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Kreis lässt Schüler auf Bahnkosten sitzen

Stralsund/Sassnitz Kreis lässt Schüler auf Bahnkosten sitzen

Der Zug zwischen Sassnitz und Bergen braucht 23 Minuten, der Bus über eine Stunde – dennoch sollen die Kinder für den Schulweg auf die Bahn verzichten

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Ein Regionalexpress der Linie RE9 unterwegs auf der Insel Rügen: Für viele Schüler, die in Sassnitz wohnen, aber in Bergen zur Schule gehen, wäre es deutlich einfacher, für den Schulweg die Bahn statt den Bus zu nutzen. Auf den Kosten bleiben sie dann aber sitzen.

Quelle: Foto: Stefan Sauer/dpa

Stralsund/Sassnitz. Billiger, schneller, aber Landrat Ralf Drescher (CDU) trotzdem nicht gut genug? Schüler, die ihren Schulweg auf der Insel Rügen zwischen Sassnitz und Bergen mit der Bahn zurücklegen wollen, bleiben bislang auf den Kosten sitzen – obwohl sie eine staatliche Schule aufsuchen. Würden sie statt der Bahn den Bus wählen, würde der Landkreis die Kosten übernehmen;

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Der Zug zwischen Sassnitz und Bergen braucht 23 Minuten, der Bus über eine Stunde – dennoch sollen die Kinder für den Schulweg auf die Bahn verzichten

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so wie bei allen anderen Schülern auch, die eine der zuständigen Schulen besuchen. Diese Regelung gilt für den gesamten Landkreis, ist im Alltag aber vor allem auf Rügen ein Problem.

Zum Vergleich: Die Bahn benötigt für die Strecke Sassnitz-Bergen 23 Minuten, ein Einzelfahrschein kostet hier ohne Rabatt 6,30 Euro. Der Bus ist auf der Strecke laut Fahrplan mindestens eine Stunde und elf Minuten unterwegs. Der Fahrschein kostet dennoch satte sieben Euro. Auf der besonders im Sommer verkehrsgeplagten Insel brauchen die Busse aber oft deutlich länger.

Nach OZ-Informationen soll der Landkreis versuchen, seine Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) mit dem Bahn-Verbot für Schüler vor unliebsamer Konkurrenz auf der Schiene zu schützen.

Die SPD-Kreistagsfraktion hält es für „bedenklich, dass der Landkreis die Schülerbeförderung zur örtlich zuständigen Schule per Bahn nicht erstattet“, heißt es in einer Mitteilung zu dem Streitthema.

Diese Regelung müsse unbedingt überprüft werden, sagt Norbert Benedict. Er sitzt für die SPD im Kreistag und ist selbst Lehrer am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in Bergen.

Laut Benedict habe eine entsprechende Anfrage während der vergangenen Sitzung des Bildungsausschusses des Kreistages ergeben, dass die Kreisverwaltung die Aufzählung der möglichen Beförderungsmittel als Rangfolge und nicht als Alternative verstehe. „So wird die Beförderung per Bahn selbst dann abgelehnt, wenn diese günstiger, schneller und sicherer für die betroffenen Schüler ist. Wir sehen damit nicht nur den Haushaltsgrundsatz der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verletzt, sondern glauben, dass hier nur die zweitbeste Lösung für unsere Kinder gefunden worden ist“, ergänzt SPD-Fraktionschef Stefan Kerth.

Anruf im Landratsamt: Was soll das Theater? Olaf Manzke, der Sprecher der Kreisverwaltung, bestätigt, dass es in der Schülerbeförderungssatzung eine Rangfolge zugunsten des Busverkehrs gibt. Immerhin halte der VVR auf der Strecke zwischen Sassnitz und Bergen Kapazitäten für rund 100 Schüler vor. Diese seien extra ausgebaut worden, um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden. Dementsprechend müssten die Busse genutzt werden. Auch der Fahrplan sei der Situation angepasst worden, sagt Manzke. Danach würden nun zu den Hauptfahrzeiten der Schüler mehr Busse als früher zwischen Bergen und Sassnitz unterwegs sein.

Da der Landkreis offiziell gar keinen Schulbusverkehr unterhält, sondern diese Aufgabe mit normalen Linienbussen bewältigt, besteht aber insbesondere am Nachmittag, wenn der Rückweg von der Schule nach Hause ansteht, die Gefahr, dass eine Touristengruppe die Plätze besetzt, die eigentlich für die Kinder vorgesehen sind. Manzke räumt ein, dass der Kreistag demnächst ohnehin über eine neue Fassung der Satzung zur Schülerbeförderung abstimmen müsse, da die alte Variante einige rechtliche Mängel enthalte. Insofern stehe das Bahn-Verbot dann ohnehin auf dem Prüfstand.

Am 9. Oktober soll der Kreistag auf Antrag der SPD aber zunächst darüber abstimmen, ob dieses Verbot schon vorher wieder aufgehoben wird.

Benjamin Fischer

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