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Der aggressive Kampf mit den bunten Pappen

Landtagswahl 2016: Immer mehr Plakate beschmiert, zerfetzt, geklaut Der aggressive Kampf mit den bunten Pappen

Die Zahl der Anzeigen wegen Sachbeschädigung oder Diebstahl nimmt zu / Besonders betroffen in Stralsund ist die AfD / Kandidat Matthias Laack vermisst 350 Plakate

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Als Lügner und Volksverräter verunglimpft: Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD).

Stralsund. Immer mehr Strafanzeigen wegen beschädigter oder gestohlener Wahlkampfplakate laufen bei der Polizei auf. Bis Mitte August wurden laut einer Statistik des Polizeipräsidiums Neubrandenburg rund 1200 Fälle registriert. Davon entfallen etwa 150 Zerstörungen, Beschmierungen oder Diebstähle auf den Landkreis Vorpommern-Rügen. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein, da nicht jeder Fall zur Anzeige kommt.

OZ-Bild

Die Zahl der Anzeigen wegen Sachbeschädigung oder Diebstahl nimmt zu / Besonders betroffen in Stralsund ist die AfD / Kandidat Matthias Laack vermisst 350 Plakate

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Besonders betroffen ist offenbar die Alternative für Deutschland (AfD). Matthias Laack, der für diese Partei zur Landtagswahl am 4. September als Direktkandidat im Wahlkreis 26 antritt, zu dem der größte Teil der Hansestadt gehört, vermisst immerhin Plakate an 350 Standorten. „Sie werden heruntergerissen und verschwinden spurlos“, sagte er gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Jetzt würden in Stralsund etwa noch 100 hängen. Einige habe er noch in Reserve.

Finanziert worden seien die insgesamt 900 Plakate größtenteils von der Partei, erklärte Laack. Er selber habe in den Wahlkampf etwa 200 Euro gesteckt. Dabei hält der Mann eigentlich wenig von Wahlplakatwerbung: „Die Wirkung ist gering“, sagt er. Unabhängig davon hat er nach eigenen Angaben zweimal Anzeige erstattet.

Besonders im Stadtgebiet von Stralsund fallen die Schmierereien an den Großplakaten nahezu aller Parteien auf. Ann Christin von Allwörden, CDU-Direktkandidatin im Wahlkreis 26, ist ebenfalls ein Ziel dieser Attacken. Immerhin hat sie ständig zwischen zehn und 15 Aufsteller in Stralsund zu stehen. Einen materiellen Verlust beklagt sie dabei nicht. „Ich habe eine Fremdfirma beauftragt, die sich um die Großaufsteller kümmert. Erneuerungen sind in der Kalkulation enthalten.“ Persönlich versucht von Allwörden die Angriffe auf ihr Konterfei nicht zu nehmen. „Die Leute meinen nicht mich, sondern die Politik allgemein.“ Verluste ihrer vielen kleinen Plakate an den Straßenlaternen hat sie in erheblichem Ausmaß nicht wahrgenommen.

Dennoch hat Ann Christin von Allwörden schon das Empfinden, dass Beschädigungen und Schmierereien dieses Jahr besonders heftig sind. Dem widerspricht aber der Kreisgeschäftsführer der CDU, Dirk Ewert: „Es ist eigentlich genauso, wie immer.“ Für die Finanzierung des Wahlkampfes ist bei der CDU übrigens jeder Kandidat selbst verantwortlich. Allerdings wird dabei in erheblichem Maße auf Spenden zurückgegriffen.

Nur ab und zu Plakat-Lücken hat Heike Carstensen, Direktkandidatin der SPD im selben Wahlkreis, entdeckt. Sie hat im Stadtgebiet Plakate an 400 Standorten aufgehängt. Ein Großaufsteller von ihr sei beschmiert worden. Bei den Sozialdemokraten sei es üblich, dass Landes- und Kreisverband einen großen Teil der Wahlkampfkosten der Kandidaten übernehmen, erklärte Carstensen. Eine geringe Summe steuere sie selbst bei. Unabhängig davon meint sie: „Der Plakatwahlkampf ist in diesem Jahr besonders aggressiv.“

Komplett allein bezahlt der Ex-CDU-Mann und jetzige Einzelkandidat im Wahlkreis 26, Detlef Lindner, seinen Wahlkampf. 5000 Euro hat er ausgegeben, unter anderem für das Drucken und Aufhängen seiner 500 Plakate. „Über Verluste von Wahlplakaten oder Schmierereien kann ich nicht klagen“, betonte er.

Das gilt ebenfalls für Diethard Guse (Freier Horizont, Wahlkreis 26). „Mir ist noch nichts aufgefallen“, sagte er. Er selbst habe 75 doppelseitige Plakate hängen, seine Partei in der gesamten Region um Stralsund 350.

