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Politik Pegida-Ableger veröffentlicht gefälschten Landrats-Brief
Vorpommern Stralsund Politik Pegida-Ableger veröffentlicht gefälschten Landrats-Brief
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06:20 08.01.2015
Auszug aus dem offenbar gefälschten Brief des Landrats, der auf der Facebook-Seite von Mvgida veröffentlicht worden ist. Quelle: Screenshot/oz
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Stralsund

Der Stralsunder Ableger der Pegida-Bewegung „Mvgida“ hat auf seiner Facebook-Seite einen offenbar gefälschten Landrats-Brief veröffentlicht. In dem Schreiben fordert Vorpommern-Rügens Landrat Ralf Drescher (CDU) die Mitarbeiter des Jobcenters auf, sich nicht an einer Pegida-Demo zu beteiligen. Durch das verwendete Wappen, die Anschrift und den Ton der vermeintlichen Ansprache Dreschers, macht das Schreiben auf den ersten Blick einen offiziellen Eindruck. Mvgida orakelt dazu auf Facebook: „Wird hier seitens des Landrates Druck gegen Mitarbeiter und sogar deren Familien ausgeübt? Wir meinen, dass hier die Position des Landrates für einseitige politische Zwecke missbraucht wird.“

Kreissprecher Olaf Manzke stellt jedoch klar: „Das ist eine plumpe Fälschung. Wir benutzen für internen Schriftverkehr keinen derartigen Briefbogen.“ Zu erkennen sei die Fälschung unter anderem daran, dass sie keine Unterschrift hat. Stattdessen steht am Ende: „Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.“ Ein Satz, der sonst bei automatisierten Bußgeldschreiben üblich ist und nicht bei persönlichen Mitteilungen des Landrats. Der Landkreis will nun Anzeige bei der Polizei gegen die Urheber des Schreibens stellen.

Landrat Ralf Drescher (CDU) zeigte sich erschüttert. „Ich bin fassungslos, dass so etwas unter meinem Namen im Internet kursiert. Ich würde nie versuchen, unsere Mitarbeiter in ihrer politischen Einstellung zu beeinflussen“, sagte er.

Wer die Urheber des Schreibens sind und was sie damit bezwecken, ist noch unklar. Im Internet hat der Brief jedenfalls bereits heftige Reaktionen bei denjenigen ausgelöst, die ihn für echt halten. Ein Nutzer schreibt auf der Seite von Mvgida: „Das ist nur eine Republik der Strolche. Damit zeigt die BRD ihr wahres Gesicht, sie scheißen auf die Demokratie.“

„Mvgida“ ist eine Abwandlung der Abkürzung Pegida, die für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ steht. Diese Bewegung veranstaltet mit lokalen Ablegern seit Wochen bundesweit Protestmärsche, zuletzt mobilisierte sie 17 500 Menschen in Dresden. Deren Wut richtet sich nicht nur gegen die vermeintliche Islamisierung Deutschlands, sondern auch gegen Asylbewerber, gegen die Russland-Politik und gegen die Medien. 

Am nächsten Montag sollen Demos in Stralsund und Schwerin stattfinden.

Update: Wenige Minuten nach Erscheinen dieses Artikels wurde der Post auf der Facebook-Seite von Mvgida gelöscht.



Alexander Müller

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