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Politik Mädels der Viva-Tanzgruppe droht die Abschiebung
Vorpommern Stralsund Politik Mädels der Viva-Tanzgruppe droht die Abschiebung
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00:00 19.05.2017

Stralsund. Sie haben sich in Stralsund einen Namen gemacht – die Mädels der Viva-Tanzgruppe. Bei Stadtfesten, Vereinsfeiern und auch bei der OZ-Sportlerehrung verzauberten sie das Publikum. Für ihre Darbietungen, die auf höchstem Niveau Ausdruckstanz und Ballett verbinden, wurden sie mit Preisen nur so überhäuft. Doch jetzt könnte die Gruppe auseinanderbrechen, denn den Ukrainerinnen – sie sind sehr gute Neuntklässlerinnen – droht die Abschiebung.

Asylantrag der Ukrainerinnen wurde abgelehnt – jetzt kämpfen sie vor Gericht / Vereine, SIC, NBZ und Kinderschutzbund unterstützen die Familien

Das ist „Viva“

23 Mädchen und Jungen aus verschiedenen Ländern tanzen seit zwei Jahren in dieser Gruppe, die zum SV Medizin gehört.

Am 9. Juni wird in St. Jakobi eine Ausstellung eröffnet, in der es um „Viva“ und auch um traumatisierte Kinder geht.

Viele Urkunden für 1. Plätze sprechen für die Qualiät der Tanzgruppe.

Vor zwei Jahren kamen die Familien als Flüchtlinge aus der Ostukraine nach Deutschland. Sie hatten immer nur vorläufige Bescheide, die ihnen das Bleiben ermöglichten. Jetzt erst wurden ihre Asylanträge intensiv bearbeitet – und abgelehnt. Eigentlich müssten sie nun innerhalb von vier Wochen das Land verlassen, doch sie wählten den Klageweg – und verschaffen sich damit zumindest eine Atempause.

Die Stralsunder Rechtsanwältin und SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen, die die betroffenen Familien vor dem Schweriner Verwaltungsgericht vertritt, sagte der OZ: „Am 26. Mai haben wir den nächsten Termin, bei den bisherigen Verhandlungen sind wir mit ganz unterschiedlichen Ergebnissen rausgegangen. Es lohnt sich zu kämpfen. Der Deckel ist noch nicht zu.“ Mitentscheidend sei das Votum der Ausländerbehörde beim Landkreis Vorpommern-Rügen. „Die verstecken sich immer hinter dem Satz, dass sie laut Gesetz so handeln müssen. Aber das ist falsch, da gibt es schon Ermessensspielraum“, so die Anwältin.

Landkreis-Pressesprecher Olaf Manzke sieht das ganz anders: „Alle betroffenen Familien haben die Ablehnung vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bekommen. Wir können da gar nichts machen.“

Die Begründung für den ablehnenden Asylbescheid kennt man aus den Medien: Die Ukraine sei ein sogenanntes sicheres Herkunftsland, es gebe keinen Krieg, sondern „nur“ terroristische Aktivitäten, heißt es. „In Donezk ist Krieg. Diese Leute können aber auch nicht in einen anderen Teil des Landes zurückkehren, sie gelten in der West-Ukraine als Separatisten, kein Mensch würde ihnen eine Wohnung, geschweige denn Arbeit geben“, sagt Olga Fot. Die Russin, eine Spätaussiedlerin, lebt seit zwölf Jahren in Stralsund, hat in Greifswald studiert, ist unter anderem Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet als Sozialpädagogin bei der Stralsunder Innovations Consult (SIC). Sie hat vor zwei Jahren die Viva-Tanzgruppe beim SV Medizin gegründet. „Ich habe gemerkt, dass viele Kinder aus den verschiedensten Kriegsgebieten traumatisiert sind, und ich wollte etwas finden, mit dem sie das rauslassen und später verarbeiten können.“

Und so fanden nach und nach nicht nur die Ukrainer, sondern auch Mädchen und Jungen aus Armenien, Tschetschenien, Weißrussland, Griechenland und Russland zur Tanzgruppe. Mehrmals die Woche wird für die vielen Auftritte hart trainiert – unter Leitung der zweifachen Europameisterin im Show Dance, Julia Karpowcewa.

Die Rückendeckung für „Viva“ in der neuen Heimat ist groß. Oberbürgermeister, Sportvereine, Mittelstandsverein, Nachbarschaftszentrum, Kinderschutzbund, SIC oder Die Linke – viele zeigen Solidarität.

„Kinder müssen in einer Welt leben, in der sie Bewegungsdrang und Bewegungsfreude ausleben können und dürfen“, sagt Arndt Melms vom Verein Sport live und meint: „Bewegung hat eine Schlüsselfunktion in der Entwicklung. Wo Krieg ist, ist dies nicht möglich.“ Christine Peters von der Stadterneuerungsgesellschaft meint: „Wir wollen einen offenen Brief verfassen, den Kultur- und Sportschaffende unterschreiben. ,Viva’ gehört zu Stralsund, das konnte man auf vielen Bühnen sehen. Ein besseres Beispiel für Integration gibt es nicht.“

Ines Sommer

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