Allein bezahlt hat auch Thoralf Pieper (FDP, Wahlkreis 26) seine 100 Plakate. Lediglich die Großaufsteller der Spitzenkandidatin Cécile Bonnet-Weidhofer finanziere die Partei mit. Verluste und Beschädigungen in größerem Ausmaß verzeichnet Pieper bei seinen persönlichen Plakaten nicht.

Rolf Martens, Kreisvorsitzender der Grünen, sieht eine zunehmende Tendenz von Sachbeschädigungen im Zusammenhang mit den Wahlplakaten – und zwar parteiübergreifend. „Das ist in der Stadt schlimmer als auf dem Land“, sagte er. Den materiellen Schaden, der den Grünen bislang entstanden ist, kann er noch nicht beziffern. Insgesamt hat seine Partei im Landkreis Plakate an 2500 Standorten aufgehängt. Bezahlt wird die Wahlwerbung der Kandidaten bei den Grünen vom Landes- und Kreisverband. Hinzu kommen Spenden und persönliche Zuschüsse.

Die Linken setzen in diesem Jahr kaum auf Plakate. Maria Quintana Schmidt, Direktkandidatin im Wahlkreis 25 (Knieper West und Nord, Ämter Barth, Altenpleen und Niepars): „Von mir hängen in den Dörfern höchstens jeweils eins und in Stralsund vielleicht 30.“ Von Verlusten wisse sie nichts. Finanziert werde der Wahlkampf der Linken mit Hilfe der Partei, aber auch privat. „Spenden von Unternehmen nehmen wir nicht“, betonte sie.

Zeugen von Sachbeschädigungen an Wahlplakaten können sich an die Einsatzleitstelle der Polizei in Neubrandenburg unter ☎ 0395/55822224 wenden.

Parteien setzen auf die Kraft des Bildes

Die Rostocker Politikwissenschaftlerin Gudrun Heinrich ist Expertin für Wahlen. OZ sprach mit ihr über die „Schlacht am Laternenpfahl“.

Richten die Wähler ihre Entscheidung tatsächlich nach den Wahlplakaten aus?

Gudrun Heinrich: Dazu gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Aber die Plakate regen an, zur Wahl zu gehen und informieren über die antretenden Parteien und Personen.

Inhalte spielen dabei keine Rolle?

Heinrich: Wahlplakate bieten für komplizierte Inhalte zu wenig Platz – es geht dabei nur um Slogans.

Heimat ist in diesem Wahlkampf ein großes Thema. Linke, AfD und CDU werben damit, sich für die Heimat zu engagieren. Wie kommt das?

Heinrich: Die NPD auch, die ein biologistisches Heimatverständnis vertritt. Man muss unterscheiden. Die AfD hat ein kulturelles Heimatverständnis, das sich gegen den Einfluss von als fremd empfundenen Kulturen richtet. Für die Linke ist Heimat das, wo man sich wohlfühlt. Die CDU setzt starke regionale Akzente in ihrem Heimatbegriff, fordert einen Staatssekretär für Vorpommern. Fraglich ist nur, ob die Bürger das so unterscheiden.

Linke-Kandidat Helmut Holter erscheint auf schwarzem Hintergrund, ist die Partei nach rechts gerückt?

Heinrich: Das ist Marketing und keine politische Aussage.

SPD und CDU sind wenig angriffslustig. Wie kommt das?

Heinrich: Wenn man so lange miteinander koaliert, wäre alles andere unglaubwürdig. Da muss man „Kurs halten“, wie die SPD schreibt.

Die FDP präsentiert sich als „junges MV“. Kann sie damit die Fünf- Prozent-Hürde überschreiten?

Heinrich: Das muss man sehen. Die FDP wirbt um eine junge, bürgerliche und weltoffene Wählerklientel. Das ist auch eine Klientel der Grünen – Bildungsferne bleiben außen vor.

Die Grünen machen es besser?

Heinrich: Sie sind im Landtag und setzen daher auf Bewährtes, auf ihre Themen, die man kennt.

Interview: Eckhard Oberdörfer

Firma trägt auch Schäden

Zerstörte Großplakate zur Landtagswahl sind für die Parteien zwar ein Ärgernis – wirtschaftlich weh tut der Vandalismus allerdings dem Eigentümer. Und das sind oft nicht die Parteien.

Rund 1000 Aufsteller in Mecklenburg-Vorpommern gehören der Firma Treger Wahlwerbung aus Wittenberge (Brandenburg). Die Parteien haben die 3,5 mal 2,5 Meter großen Tafeln nur gemietet, wie der stellvertretende Geschäftsführer Sebastian Harth sagte.

Etwa 500 Euro kostet ein Aufsteller. Wird einer zerstört, muss die Firma ihn ersetzen. Versichert werden kann Wahlwerbung nicht. Die Aufträge hat Treger aus Wettbewerbsgründen angenommen. Gewinn wird nicht erwartet.

Jens-Peter Woldt

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