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Mit einer Portion Sturheit bis in den Bundestag

Direktkandidaten im Wahlkreis 15 vorgestellt: Michael Adomeit (parteilos) Mit einer Portion Sturheit bis in den Bundestag

Der Stralsunder will in Berlin dem kleinen Mann auf der Straße eine Stimme geben und baut auf aktivierte Nichtwähler.

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Kommunalpolitik vom Wohnzimmer aus. Michael Adomeit sitzt auf seinem Sofa und hat den Laptop vor sich aufgeklappt. Für ein eigenes Büro ist in der kleinen Dreiraumwohnung kein Platz.

Quelle: Jörg Mattern

Stralsund. Der Tisch in der kleinen Küche macht einen soliden Eindruck. „Das ist massives Holz“, sagt Michael Adomeit und klopft zum Beweis auf die Tischplatte. „Der stammt aus einer Kneipe in der Frankenstraße und ich hab‘ ihn für 20 DDR-Mark bekommen, bevor er weggeschmissen wurde.“

Auf diese Art und Weise hat er so manches Möbelstück bewahrt. Jugendstil- und Gründerzeit-Vertikos zieren die 48-Quadratmeter-Wohnung am Zuckerteich in Flur und Küche. „Die hab‘ ich alle selbst aufgearbeitet“, sagt er und schwärmt davon, wie man rissiges Furnier mit dem Bügeleisen glättet und mit Schellack und feinstem Schleifpapier wieder zum Glänzen bringt. „Da steckt viel Handarbeit drin“, sagt er stolz.

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Kommunalpolitik vom Wohnzimmer aus. Michael Adomeit sitzt auf seinem Sofa und hat den Laptop vor sich aufgeklappt. Für ein eigenes Büro ist in der kleinen Dreiraumwohnung kein Platz.

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Handarbeit liegt dem 56-Jährigen. Elektriker hat er auf der Volkswerft gelernt. „Im ersten Lehrjahr haben wir nur gefeilt und gesägt. Zumindest hat das dazu geführt, dass ich bis heute fast alles selbst machen kann.“ Beim Thema Werft kommt Adomeit ins Schwärmen. Es ist sein Thema geblieben, auch als er 1991 in der ersten Entlassungswelle nach 17 Jahren „gegangen wurde“, wie er es nennt. „Wir haben viel gearbeitet, aber auch viel gelacht“, sagt Michael Adomeit. Das schweißt zusammen. Mit den Kollegen von einst trifft er sich regelmäßig freitags, 11.30 Uhr, zum Klönsnack bei Bäcker Zacher. Unter anderem dort bekommt er den Zündstoff für so manche Anfrage in der Bürgerschaft.

Seit 1999 ist er Mitglied des Stralsunder Stadtparlaments. Damals zog er als Einzelkandidat ein. In die Kommunalpolitik zu gehen sei eine spontane Idee gewesen, erinnert er sich. „Ich wollte nicht nur meckern, sondern etwas verändern.“ Doch zunächst galt es, Hürden zu überwinden. „Ich musste erst Unterschriften sammeln, bevor ich auf die Wahlliste kam“, erzählt er. „Mich kannte ja keiner.“

Das hat sich geändert. Zwei Abwahlanträge gegen den damaligen Oberbürgermeister Harald Lastovka (CDU) und Anfragen, die so manches Bürgerschaftsmitglied, mit den Augen rollen ließen, sorgten dafür, dass mit dem Namen Adomeit bald die meisten Stralsunder etwas anfangen konnten.

„Klar bin ich zuerst etwas blauäugig rangegangen“ schätzt er selber ein. Dafür hat er es denn auch ausgehalten, wenn er bei Fehlern mitunter öffentlich vorgeführt wurde. Dann half oft nur noch sein Credo: „Wenn man etwas erreichen will, muss man stur sein können.“ Doch nicht nur das. Adomeit fing an, sich in Gesetzestexte und Verwaltungsvorschriften zu vertiefen, denn er wollte sein Ziel nicht aus den Augen verlieren: „Dem kleinen Mann auf der Straße eine Stimme geben in der Politik.“

Seine Sturheit zahlte sich aus. Adomeit wurde dreimal in die Bürgerschaft gewählt. Nach dem Zwischenschritt Wählergruppe Adomeit mit zwei Sitzen, gibt es heute die gleichnamige Fraktion im Stadtparlament. Zwei ehemalige Abgeordnete aus der CDU-Fraktion und einer von der Linksfraktion fanden in der Wählergruppe eine neue politische Heimat.

