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„Er hat’s immer gut gemeint für die Stadt“

Stralsund „Er hat’s immer gut gemeint für die Stadt“

Harald Lastovka ist tot. Der erste nach der Wende demokratisch gewählte Oberbürgermeister von Stralsund starb am Donnerstag im Alter von 72 Jahren.

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Harald Lastovka mit Angela Merkel im Bundestagswahlkampf am 13. September 2005 auf dem Alten Markt.

Stralsund. Rügenbrücke. Ozeaneum. Hansedom. Marinetechnikschule. Theatersanierung. Welterbestatus. Bush-Besuch. Die Liste prägender Projekte und Ereignisse, die eng mit dem Namen Harald Lastovka verbunden sind, ist lang.

OZ-Bild

Harald Lastovka ist tot. Der erste nach der Wende demokratisch gewählte Oberbürgermeister von Stralsund starb am Donnerstag im Alter von 72 Jahren.

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Harald Lastovka hat für Stralsund gebrannt. Mutig hat er das Ruder übernommen, als es darauf ankam und nur wenige dazu bereit waren.“Thomas Nitz, Nachbarschaftszentrum

„Ohne ihn wäre Stralsund nicht das, was es heute ist“, sagt der CDU-Stadtverbandsvorsitzende Thomas Lewing. In den 18 Jahren im Amt und auch später in seiner Ruhezeit sei Lastovka immer für die Stralsunder dagewesen und habe viel erreicht. „Er hatte seinen Laden im Griff“, meint Lewing und habe sich immer sehr bürgernah gezeigt. So, wenn er sich zum Beispiel bei einer Bratwurst am Horstmann-Grill mit den Leuten unterhalten habe.

„Er hat’s immer gut gemeint für die Stadt“, ist auch Wolfgang Fröhling überzeugt, der unter Lastovka als Senator gearbeitet hat. Sein Leitspruch habe schon vor der Wende, als sie sich gemeinsam in der katholischen Gemeinde engagierten, gelautet: „Suchet der Stadt Bestes.“ Um so mehr bedaure Fröhling, dass Lastovka zum Schluss nicht so behandelt worden sei, wie er es verdient hätte. Fröhling spielt auf den Sparkassen-Skandal an, der den auch wegen seines Führungsstils umstrittenen ersten Mann der Stadt in den Jahren 2003/04 deutschlandweit in negative Schlagzeilen gebracht hatte. Dies führte am Ende zu staatsanwaltlichen Ermittlungen und Prozessen.

„Das hat ihn auch krank gemacht“, so Fröhling. „Aber was er geleistet hat, muss erst einmal einer nachmachen.“ Fröhling spricht von einer „unschätzbaren Arbeit“, die nötig war, um die Stadt aufzubauen und das Geld dafür zu beschaffen. Das habe mit der Regelung von Verwaltungsdingen begonnen, reichte von der Gründung der Stadtwerke, der Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft oder des Berufsförderungswerks über die Bildung der Fachhochschule auf dem alten Offiziershochschulgelände bis hin zum Straßenbau. Für die Werft habe er sich ebenso eingesetzt wie für den Sport. Als Handballfreund habe er sich über den Aufstieg in die Erste Bundesliga gefreut, aber auch den Gewichthebern die Daumen gedrückt.

„Herr Lastovka hat maßgeblichen Anteil an der Gründung der städtischen Unternehmen. Durch seinen persönlichen Einsatz wurde es möglich, die unterirdische Infrastruktur zu bauen und zu gestalten“, sagt der Chef der Regionalen Wasser- und Abwassergesellschaft, Jürgen Müller.

Der Kaufmännische Direktor des Deutschen Meeresmuseums, Andreas Tanschus, erinnert sich an die Entstehung des Ozeaneums, wo man längst nicht immer einer Meinung gewesen sei. „Aber dann war er ein absolut verlässlicher Partner – auch, was die Finanzierung betraf“, blickt Tanschus zurück. Schließlich sei es sogar gelungen, den eher konservativen Politiker für die moderne Architektursprache zu begeistern.

„Harald Lastovka hat für Stralsund gebrannt. Mutig hat er das Ruder übernommen, als es darauf ankam und nur wenige dazu bereit waren“, hebt der Stralsunder Thomas Nitz hervor und hofft, dass ihm „posthum nun der Dank und der Respekt bezeugt werde, der ihm zu Lebzeiten viel zu oft verwehrt wurde“.

OB Alexander Badrow, der Lastovka 2008 im Amt abgelöst hat, und Bürgerschaftspräsident Peter Paul (beide CDU) „verneigen sich in Dankbarkeit“ und würdigen „einen großen Stralsunder, der seine Stadt liebte, leidenschaftlich für sie und ihre Menschen eintrat und das Herz auf dem rechten Fleckt hatte“. Er habe in seiner Amtszeit entscheidende Weichen für die Entwicklung Stralsunds gestellt. „Mit seiner Präsenz und Ausstrahlung, seiner Willenskraft und Durchsetzungskraft, mit seinem großen Fleiß und seiner Art, auf die Menschen zuzugehen“, habe er sich Respekt und Anerkennung erworben, hieß

es aus dem Rathaus.

Die Trauerfeier findet am kommenden Dienstag statt. Dazu wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet.

Kondolenzbuch liegt ab Montag im Rathaus aus

Harald Lastovka wurde 1944 in Trautenau im Riesengebirge geboren. Nach dem Schulbesuch begann er 1961 eine Lehre zum Dampflokomotivenschlosser. Danach war er bis 1965 Schlosser bei der Deutschen Reichsbahn.

Von 1965 bis 1968 studierte Lastovka Maschinenbau in Wismar und war bis 1989 als Softwareentwickler beim VEB Robotron tätig.

Im Februar 1990 war Harald Lastovka der CDU beigetreten. Am 29. Mai 1990 wurde er zum Stralsunder Oberbürgermeister gewählt. Bei der OB-Wahl im Mai 2008 trat

Lastovka aus Altersgründen nicht mehr an.

1969 heiratete Harald Lastovka seine Frau Marianne, eine Anwältin. Sohn Hendrik ebenfalls Anwalt, ist Mitglied der Stralsunder Bürgerschaft.

„Mit Harald Lastovka verliert der CDU-Landesverband einen Mitstreiter, der sich in vielen verschiedenen Funktionen ehrenamtlich und hauptamtlich engagiert hat“, hob gestern Innenminister und CDU-Chef Lorenz Caffier hervor.

Ab Montag , 9 Uhr, liegt im Foyer des Stralsunder Rathauses ein Kondolenzbuch öffentlich aus.

Marlies Walther

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