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Menschen ermutigen, mitzumachen

Landtagswahl am 4. September in Mecklenburg-Vorpommern: Die OZ stellt Direktkandidaten vor Menschen ermutigen, mitzumachen

Eine Frau und vier Männer treten im Wahlkreis 24 an, zu dem die Stralsunder Stadtgebiete Andershof und Devin, die Stadt Grimmen, die Gemeinde Süderholz sowie die Orte der Ämter Franzburg-Richtenberg und Miltzow gehören

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Frank Schenk (54) aus Katzenow möchte im Wahlkreis 24 für die AfD in den Landtag einziehen.

Quelle: privat

Müggenwalde. „Die beste Möglichkeit an der Politik etwas zu verändern ist, selbst Politik zu machen. Deshalb möchte ich in den Landtag“, sagt Rolf Martens, Grüner aus Müggenwalde. Und der 52-Jährige fordert: „Die Grünen müssen einen vom Lande im Landtag haben, denn die Energie kommt vom Land, und sie schafft auch Probleme auf dem Land.“

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Eine Frau und vier Männer treten im Wahlkreis 24 an, zu dem die Stralsunder Stadtgebiete Andershof und Devin, die Stadt Grimmen, die Gemeinde Süderholz sowie die Orte der Ämter Franzburg-Richtenberg und Miltzow gehören

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Ende der 90er-Jahre kam der Sozialpädagoge mit seiner Frau nach Hohenwieden ins SOS-Dorf. Sie wurden Hauseltern. Später arbeitete der zweifache Vater als Leiter der Werkstätten, in denen die betreuten Erwachsenen tätig sind. „Nach 16 Jahren in Hohenwieden suchte ich Veränderungen.“ Jetzt arbeitet er bei einem Stralsunder Bildungsträger, die Politik ist ein Ehrenamt. „Aber das möchte ich ändern“, plant er. „Ich habe richtig Bock auf den Landtag.“

Bereits seit 1992 ist Rolf Martens Mitglied der Partei Bündnis 90/Die Grünen. 2011 wurde er in den Kreistag gewählt, arbeitete dort als Fraktionsvorsitzender. Es sei spannend gewesen, den Großkreis mit aufzubauen. Und trotz der Kritik, die seine Fraktion stets an der Fusion geäußert hätte, habe er versucht, das Beste daraus zu machen. „Ich suche immer das Verbindende“, schätzt er sich selbst ein. „Wenn ich will, dass Leute mich unterstützen, muss ich sie einbeziehen.“ Etwa bei der Windkraft – die Energiewende ist Rolf Martens ebenso wichtig wie Bürgerbeteiligungen.

Dass sie notwendig sei, leuchte den meisten ein, aber keiner wolle Windräder vor der Tür. Da seien Interessenausgleiche notwendig. Auch die Kommune, müsse finanziell etwas davon haben. „Mein Ding ist auch das Thema Schülerbeförderung“, sagt er. Das sei kein rein „grünes“ Thema. Sich öffnen, Regelungen finden, die gerechter sind, sei das Ziel. „Darin sehe ich unsere Aufgabe als Politiker:

Menschen, die sich mit einem Thema beschäftigen, zu ermutigen und ihnen zu helfen“, sagt er. Es reiche nicht, alle paar Jahre ein Kreuz zu machen. Almut Jaekel

Glawe: Ich will gern Minister bleiben

Grimmen. Harry Glawe (CDU) ist gern Wirtschaftsminister und möchte diesen Posten behalten. „Am 4. September, spätestens 23 Uhr, sind wir schlauer“, sagt der gebürtige Greifswalder, der verheiratet ist und drei Kinder hat. „Ich wünsche mir, dass wir die erfolgreiche Arbeit der jetzigen großen Koalition fortsetzen können“, sagt er. Doch ihm sei bewusst, dass es nach der Wahl auch neue Farbkonstellationen in der künftigen Landesregierung geben könnte, erklärt der Diplomkrankenpfleger, der seit 1990 Mitglied der CDU ist.

