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Politik Fachkräftemangel: Greifswald will Mitarbeiter verbeamten
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00:01 10.05.2016

Sinneswandel bei den Greifswalder Kommunalpolitikern. Lehnten die Abgeordneten in der Vergangenheit mehrfach die Schaffung neuer Beamtenstellen in der Stadtverwaltung ab, formiert sich jetzt eine Mehrheit für dieses Vorhaben. Der Finanzausschuss der Bürgerschaft zumindest sieht die Pläne der Personalamtschefin Petra Demuth überwiegend positiv, 2017/18 sieben Stellen in den Beamtenstatus umzuwandeln. Das beträfe Mitarbeiter im Rechnungsprüfungsamt, in der Bauaufsichtsbehörde, im Ordnungsamt und in der Stadtkasse. Aktuell zählt die Verwaltung 68 Beamte, davon gehören 58 zur Berufsfeuerwehr.

Noch vor drei Jahren sah das Meinungsbild der Abgeordneten zu diesem Thema ganz anders aus, scheiterte Demuth gleich zweimal mit einer Beschlussvorlage. „Das Beamtenkonzept scheint mir antiquiert“, wetterte etwa Walter Noack von der CDU und stimmte dagegen. Heute ist er anderer Auffassung. „Wenngleich mir die Begründung immer noch gegen den Strich geht“, sagt er und bezieht sich dabei auf die „Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben“. „Warum sagen wir nicht einfach, worum es wirklich geht? Nämlich darum, als Stadt wettbewerbsfähig zu bleiben und den Kampf um die besten Köpfe nicht zu verlieren“, so Noack.

Das sieht Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) offenbar ähnlich, sonst hätte die Verwaltung kaum die Beschlussvorlage für die Sitzung des Stadtparlaments am 23. Mai erarbeitet. Als Grünen-Fraktionschef lehnte er in der Vergangenheit Demuths Beamtenpläne jedoch strikt ab. „Wenn überhaupt, dann nur die Beamtenstellen, die uns das Ministerium vorschreibt“, erklärte er noch im August 2013. Alexander Krüger, heutiger Fraktionschef, kündigt eine einmütige Zustimmung an: „Verbeamtung ist sicher kein Allheilmittel. Aber junge Köpfe, die wir mit unserem Geld ausgebildet haben, müssen wir halten.“

Trotz der wiederholten Abfuhr startete die Personalamtsleiterin Ende 2014 einen dritten Versuch für mehr Beamte im Rathaus. Mit knappem Erfolg: 18 Bürgerschaftsmitglieder stimmten dafür, 17 dagegen.

Damals ging es um zehn Posten. Demuths Argumentation: „Beamtenstellen erhöhen die Attraktivität der Hansestadt als Arbeitgeberin und erleichtern die Bindung und Gewinnung von Fach- und Führungskräften.“ Beim gut ausgebildeten Nachwuchs habe die Verwaltung in der Vergangenheit Verluste hinnehmen müssen. So seien von 1991 bis 2012 insgesamt 13 Beamtenanwärter ausgebildet worden, von denen kurze Zeit später nur noch vier bei der Stadt arbeiteten, davon zwei im Angestellten- und zwei im Beamtenverhältnis. Andere Städte, erklärte Demuth, würden den jungen Leuten einfach attraktivere Angebote unterbreiten, wozu die Verbeamtung zähle.

Das sieht Bürgerschaftspräsidentin Birgit Socher (Die Linke) mittlerweile auch so: „Vor Jahren habe ich noch gesagt: Verbeamtungen sind ein alter Zopf. Doch ich musste mich eines Besseren belehren lasen“, räumt Socher ein. Um gute Fachkräfte zu halten, müsse Greifswald es anderen Städten gleichtun und mehr Mitarbeiter verbeamten.

Andere Abgeordnete sehen das kritisch. Der Liberale André Bleckmann etwa bleibt bei seiner Meinung von 2013: „An der Argumentation der Verwaltung hat sich seit damals ja nichts geändert. Außerdem bin ich nicht bereit, im Ergebnishaushalt die erforderlichen Rückstellungen von 500000 Euro pro Beamtenstelle mitzutragen. Bei dem Konzept kann ich für die Stadt keinen Vorteil erkennen“, sagt Bleckmann. Auch Martin Banduch (Kompetenz für Vorpommern) hält nichts von diesem Schachzug und fragt: „Seit wann ist denn eine unbefristete Angestelltenstelle bei der Stadt nicht mehr attraktiv genug, um Leute zu gewinnen?“

Von Petra Hase

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