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Da guckt der Bundesadler

Stralsund Da guckt der Bundesadler

Angela Merkel ist gern in ihrem Wahlkreis, weil die Menschen hier „kein Blatt vor den Mund nehmen“.

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Den Bundesadler gibt‘s nicht nur im Wappen, sondern auch im Stralsunder Tierpark. Angela Merkel übernahm im Juli beim 44. Tierparkfest die Patenschaft über den Steinadler „Tyrion“, der bei Tierpfleger Kay Deichfischer (r.) in guten Händen ist. Zoodirektor Christoph Langner (l.) sagt über die Kanzlerin: „Sie ist sehr locker, aufgeräumt und erstaunlich gut im Bilde.“

Quelle: Ines Engelbrecht

Stralsund. Kritiker mögen ihr vieles vorwerfen, aber eines mit Sicherheit nicht: dass sie sich zu wenig im „schönsten Walkreis“ überhaupt, wie sie ihn oft nennt, sehen lässt.

Angela Merkel (59) fütterte die Pinguine im Ozeaneum, winkte den Leuten vorm Rathaus mit dem dänischen und norwegischen Prinzenpaar oder Ex-US-Präsident George W. Bush zu. Sie besuchte die Stralsunder Werkstätten ebenso wie das Welterbezentrum oder die Schifferbrüder, eröffnete in St. Jakobi eine Ausstellung, saß bei Wirtin Hanni in der „Fähre“.

Die Bundeskanzlerin lässt sich den regelmäßigen Neujahrsempfang in der Alten Brauerei nicht nehmen. Wenn man Glück hat, sieht man Angie auch mal mit einem Einkaufsbeutel über die Kronlastadie bummeln. Und erst im Juli übernahm sie die Tierpatenschaft über den Steinadler „Tyrion“ im Stralsunder Zoo.

„Ja, Frau Merkel ist sehr präsent in der Region und kennt viele Leute“, bestätigt Tierparkchef Christoph Langner (50). „Sie ist locker, aufgeräumt, erstaunlich gut im Bilde — bei allem, was die Frau im Kopf hat. Geht auf die Leute zu und spricht auch im Vorbeigehen Themen an.“ Trotz eines engen Zeitkorsetts nehme sie sich Zeit und habe „ein enormes Personen- und Sachgedächtnis“.

Als „sehr bürgernah, gar nicht abgehoben“ beschreibt Christine Schumann (49), die als Sozialpädagogin bei den Stralsunder Werkstätten arbeitet, die Politikerin und gibt zu: „Ich mag sie auch menschlich. Da könnten sich andere ‘ne Scheibe abschneiden“. Nicole (24), die in den Werkstätten betreut wird, erlebte die erste Frau im Staat als „total nett und freundlich“.

Ähnlich sieht es Christian Ramlow (41), Verkäufer im Mediamarkt: „Sie hört zu. Ich schätze ihre Offenheit. Und sie signalisiert immer wieder, dass sie sich hier zu Hause fühlt, mal abseits von der politischen Berliner Bühne. Sie kann gut mit den Leuten umgehen. Ich habe großen Respekt, wie sie in der Welt Stärke beweist.“

Merkel selbst hält die Besuche in ihrer „politischen Heimat“ für sehr wichtig. „Ich erfahre direkt, wie die Politik bei den Menschen ankommt, und erhalte Impulse und Ideen, die in meine politische Arbeit in Berlin einfließen.“ Denn die Menschen in Vorpommern nähmen „kein Blatt vor den Mund“.

Für Unternehmerin Susanne Masson-Wawer (56) stellt die CDU-Abgeordnete „ein Zugpferd ohnegleichen“ für die Region dar. „Sie ist eine überaus intelligente Frau, die mit ihrer diplomatischen Art und zielsicherem Weitblick unser Land durch die Krise regiert.“ Persönlich habe sie Angela Merkel bei einem Besuch in ihrer Firma „als tiefgründig interessierten Menschen“ erlebt, der auch das Gespräch mit den Mitarbeitern „nicht politisch oberflächlich führt“.

„Als Bundestagsabgeordnete ist Frau Merkel generell sehr engagiert und informiert über ihren Wahlkreis und die Entwicklung im Ozeaneum, das sie als Kanzlerin eröffnete und mehrfach mit hochrangigen Gästen besuchte“, sagt Meeresmuseums-Chef Harald Benke.