Im Moment reist Glawe, der seit 2011 Wirtschaftsminister ist, fast täglich durchs Land. Oft, um Zuwendungsbescheide für Investitionen zu überreichen. Doch die Frage, ob er sich diese Aktionen speziell für den Wahlkampf aufgehoben habe, verneint er. Sein Ministerium habe die ganze Legislaturperiode über Förderungen ausgegeben, um Dinge voranzubringen. Unter anderem um die Infrastruktur in Grimmen zu verbessern, um am Pommerndreieck zu bauen oder in Stahlbrode einen Wasserwanderrastplatz zu realisieren. Und auch für das Unternehmen Bela in Wittenhagen kam Geld aus Schwerin, das in ein neues Kühlhaus investiert wurde.

Doch wenn der Grimmener von Erfolgen spricht, dann vor allem über die Senkung der Arbeitslosigkeit. Deren Quote sei in seiner Amtszeit halbiert worden, betont er.Besonders gefreut habe er sich vor allem darüber, dass auf der Stralsunder Volkswerft wieder produziert wird. Deren Insolvenz im August 2012 war ein „herber Einschnitt“.

Doch Harry Glawe ist nicht nur Wirtschaftsminister, sondern vor allem auch Kommunalpolitiker. So musste er in Grimmen jüngst die Stadt-CDU wieder auf Linie bringen, nachdem diese offen die Flüchtlingspolitik der Bundeskanzlerin moniert hatte. Und da kennt der CDU-Kreischef kein Pardon und lässt auf die erste Frau im Staat nichts kommen. „Sie ist eine Persönlichkeit, die Deutschland im In- und Ausland gut vertritt“, sagt er. Vor allem sei sie eine Person, die nicht jeden Tag ihre Meinung ändere.

„Oft reicht es schon, Dinge anzusprechen“

Armin Latendorf (Die Linke) ist Realist: „Meine Chancen, in den Landtag zu kommen, sind gering, um nicht zu sagen, bei Null“, sagt der gebürtige Schweriner. Denn um einen Platz im Parlament zu ergattern, müsste er nicht nur das Direktmandat gewinnen, sondern auch Wirtschaftsminister Harry Glawe in dessen Heimatstadt und CDU-Hochburg Grimmen schlagen.

Armin Latendorf hatte 2015 für das Bürgermeisteramt in Grimmen kandidiert und war dabei Amtsinhaber Benno Rüster mit 17.05 Prozent haushoch unterlegen. Doch der 50-Jährige kann mit Niederlagen umgehen, denn für ihn ist es wichtig, „dass wir als Partei präsent sind“. Er habe als Stadtvertreter oft die Erfahrung gemacht, dass es manchmal schon reiche, nur über etwas zu sprechen, von dem man weiß, dass es falsch ist. Und er nennt als Beispiel den Bau eines Einkaufscenters auf dem Gelände der ehemaligen Grimmener Konsum-Großbäckerei, der schließlich nicht umgesetzt wurde. „Dies hätte die komplette Innenstadt kaputt gemacht“, ist Latendorf überzeugt.

15 Zukunftsprojekte hat die Linke in ihrem Wahlprogramm zusammengestellt. Sie reichen von bezahlbarem Wohnraum über einen gut ausgebauten öffentlichen Personennahverkehr bis hin zu einer starken Wirtschaft und kostenfreien Kita-Plätzen für alle Eltern. „Klar, dass wir von diesen Zielen möglichst viele umsetzen wollen. Denn wir treten an, um die Lebensverhältnisse der Menschen zu verbessern“, sagt Armin Latendorf. „Unser Land trägt in zu vielen Bereichen noch die rote Laterne“, fügt der gelernte Vollmatrose an.

Gedanken macht er sich auch über die Alternative für Deutschland (AfD), hält aber nichts davon, diese Partei auszugrenzen. „Man muss sich mit ihnen auseinandersetzen.“ Manchmal sei das aber nicht so einfach, weil sie in jedem Bundesland anders auftrete und europa- und ausländerfeindlich sei. „Aber auch sie werden sich an ihren Taten messen lassen müssen“, umschreibt er sein Verhältnis zur neuen Partei. Reinhard Amler

Mehr auf das Volk hören

„Keiner in der Politik hört mehr auf das, was das Volk sagt, da ist doch was aus dem Ruder gelaufen. Ich möchte, dass das Wort des Bürgers wieder Gewicht hat“, sagt Frank Schenk. Der Mann aus Katzenow ist seit knapp einem Jahr in der Alternative für Deutschland (AfD) aktiv und kandidiert nun im Wahlkreis 24 für ein Landtagsmandat seiner Partei. „Alle reden von Demokratie, aber der Wille der Bevölkerung ist den Politikern doch ganz egal. Ich will, dass sich das ändert“, sagt der AfD-Mann.

