Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Politik Gefälschte AfD-Werbung im Hausflur?
Vorpommern Stralsund Politik Gefälschte AfD-Werbung im Hausflur?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:05 08.09.2017
Auszüge aus den umstrittenen Aushängen in den Stralsunder Häusern. Quelle: Grafik: Benjamin Barz
Anzeige
Stralsund

Aufregung unter Mietern und bei drei großen Wohnungsunternehmen in Stralsund: In mehreren Häusern sind Plakate aufgetaucht, auf denen Wahlwerbung zugunsten der AfD abgedruckt ist. Höhepunkt: Mietern, die die Aushänge entfernen wollen, wird in einem zusätzlichen Schreiben mit der Kündigung der Wohnung gedroht.

Die betroffenen Wohnungsunternehmen sind schockiert, auch die AfD ist alles andere als erfreut und vermutet politische Gegner hinter der Aktion. Innerhalb der Stadtverwaltung ist dies umstritten. Es könne genauso ein AfD-Anhänger gewesen sein, der seiner Partei einen Gefallen tun wolle, heißt es.

Wer die Aushänge, deren Anzahl noch unklar ist, verteilt hat, ist unbekannt. Betroffen sind die städtische Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft (SWG), die Wohnungsbaugenossenschaft Aufbau (WGA) sowie die Wohnungsbaugenossenschaft Volkswerft Stralsund. Von der Gestaltung her erinnern die Pamphlete an die üblichen Schreiben einer Wohnungsgesellschaft.

In dem beigefügten Anschreiben heißt es wörtlich: „Sehr geehrte Mitglieder, aus gegebenem Anlass möchten wir Sie über unsere Hausordnung informieren: Das unberechtigte Entfernen von Informationen der Wohnungsbaugenossenschaft Volkswerft Stralsund eG und unseren beauftragten Partnern ist nicht gestattet und stellt daher einen Verstoß gegen die Hausordnung dar (Punkt 1.6). Jede Zuwiderhandlung diesbezüglich kann abgemahnt werden und im Wiederholungsfall zur fristlosen Kündigung führen.“ Darunter steht der Slogan „Sicher wählen und wohnen 2017!!!“ Zudem ist ein Wahlkampfmotiv mit den Gesichtern der AfD-Spitzenkandidaten Alexander Gauland und Alice Weidel abgedruckt. Anschließend folgen die Logos der drei Gesellschaften inklusive des Zusatzes: „Mit freundlicher Unterstützung von:“.

Die drei Wohnungsunternehmen distanzieren sich in einer gemeinsamen Erklärung von dieser Form der Wahlwerbung. Darin betonen sie, dass „Aushänge dieser Art nicht von ihnen stammen und weder die Genossenschaften noch die Gesellschaft die Wahlwerbung von politischen Parteien unterstützen“. Gleichzeitig bitten sie ihre Mitglieder und Mieter darum, „auf solche Aushänge aufmerksam zu machen, damit diese unverzüglich entfernt werden können“.

Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) ist sauer: „Es wurde der Eindruck erweckt, dass ein Unternehmen der Hansestadt Stralsund Bewerber zur Bundestagswahl unterstützt. Hiermit sei ausdrücklich klargestellt, dass es sich dabei um eine Fälschung handelt. Sowohl die Stadtverwaltung als auch städtische Gesellschaften sind zur Neutralität verpflichtet.“

Anfrage bei der AfD: Weiß die Partei etwas von dieser Sache? Antwort: „Wir haben mit dieser absurden Aktion nichts zu tun. Das ist nicht unser Stil. Offensichtlich schrecken die politischen Gegner der AfD auch vor solchen Methoden nicht mehr zurück“, sagt AfD-Landeschef Leif-Erik Holm.

Benjamin Fischer

Mehr zum Thema

„Die Partei“ ist immer für eine Überraschung gut. Nun haben die Satiriker zahlreiche geschlossene Facebook-Gruppen der AfD unterwandert. Alles nur Spaß? Die Aktion habe auch eine ernste Seite.

04.09.2017

In einer Erklärung forderte die Schweriner Landtagsfraktion der AfD den früheren Vize-Fraktionschef auf, wegen der veröffentlichten Gewalt-Chats das Mandat niederzulegen. Zuvor hatte ihn dazu bereits der AfD-Landesvorstand aufgerufen.

05.09.2017

AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel verlässt eine Live-Sendung des ZDF vorzeitig. Der Moderatorin wirft sie vor, für SPD und Grüne Partei zu ergreifen. Einige vermuten, dass bei dem Abgang mehr Kalkül als Temperament im Spiel war.

06.09.2017

Mit der Juniorwahl können Jugendliche parallel zur Bundestagswahl ihre Stimme abgeben

08.09.2017

Stadt bekommt 537000 Euro vom Land

01.09.2017

Ex-Radiomoderator Leif-Erik Holm (AfD) erklärt, wie er die Kanzlerin in ihrem Wahlkreis schlagen will

29.08.2017
Anzeige