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00:10 29.04.2016
Eberhard Graßhoff.
Wendisch Baggendorf

Es ist seine letzte Amtsperiode, die Eberhard Graßhoff (63, Wählergemeinschaft) als Bürgermeister der Gemeinde Wendisch Baggendorf bestreitet. Und die 542-Seelen-Kommune (Stand 31. März), so zumindest sein Plan, will er möglichst schuldenfrei und ohne größere „Baustellen“ an seinen Nachfolger übergeben. Aber ein Vorhaben will er bis dahin noch verwirklicht wissen. „Wichtig ist mir der Turmhügel in Wendisch Baggendorf“, sagt Graßhoff. Dabei handelt es sich um ein Bodendenkmal. Einer Sage nach soll es sich dabei um ein Raubnest des Ritters Baggus Speckin handeln. Weiden und sonstiges Gestrüpp scheinen sich wohlzufühlen auf dem Turmhügel und in dem Burggraben. Wenig ansehnlich kommt dieses für Besucher daher. Ein Umstand, der Eberhard Graßhoff gewaltig gegen den Strich geht. Seit Jahren ist die Gemeinde darum bemüht, das Areal wieder herrichten zu lassen, Fördermittel dafür einzuwerben. Bislang ohne Erfolg.

Eberhard Graßhoff blickt auf seine letzte Amtsperiode in Wendisch Baggendorf und stellt seinen Wunschnachfolger vor

Und wenn er die Politik in den höheren Ebenen so verfolge, sehe er auch in Zukunft kaum Chancen dafür, sagt Graßhoff. Sein größter Kritikpunkt: Das Finanzausgleichsgesetz (FAG), das der Gemeinde unter anderem Ausgaben wie Amts- und Kreisumlage in nicht unbeträchtlicher Höhe beschere. „Ohne FAG hat die Gemeindearbeit noch richtig Spaß gemacht“, sagt er. „Man konnte etwas bewirken. Das war eine schöne Zeit“, blickt er zurück. Mit der Einführung des FAG habe für die kleine Gemeinde der Kampf ums Überleben begonnen. „Viele Probleme haben wir seitdem bewältigt“, sagt er ein wenig stolz.

Obwohl ihn derzeit wieder eine Sorge umtreibt. Der Breitbandausbau. Die Notwendigkeit des schnellen Internets in der heutigen Zeit sei für ihn unumstritten. Jedoch sehe er damit auch sein Ziel, eine schuldenfreie unabhängige Gemeinde Wendisch Baggendorf, in Gefahr. „Selbst wenn uns ein Kredit für den Breitbandausbau gewährt wird, muss auch dieser irgendwie zurückgezahlt werden“, verdeutlicht er.

Aufgaben wie die Sanierung des Turmhügel-Denkmals sieht er damit gefährdet.

Nichtsdestotrotz hält Graßhoff an seinem Ziel fest und präsentiert mit Igor Hein (49, Wählergemeinschaft) auch seinen Wunschnachfolger. „Mein persönlicher“, sagt er. Denn die Entscheidung, wen die Wählergemeinschaft ins Rennen schickt, stehe selbstverständlich noch nicht fest. Graßhoff jedenfalls wünscht sich für die nächste Wahlperiode einen Bürgermeister und Gemeindevertreter, „die mit der Zeit gehen“, erklärt er.

Der 49-jährige Igor Hein wohnt seit 2002 in Borgstedt, einem der insgesamt vier Ortsteile der Gemeinde. Der selbstständige IT-Fachmann beschreibt sich selbst als Allrounder, als ganz normalen Arbeiter, „der tut, was getan werden muss“, wie er sagt. Erst seit 2014 sitzt er mit in der Gemeindevertretung, fungiert seitdem auch als Graßhoffs Stellvertreter. Ihn hat das Gemeindeoberhaupt als Breitbandbeauftragten — als Mittelsmann zwischen Gemeinde und Landkreis — aufgestellt. Und die beiden sind sich in einem einig: „Wenn wir als Gemeinde den Eigenanteil nicht berappen können, muss vielleicht auch über eine Umverteilung auf die Anwohner nachgedacht werden.“

Von Anja Krüger

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