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Stralsund Politik sollte Bürgern mehr zutrauen
Vorpommern Stralsund Politik sollte Bürgern mehr zutrauen
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00:00 21.03.2016

Bei einem Gesprächs- und Diskussionsabend rund um das Thema „Asyl ist Menschenrecht“ waren es nicht die Flüchtlinge selbst, die im Mittelpunkt standen. „Wir wollen viel mehr den Leuten Raum geben, die sich engagieren“, sagte Grünen-Politiker Jürgen Suhr zu den etwa 30 Gästen, die der Einladung in das Grünen-Büro gefolgt waren.

Im Podium hatten Thomas Nitz vom Nachbarschaftszentrum Grünhufe, Anett Kindler von der AG Flüchtlingshilfe und Sabine Koppe, Leiterin der Kreisvolkshochschule Vorpommern-Rügen, Platz genommen. Sie berichteten über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen in der Flüchtlingshilfe.

Bei allen wurde schnell deutlich, dass es nicht nur um die Integration der Asylsuchenden selbst geht. „Als die Volkshochschulen 1919 gegründet wurden, verfolgten sie den Grundsatz, Platz für alle zu haben, die Bildung brauchen. Das ist heute bei uns nicht anders“, sagte Sabine Koppe. Dazu zählen eben auch Deutschkurse für Flüchtlinge. Sie wies außerdem darauf hin, dass es oft an Hilfe für die vermeintlich einfachen Dinge des Alltags fehle. „Besuche bei Ärzten oder Ämtern oder das Ausfüllen von Formularen erweisen sich als Hürden.“

Vor ganz anderen Hürden sieht sich eine Besucherin gestellt. Als Ehrenamtliche sei sie bei der Arbeit mit Asylsuchenden täglich mit Schicksalen konfrontiert. Irgendwann könne man das nicht mehr so einfach wegstecken. „Wenn wir da Anlaufstellen hätten, wäre das hilfreich.“ Um mehr Aufklärung bat eine andere Besucherin. Man wisse viel zu wenig über die Menschen, die zu uns kommen und deren Kultur. Damit rannte sie bei den Podiumsgästen offene Türen ein. Denn bei allen lautet die Maxime: Man muss Begegnungen schaffen, um Ängste abzubauen. Diese Möglichkeiten für das Aufeinandertreffen von Stralsundern und Ausländern gibt es bei Begegnungscafés sowohl in der Volkshochschule als auch in Stadtteilzentren wie in Knieper West.

Bei einer Frage, die Moderator Jürgen Suhr stellte, waren sich alle einig. Er wollte gern wissen, was sich die Engagierten von der Politik wünschen würden. „Die Anerkennung der Arbeit durch die Politik wäre schon hilfreich“, sagt etwa Sabine Koppe. „Und es müsste Rahmenbedingungen, also eine Grundfinanzierung, geben, damit sowohl Ehrenamtliche als auch Hauptamtliche gut arbeiten können.“

Für Anett Kindler lag die Sache ebenfalls auf der Hand: „Weniger Bürokratie. Und die Politik sollte den mündigen Bürgern mehr zutrauen und ihnen zuhören.“

Noch bis zum 15. April ist im Grünen-Büro, Alter Markt 7, montags bis freitags 9 bis 13 Uhr, die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ zu sehen.

OZ

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