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Politik „Ich baue keine Märchenschlösser“
Vorpommern Stralsund Politik „Ich baue keine Märchenschlösser“
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04:07 03.09.2013
Jürgen Dettmann mit Familien-Hund Tammi im Garten des Drei-Generationen-Hauses. Hier wohnt er mit seiner Frau Kornelia, den Kindern Heinrich und Friederike und seiner Mutter. Quelle: Anika Hoepken
Stralsund

Schnurstracks geht Jürgen Dettmann durch das Wohnzimmer Richtung Balkon. „Hier kann man sehr gut philosophieren“, sagt der 47-Jährige und schaut über die Felder und Wiesen. Gemeinsam mit seinen Eltern hat er sich 1996 den Traum vom Schwedenhaus in seiner Heimatstadt Teterow verwirklicht. „Damals war ich noch ledig. Wir haben es ganz nach unserer Vorstellungen gebaut“, berichtet Dettmann. „Kurze Zeit später habe ich dann meine Frau Kornelia kennengelernt. Wir haben gemeinsam im Chor gesungen.“

Gemeinsam mit den beiden Kindern Heinrich (13) und Friederike (10) lebt das Paar im Obergeschoss des Hauses. „Unten wohnt meine Mutter“, berichtet der Diplomagraringenieur, der beruflich viel unterwegs ist. „Mein Vater ist im Jahr 2000 gestorben. Das war ein sehr bewegendes Jahr. Mein Sohn wurde geboren und wir haben geheiratet.“ Das Leben in einem Drei-Generationen-Haus sei aus seiner Sicht ideal — vor allem für die Kinder. „Wenn sie Oma besuchen wollen, müssen sie nur die Treppe heruntergehen. Die Tür ist immer offen. Wenn die Kinder nicht bei uns Abendbrot essen, wissen wir, dass die beiden bei Oma sind.“

Im Garten können Heinrich und Friederike mit Labrador-Hündin Tammi toben. Seit zwei Jahren hat die Familie den Hund. „Die Verantwortung müssen alle tragen, sonst funktioniert das nicht. Alle müssen mit anpacken“, erklärt der Familienvater, der im Garten einen Teich anlegt. „Darüber wird sich auch Tammi freuen. Sie liebt Wasser.“ Ansonsten ist der Garten eher spartanisch gehalten — eine Rasenfläche und ein paar Obstbäume. „Hin und wieder gucke ich schon neidisch auf den Garten meiner Nachbarn. Sie haben ein Händchen dafür und bauen ganz viel an“, berichtet Dettmann. „Aber wir tauschen immer. Kirschen und Äpfel gegen Möhren und Zucchini. Wir haben ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis hier.“

Jürgen Dettmann ist sehr heimatverbunden. Für ihn stand fest, dass er nach dem Studium in Rostock und Kiel nach Teterow zurückkehrt. Dass er bei der Bundestagswahl für die Freien Wähler im Wahlkreis 15 und nicht für seine Heimat antritt, habe sich so ergeben. „Wir treten zum ersten Mal bei der Bundestagswahl an. Unser Ziel war es, jeden Wahlkreis zu besetzen. Wir sehen das als Präsenzpflicht an.

In den anderen Wahlkreisen sind wir gut vertreten, aber im Wahlkreis 15 stand niemand zur Verfügung.“

Dass er gerade gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel antreten muss, spielt für ihn keine Rolle. „Ich nehme den Wettbewerb gerne an. Die Gefahr, wirklich in den Bundestag einzuziehen, ist gering. Ich baue keine Märchenschlösser. Aber ich werde sicherlich aus dem Wahlkampf lernen und wichtige Erfahrungen sammeln. Und 2014 steht ja dann auch schon die Kommunalwahl an.“

Seine Frau habe immer hinter seinem politischen Engagement gestanden. „Ich bin seit zehn Jahren in Teterow in der Kommunalpolitik aktiv. Sie toleriert und akzeptiert meine politischen Aktivitäten.