Das hat den oft eingefahren wirkenden Politikbetrieb in der Bürgerschaft kräftig durcheinander gewirbelt. „In den etablierten Parteien ist vieles festgefahren“, sagt Adomeit und bedauert, dass häufig durch parteipolitisches Rollenverhalten gute Vorschläge auf der Strecke bleiben. So spielt die Wählergruppe bei Abstimmungen gerne das Zünglein an der Waage. „Spätestens dann wird deutlich, dass ein kleines Licht ohne Parteibindung etwas bewegen kann.“

Mit viel Selbstbewusstsein kämpft Michael Adomeit nun zum dritten Mal um einen Platz im Bundestag. So mancher seiner Wähler habe gesagt: Wenn du es schaffst, dann kenne ich da wenigstens mal einen im Berliner Politikbetrieb. Adomeit selbst gibt sich schmunzelnd optimistisch: „Wenn alle bisherigen Nichtwähler bei mir ein Kreuz machen, bin ich drin.“

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Die Karriere
Michael Adomeit wurde am 14. Juni 1957 in Stralsund geboren. Er ist geschieden, lebt alleine, mit Shaka, seinem 13 Jahre alten Hund, einem Rhodesian Ridgeback.


Auf der Volkswerft begann er 1974 eine Elektriker-Lehre und qualifizierte sich 1987 zum Elektromeister.


1991 war Adomeit mit Hunderten Werftarbeitern von den ersten Entlassungen betroffen. Bis 1996 fand er Arbeit als Elektriker in der Aufbau- und Bildungsgesellschaft.


Mit der Umschulung zum Kaufmann für Wohnungswirtschaft (1999-2001) wollte Michael Adomeit beruflich noch einmal neue Wege beschreiten. Heute lebt er von einer EU-Rente.


Mit dem Einzug in die Bürgerschaft als parteiloser Einzelkandidat begann 1999 die kommunalpolitische Karriere. Bislang schenkten ihm die Stralsunder Wähler dreimal das Vertrauen.

Zum Wahlkreis 15 gehören der Landkreis Vorpommern-Rügen, die Stadt Greifswald und das Amt Landhagen (beides Landkreis Vorpommern-Greifswald).

Als Direktkandidaten im Wahlkreis 15 treten neben Gino Leonhard noch Kerstin Kassner (Die Linke, OZ vom 1. August), Claudia Müller (Bündnis 90/Die Grünen, OZ vom 8. August), Sonja Steffen (SPD, OZ vom 15. August), Angela Merkel (CDU), Susanne Wiest (Piraten), Michael Adomeit (parteilos), Jürgen Dettmann (Freie Wähler) und Michael Andrejewski (NPD) an.

VIER FRAGEN AN...

1. Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?

„Blinkzeichen am Rügendamm“ von Hans-Jürgen Meyer. Der ehemalige Offizier wird oft auch als Retter von Rügen bezeichnet. Er beschreibt im Buch die letzten Tage des Krieges in und um Stralsund und die Verhandlungen zur kampflosen Übergabe der Insel an die Rote Armee. Ich interessiere mich sehr für historische Themen.

2. Was kommt bei Ihnen am Sonntag auf den Mittagstisch?

Nichts, was stundenlang brutzeln muss. Kartoffeln aus dem Garten, gerne auch gebraten. Am liebsten mische ich noch Tomaten aus eigener Ernte darunter. Dazu einen Gurkensalat mit sauerer Sahne — lecker. Bei mir kommt wenig Fleisch auf den Tisch.

3. Welche drei Politiker würden Sie mit auf eine Insel nehmen?

Das kann ich kurz beantworten: Gar keinen. Selbst Gregor Gysi von der Linkspartei ist mir inzwischen viel zu sehr ans System angepasst.

4. Wovon träumen Sie?
Von einer Demokratie im Sinne des Wortes: Volksherrschaft.

 

 

Jörg Mattern

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