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Prora: Vereine wollen keine Miete zahlen

Prora Prora: Vereine wollen keine Miete zahlen

Der Landkreis Vorpommern-Rügen bereitet zurzeit seinen größten Immobiliendeal vor: den Verkauf von Block V in Prora. Die Interessenlage ist kompliziert.

Prora. Im Zuge der Vorbereitungen für einen Verkauf von Block V des früheren Kraft-durch-Freude-Komplexes (KdF) in Prora durch den Landkreis Vorpommern-Rügen wird deutlich, dass hierfür offenbar ein Investor gesucht wird, der erst noch geboren werden müsste. Zugespitzt formuliert, sollte er mehrere Hundert Millionen Euro für den Kauf und die Sanierung des Objektes zur Verfügung haben und die historische Verantwortung für diese große architektonische Hinterlassenschaft der Nazis nicht nur bedenken, sondern über alle anderen Ideen für eine spätere Nutzung stellen.

Auch über sein Interesse, die dafür ausgegebenen Millionen plus einen Gewinn später wieder hereinzuholen.

„Aber so funktioniert ja die Wirtschaft nicht“, grenzt Vize-Landrat Manfred Gerth (SPD) ein, während Susanna Misgajski einer Runde von Kommunalpolitikern des Landkreises ihre Vorstellungen diktiert.

Die bekommen den Eindruck, dass hier historische Sensibilität und blanker Kapitalismus ungebremst aufeinanderprallen könnten, wenn niemand die Zügel hält.

Genau diese Aufgabe haben sie nun aber, die Mitglieder des Sonderausschusses des Kreistages, der den Verkauf des riesigen Klotzes mit vorbereiten soll. Am Dienstag kam das Gremium in Prora zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Es hat allerdings lediglich eine beratende Funktion für den Kreistag, der am Ende eine Entscheidung darüber treffen muss, welcher der ernsthaften Interessenten den Zuschlag erhält. Bisher ist von etwa einer Handvoll die Rede.

Susanna Misgajski ist die Geschäftsführerin des Prora-Zentrums, einem von zwei Bildungsvereinen, die die Erinnerung an die Bedeutung Proras für die Nazis und die spätere Funktion des KdF-Bades zu DDR-Zeiten wachhalten.

Noch liegen die Bedingungen für den Kauf des in Beton gegossenen Gigantismus’ nicht in Form einer konkreten Verkaufsausschreibung vor, aber wenn alle Interessen berücksichtigt werden sollen, wäre die Liste sehr lang. Nach Angaben des Landkreises seien sich bislang fast alle Beteiligten einig, dass der Käufer des Blockes die beiden Bildungseinrichtungen, neben dem Pora-Zentrum existiert noch das Dokumentationszentrum Prora, nach der Sanierung darin unterbringen muss. Nur über das Wie gehen die Meinungen auseinander. Zumal ein möglicher Investor große Gegenleistungen finanzieller Art nicht erwarten darf. „Wir können keine Kaltmiete zahlen“, sagt Susanna Misgajski. Beide Vereine, die sich perspektivisch zu einer gemeinsamen Prora-Einrichtung zusammenschließen sollen, hätten nur Geld für die Betriebskosten und um eine kleine Rücklage für Reparaturarbeiten anzusparen. Das unterstreicht auch Katja Lucke, die Leiterin des Dokumentationszentrums. Keine andere Einrichtung dieser Art zahle eine kostendeckende Miete, ergänzt Misgajski.

Im Gegensatz zu den Zahlungsmöglichkeiten sind die Wünsche, die Susanna Misgajski und Katja Lucke dem Sonderausschuss während der nächsten Sitzung Anfang November präsentieren wollen, üppig. Zur Unterbringung ihrer Projekte und Ausstellungen sollte ihren Plänen zufolge einer der insgesamt sieben Aufgänge reserviert werden. Rund 2000 Quadratmeter, verteilt auf sechs Geschosse, wären das.

Susanna Misgajski spricht trotzdem von einer „dann nur konzentrierten Form der Ausstellung“. Laut den Plänen sind beispielsweise auf jeder Etage sehr großzügige Toilettenbereiche vorgesehen. „Wir sind hier keine kleine Touristeninformation“, untermauert Katja Lucke die Ansprüche, die aus ihrer Sicht Teil der Verkaufsverhandlungen sein müssten. Der Landkreis prüft derzeit , ob ein Käufer aus der Privatwirtschaft für die Sanierung der Vereinsfläche Fördergeld bekommen kann. Einer entsprechenden Machbarkeitsstudie zufolge würde die Miete für die 2000 Quadratmeter, sollte es keine Fördermittel geben, 20000 Euro pro Monat betragen.

Wünschenswert für alle Beteiligten wäre ein „symbiotischer Charakter“, wie Bürgermeister Karsten Schneider es nennt. Demnach würde der Block V die bereits 2011 eröffnete Jugendherberge, die Vereinseinrichtung zur historischen Bedeutung Proras und luxuriöse Wohnungen, die nicht als Ferienwohnungen vermietet werden sollen, beherbergen.

Die Investitionen, die der fünfte KdF-Block verschlingen wird, dürften nach Schätzungen von Schneider eine halbe Milliarde Euro betragen. Beim Verkauf der übrigen Blöcke sei seine Gemeinde in der Vergangenheit oft ziemlich allein gelassen worden. Schneider: „Da sitzt man dann mit dem Bauamt millionenschweren Investoren gegenüber.“ Das habe manchmal die Kräfte der Gemeindeverwaltung überfordert.

Benjamin Fischer

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