Sie kann sehr gut nachvollziehen, warum ich das tue, auch wenn sie selbst politisch nicht aktiv ist.“ 2004 hat Dettmann sich zum ersten Mal politisch engagiert — in einer Bürgerinitiative zur Problematik Wasser/Abwasser. „Bis dato war ich zwar politisch interessiert, aber nie involviert.“ Er trat bei der Kommunalwahl 2004 an und wurde in die Stadtvertretung gewählt. Dettmann ist Mitbegründer des Bündnisses für MV, das später zu den Freien Wähler überging, um bundespolitisch Einfluss nehmen zu können. „Man muss unabhängige Kräfte bündeln, um ihnen eine Stimme zu geben“, erklärt Jürgen Dettmann. Sein Traum: Dass die Partei irgendwann einen eigenen Balken bekommt und nicht unter Sonstiges aufgeführt wird.

Serie

Bundestagswahl

2013

Die Karriere
Jürgen Dettmann wurde am 28. Juni 1966 in Teterow geboren. 1985 machte er in seiner Heimatstadt sein Abitur. Ab 1987 studierte er an der Universität in Rostock Agrarwissenschaften und wechselte zum Hauptstudium nach Kiel. Dort machte er dann 1994 seinen Abschluss zum Diplomagraringenieur. Danach arbeitete Jürgen Dettmann zunächst als Angestellter in der Projektentwicklung in der Landwirtschaft und machte sich dann selbstständig. Seit 2004 ist er in der Projektentwicklung, Rohstoffsicherung im Bereich Biogas tätig.


Über die Bürgerinitiative Wasser/Abwasser kam er 2004 in die Stadtvertretung Teterow, wo er bis heute vertreten ist. Jürgen Dettmann gehört zu den Gründungsmitgliedern des Bündnisses für MV sowie der Landesvereinigung Freie Wähler MV.


Im Landkreis Rostock sitzt Jürgen Dettmann für die Freien Wähler im Kreistag.


Mit Ehefrau Kornelia, seinen Kindern Heinrich und Friederike und mit seiner Mutter Ingrid lebt der 47-Jährige in einem Haus in Teterow. Seine Frau arbeitet in Teterow als Lehrerin an der Regionalen Schule.

Zum Wahlkreis 15 gehören der Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Greifswald und das Amt Landhagen (beides Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Als Direktkandidaten im Wahlkreis 15 treten neben Jürgen Dettmann noch Kerstin Kassner (Die Linke, OZ vom 1. August), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen, OZ vom 8. August), Sonja Steffen (SPD, OZ vom 15. August), Gino Leonhard (FDP, OZ vom 22. August), Michael Adomeit (parteilos, OZ vom 27. August) Susanne Wiest (Piraten, OZ vom 29. August) Angela Merkel (CDU), Michael Andrejewski (NPD) an.

VIER FRAGEN AN...

1Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

Das Hörbuch „Erfolg — Drei Jahre Geschichte einer Provinz“ von Lion Feuchtwanger. Es ist ein gesellschaftspolitischer Roman, in dem es um den Freistaat Bayern in der Weimarer Republik geht.

2Was kommt sonntags bei Ihnen auf den Mittagstisch?Je nach Terminlage von gar nichts, auswärts bis Butterbohnen mit Geflügel und Salzkartoffeln.

3Welche drei Politiker würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?Till Backhaus — Buchbesprechung „Wer mehrmals in den Fettnapf tritt“. Helmut Schmidt — für den Lagerfeuersong „Ich teile nicht meine letzte Zigarette“. Angela Merkel — Als Chefin unserer zu gründenden Insel-Wohngemeinschaft. Ohne letztere würde die Männerrunde in Anarchie verfallen und nicht die Geduld bis zur Rettung aufbringen.

4Wovon träumen Sie?Ich träume von der Vereinfachung unserer ach so komplizierten politischen Fragen sowohl in der Kommune, im Land als auch im Bund.

Anika Hoepken

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