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Politik Universal-Ticket für Schüler ohne echte Chance
Vorpommern Stralsund Politik Universal-Ticket für Schüler ohne echte Chance
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00:01 29.04.2016
Schüler stehen nach Unterrichtsschluss an der Bushaltestelle Wasserstraße in Stralsund. Quelle: Jens-Peter Woldt

Ein günstiges UniversalTicket für Schüler im Landkreis Vorpommern-Rügen wird es voraussichtlich nicht geben. Kreisverwaltung und Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen (VVR) wiesen den Vorschlag am Mittwochabend während der Sitzung des Kreistagsausschusses für Bildung, Kultur und Sport als nicht finanzierbar bzw. rechtlich nicht machbar zurück.

Ins Gespräch gebracht worden war das Ticket in der Debatte um die geplante Abschaffung der Fahrgeldzuschüsse für rund 1700 Schüler im Landkreis Vorpommern-Rügen. Betroffen sind von September 2016 an jene Mädchen und Jungen, die eine andere als die so genannte örtlich zuständige Schule besuchen. Sie gehen zumeist auf eine private Schule oder besuchen zum Beispiel ein Gymnasium in Stralsund, wohnen aber im Umland der Hansestadt und müssten eigentlich nach Bergen, Grimmen oder Barth. Ihre Eltern sollen künftig das Ticket für den Schulbus alleine bezahlen.

Das Universal-Ticket hatten Eltern Anfang April gefordert. Finanziert werden könnte es nach Vorstellung der Eltern zum Beispiel, indem der Landkreis für jeden Schüler einen Zuschuss in gleicher Höhe bezahlt, den Rest würden die Eltern begleichen. Das Bonbon, das den Eltern ihren finanziellen Zuschuss versüßen würde: Die Schüler können das Ticket auch in der Freizeit nutzen, zum Beispiel, um am Nachmittag zum Training von Niepars nach Stralsund, zur Musikschule von Tribsees nach Grimmen oder zur Arbeitsgemeinschaft von Zirkow nach Bergen beziehungsweise Sassnitz zu fahren.

Nach Ansicht von VVR-Geschäftsführer Hubertus Wegener ist die Finanzierung so eines Tickets rechtlich fragwürdig. „Das Modell verstößt gegen den Grundsatz der Gleichbehandlung aller Fahrgäste“, sagte er während der Ausschusssitzung. Eltern von Schülern, die einen rechtlichen Anspruch auf volle Erstattung der Kosten für den Schulweg hätten, würden plötzlich nicht mehr die komplette Summe erhalten. Andere, die vielleicht nur sechs Kilometer bis zur Schule fahren, bekämen wesentlich mehr — ganz abgesehen von jenen Mädchen und Jungen aus Ribnitz, Stralsund, Grimmen oder Bergen, die so dicht an ihrer Schule wohnen, dass sie keinen Zuschuss erhalten. Sie von einem Universal-Ticket auszuschließen, würde sie aber schlechter stellen. Sie hätten dann ja auch nicht die Chance, so ein Ticket für die Freizeit zu nutzen. Unterstützung erhielt Wegener in seiner Argumentation von Gerlind Ockert von der Schulverwaltung des Landkreises.

Vor allem Wenke Brüdgam-Pick (Die Linke) und Maik Hofmann (Bürger für Stralsund) hakten während der Debatte immer wieder nach und suchten nach Lösungen, um doch noch zu erreichen, dass künftig alle Schüler die Chance haben, Zuschüsse für die Fahrt zur Schule zu erhalten. Letztlich stellte Hofmann mit Unterstützung von Kai Danter (Grüne) einen Antrag, dass die Verwaltung noch einmal prüfen soll, ob es ein Ticket für Kinder und Jugendliche geben kann, das die Nutzung der Linienbusse im Kreis zu einem um 50 Prozent reduzierten Preis ermöglicht.

14 Euro zusätzlich für den Freizeitbus

Ein Freizeitbusticket für Schüler gibt es seit einigen Jahren auf Rügen.

Es kostet im Monat 14 Euro, gilt aber erst nachmittags ab 16 Uhr. Genutzt wird es in erster Linie an der relativ dicht besiedelten Ostküste der Insel.

Die Gültigkeit auf den ganzen Nachmittag auszudehnen, wäre allerdings für den Nahverkehrsbetrieb mit erheblichen Verlusten verbunden.

Schüler, die morgens von den Eltern im Auto zur Schule gebracht werden, könnten dann nach Unterrichtsschluss mit dem 14-Euro-Ticket nach Hause fahren und benötigten kein Schülerticket. Das kostet — finanziert vom Landkreis — aber vielleicht 50 Euro im Monat. Das Geld würde der VVR verloren gehen.

Im Territorium Nordvorpommern könnte das nach 16 Uhr geltende 14-Euro-Ticket ebenfalls eingeführt werden. Ob es so spät am Nachmittag sinnvoll wäre, müsste sich aber erst noch zeigen. Für Stralsund ist es nach Ansicht der VVR grundsätzlich keine Option, weil es das bestehende Tarifgefüge in der Stadt unterlaufen und zu erheblichen Verlusten führen würde.

Von Jens-Peter Woldt

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