkenberg.

Katharina Degrassi

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