„Mir ist Ehrlichkeit sehr wichtig, das fehlt mir in unserer Politik.“ Doch es gibt auch Dinge in der regionalen Politik, die ihn stören. „Ich nenne mal bloß ein Beispiel. Mich regt es total auf, dass keine deutsche Musik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gespielt wird, deshalb engagiere ich mich in der Bürgerinitiative für mehr Schlager. Es soll ja nun nicht nur Schlager zu hören sein, aber ein bisschen Helene Fischer darf schon sein“, findet der 54-Jährige.

Frank Schenk wurde 1961 in Berlin geboren, lebt seit 2010 in Vorpommern. „Wir haben einen wunderschönen Bauernhof in Katzenow. Dort leben wir mit den Tieren und zwischen Obst und Gemüse und fühlen uns wohl“, sagt der gelernte Einzelhandelskaufmann, der zurzeit als Briefzusteller arbeitet.

Und was macht Frank Schenk, wenn er entspannen will? „Dann heißt es: My Home is my Castle. Wir haben den Hof mit neun Schafen, zwei Hunden und zwei Katzen. Dazu jede Menge Obst- und Gemüsereihen.“

Erdbeeren, Brombeeren und Co. bräuchten schließlich gute Pflege. Bei Gartenarbeit kriege man den Kopf frei. „Meine Frau und ich machen das sehr gern, und wir wollen das so anbauen, dass es erstens nachhaltig ist, und zweitens können wir uns selbst versorgen. Da bin ich wie in der Politik konservativ, und ich stehe dazu.“

Besonders stolz ist der Katzenower auf seinen Boskop-Apfelbaum, der bestimmt schon 80 Jahre alt ist. „Es heißt, er ist so alt wie das Grundstück.“ Ines Sommer

Das wollen die Politiker erreichen

In der SPD ist Inge Höcker – auch. Ihr Herzblut gehört aber der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Der Wohlfahrtsverband, der 1919 von Marie Juchacz aus der SPD heraus gegründet worden ist. Insofern lebt Inge Höcker mit ihrem Engagement einen Wert, den Sozialdemokraten auch als ihr Herzblut bezeichnen würden.

Sie ist seit 20 Jahren Mitglied im AWO-Kreisvorstand. Zehn Jahre sind es im Landesvorstand. Als Treffpunkt für den OZ-Termin wählt Inge Höcker eine Tagespflegeeinrichtung aus, die von der AWO in einem früheren Forsthaus in Stralsund betrieben wird.

20 Menschen, die im Alter noch allein durch die Nacht kommen, aber den Alltag selbst nicht schaffen, haben hier Platz und einen herrlichen Blick über den Sund. Die Möbel sehen so aus, als würde man wohl direkt bei den Bewohnern zu Hause sitzen. Bisschen Schnörkel, etwas Goldrand. „Das haben wir extra so gemacht“, sagt Inge Höcker, während die Bewohner im Kreis sitzen und von einer Mitarbeiterin angeregt und beschäftigt werden. Das Engagement von Frau Höcker endet nicht an der Schwelle dieser oder einer anderen AWO-Einrichtung. Vier Pflegekinder hat sie zeitweise zu Hause großgezogen.

Inzwischen sind drei wieder aus dem Haus. Ein Mädchen, das zu ihnen kam als es sechs Monate war, lebt noch dort. 13 Jahre alt ist sie inzwischen.

Politisch wünscht sich die Juristin und Mediatorin clevere Konzepte für den ländlichen Raum. So sollte der Nahverkehr durch Rufbusse verstärkt werden. Und Schüler wieder kostengünstig mit einem Bus zur Schule kommen, auch wenn es keine staatliche ist. An dieser Stelle hat der CDU-geführte Landkreis sämtliche Zuschüsse an die Eltern quasi von einem Tag auf den anderen eingestellt.

Auch bei der Umsetzung der Gerichtsreform wäre aus ihrer Sicht mehr Kreativität nötig gewesen. „In Baden-Württemberg gibt es an kleinen Amtsgerichten einen Gerichtstag pro Woche, an dem der Richter kommt. „So kann man kleine Standorte erhalten“, sagt Inge Höcker. Benjamin Fischer

R. Amler

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