Für Alexander Badrow (CDU) war die prominente Bundespolitikerin sogar ein Stück Motivation, sich überhaupt um den Posten als Stralsunder Oberbürgermeister zu bewerben. „Sicher müssen wir hier unsere Hausaufgaben selber lösen. Doch ich bin glücklich, dass wir Angela Merkel als Bundestagsabgeordnete haben, denn wenn uns Sorgen oder Probleme drücken, ist sie wirklich immer erreichbar, hat einen guten Rat und ab und zu auch mehr. Vieles würde es in Stralsund ohne sie nicht geben.“

Als „liebenswerte, aufrichtige und freundliche Arbeitgeberin seit 1994“ schätzt sie Waltraut Lewing (71). Die Mitarbeiterin in ihrem Wahlkreisbüro beschreibt Angela Merkel als „charakterfest, gradlinig, ehrgeizig — eine, die weiß, was sie kann, aber doch immer bescheiden in ihrer Art bleibt.“ Natürlich bläst Angela Merkel auch immer wieder Gegenwind aus der Region entgegen. Gewerkschafter Volker Schulz, DGB-Vorsitzender in Vorpommern, kritisiert den Merkel-Wahlkreis als „Billiglohn-Region. Der Tourismus ist wie eine Monokultur. Es gibt ein großes Lohngefälle. Nur 30 Prozent der Unternehmen sind tarifgebunden“.

Merkel tritt seit 1990 als Bundestagskandidatin an und hat stets das Direktmandat gewonnen. 2009 fuhr sie mit 49,3 Prozent der Stimmen ihr bislang bestes Ergebnis ein.

Serie

Bundestagswahl

2013

Von der Naturwissenschaftlerin zur Bundeskanzlerin
Angela Merkel wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg-Barmbek-Nord als erstes von drei Kindern des Theologen Horst Kasner (1926-2011) und seiner Frau Herlind geboren.

Noch im selben Jahr siedelte die Familie in die DDR über, wo der Vater eine Pfarrstelle antrat. 1957 zogen die Kasners nach Templin. Hier legte Tochter Angela auch das Abi ab — mit einem Durchschnitt von 1,0.

In Leipzig studierte Angela Merkel Physik. Bei einem Jugendaustausch traf sie mit ihren ersten Mann, Ulrich Merkel, zusammen. Mit dem Physiker war sie bis 1982 verheiratet. An der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wo sie auch ihren Doktor machte, lernte sie 1984 ihren Ehemann kennen. Den Quantenchemiker Joachim Sauer heiratete sie 1998.

1990 trat Angela Merkel im Bundestagswahlkreis Stralsund-Rügen-Grimmen zum ersten Mal für die CDU als Direktkandidatin an. Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2.

Dezember 1990 gewann sie mit 48,5 Prozent der Erststimmen. Bundeskanzler Helmut Kohl machte „sein Mädchen“ überraschend zur Ministerin für Frauen und Jugend. Bei der Bundestagswahl am 16. Oktober 1994 erreichte sie 48,6 Prozent der Erststimmen und wurde Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (bis 1998).

Die Bundestagswahl am 27. September 1998 endete für die Union mit einem Debakel. Die Kohl-Regierung wurde abgewählt. Merkels Erststimmenanteil sank auf 37,3 Prozent.

2000 wurde sie zur CDU-Bundesvorsitzenden gewählt.

Seit dem 22. November 2005 ist Angela Merkel Bundeskanzlerin. Die Naturwissenschaftlerin war damit nicht nur die erste Frau, sondern mit 51 Jahren auch die Jüngste in diesem Amt.

Zum Wahlkreis 15 gehören der Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Greifswald und das Amt Landhagen (beides Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Als Direktkandidaten im Wahlkreis 15 treten neben Angela Merkel noch Kerstin Kassner (Die Linke, OZ vom 1. August), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen, OZ vom 8. August), Sonja Steffen (SPD, OZ vom 15. August), Gino Leonhard (FDP, OZ vom 22. August), Michael Adomeit (parteilos, OZ vom 27. August), Susanne Wiest (Piraten, OZ vom 29. August), Jürgen Dettmann (Freie Wähler, OZ vom 3.

September) und Michael Andrejewski (NPD) an.

 

 

Marlies Walther

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