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Politik Vorpommern schickt die meisten Politiker nach Berlin
Vorpommern Stralsund Politik Vorpommern schickt die meisten Politiker nach Berlin
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00:01 26.09.2017
Sonja Steffen (SPD) hat den Einzug in den Bundestag erneut geschafft. Der Stralsunder Grünen-Politiker Jürgen Suhr freut sich darüber, dass auch seine Parteikollegin Claudia Müller als eine von vier Frauen Vorpommern in Berlin vertreten wird. Quelle: Foto: Christian Rödel

Kein Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern schickt mehr Abgeordnete in den Bundestag als der mit der Nummer 15 – der Kanzlerin-Wahlkreis, wie er oft kurz genannt wird.

Neben Regierungschefin Angela Merkel, die ihr Direktmandat erneut verteidigt hat, werden drei weitere Frauen und ein Mann die Region im Bundestag vertreten. Sie schaffen den Sprung in den Bundestag auf Grund der guten Platzierung auf den jeweiligen Landeslisten ihrer Parteien. Zusammengenommen stellen Vorpommern-Rügen, Stralsund und Greifswald somit zwei Abgeordnete mehr als bislang. Neu für die Region im Parlament sitzen Claudia Müller von den Grünen und der AfD-Politiker Leif-Erik Holm.

Die Stralsunder Rechtsanwältin Sonja Steffen (SPD) tritt ihre dritte Legislaturperiode in Berlin an, für Kerstin Kassner von der Linken ist es die zweite. Sie hatte am Wahlabend selbst zunächst nur wenig Hoffnung, den Einzug noch einmal zu schaffen. Gestern Morgen dann die Nachricht: Es reicht doch.

Kassner bekommt ein Ausgleichsmandat. Diese werden zusätzlich vergeben, weil die CDU bei der Bundestagswahl mehr Direktmandate (darüber wird mit der Erststimme entschieden) errungen hat, als ihr laut dem Parteienergebnis zustehen würden. Um das mit der Zweitstimme von den Wählern bestimmte Kräfteverhältnis im Bundestag zu wahren, erhalten die anderen Parteien Ausgleichsmandate. Diese Regelung gilt seit 2013. Davon hat Kassner profitiert.

Dass dies gewissermaßen ein Sonderfall ist, demonstriert der Wahlkreis 15 ein Stück weit selbst. In allen anderen Wahlkreisen in Mecklenburg-Vorpommern sind sich Erst- und Zweitstimmenergebnis so wie üblich relativ ähnlich. Hier sicherte sich Angela Merkel indes 44 Prozent der Erststimmen, obwohl die CDU nur gut 33 Prozent der Zweitstimmen für sich gewinnen konnte, was ziemlich genau dem Bundesergebnis der Union entspricht. Dieser Merkel-Effekt mag mit der Popularität der Kanzlerin zu tun haben, was dazu geführt hat, dass in Vorpommern-Rügen, Stralsund und Greifswald besonders viele Wähler ihre Stimmen gesplittet haben. Ein Teil der Anhänger anderer Parteien konnte sich der Prominenz der Kanzlerin nicht erwehren und hat sie gegenüber den eigenen Kandidaten vorgezogen. Mit der Zweistimme haben diese eigentlich Nicht-CDU-Wähler aber für ihre Stammpartei votiert. Entsprechend mager sind die Erststimmen-Ergebnisse von Merkels Konkurrenten. Sie reichen von 19,2 Prozent (Holm) über 15,9 Prozent für Kassner bis zu Steffen (11,6 Prozent) und Müller (3 Prozent). Besonders viele Grünen- und FDP-Wähler haben Merkel anstatt den Kandidaten ihrer Partei gewählt.

Holm kündigte gestern an, in Stralsund ein Bürgerbüro zu eröffnen. Mit der Suche nach geeigneten Räumen werde er demnächst beginnen. Der frühere Radiomoderator ist bislang Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag. Sein Ziel, Merkel „zurück in die Uckermark zu schicken“, hat er verfehlt. Warum? „Offenbar hat der Amtsbonus gezogen“, sagte Holm. Er sei in einem schwierigen Umfeld angetreten, aber mit dem Gesamtergebnis seiner Partei sehr zufrieden.

Seiten 12/13: alle Ergebnisse im Detail

Merkels Mittelmaß

44 Prozent der Wähler im Wahlkreis 15 haben Angela Merkel als Bundestagsabgeordnete für Stralsund, Greifswald und Vorpommern-Rügen direkt gewählt. Dieser Wert liegt zwölf Prozent unter dem von 2013, ist aber nicht der schlechteste, den Merkel in ihrem Wahlkreis, den sie seit 1990 im Bundestag vertritt, erzielt hat. Der Tiefpunkt war die Wahl 1998, als die 63-Jährige auf 37,3 Prozent der Stimmen kam. Sie hat den Wahlkreis am Sonntag zum achten Mal gewonnen. Im Durchschnitt aller acht Wahlen beträgt ihr Ergebnis 45,9 Prozent.

Benjamin Fischer

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