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Vorpommern wählt Merkel

Stralsund/Greifswald Vorpommern wählt Merkel

In Stralsund und Greifswald feiern die Parteien ihre Ergebnisse oder sprechen sich Mut zu. Dem AfD-Mann Holm gelingt es nicht, der Kanzlerin das Direktmandat zu nehmen. Merkel holt in ihrer politischen Heimat 44 Prozent der Erststimmen.

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Angela Merkel hat ihr Direktmandat im Wahlkreis 15 erneut verteidigt. 44 Prozent der Vorpommern, die an der Wahl teilgenommen haben, stimmten dafür, dass die Kanzlerin die Interessen der Region erneut als direkt gewählte Abgeordnete in Berlin vertritt.

Quelle: Boris Roessler/dpa

Stralsund/Greifswald. Hier bliwwt allens bin Ollen: Angela Merkel hat ihr Direktmandat im Wahlkreis 15 erneut verteidigt. 44 Prozent der Vorpommern, die an der Wahl teilgenommen haben, stimmten dafür, dass die Kanzlerin die Interessen der Region erneut als direkt gewählte Abgeordnete in Berlin vertritt. Im Vergleich zum Bundesergebnis von nur 33 Prozent ist das noch herausragend.

Dennoch: Betretene Mienen, fassungsloses Schweigen am Wahlabend bei der CDU von Vorpommern-Rügen und Stralsund. Das im Vergleich noch relativ gute Ergebnis der Kanzlerin in ihrem Wahlkreis ist Nebensache. „Jetzt wartet ein hartes Stück Arbeit auf uns. Wir müssen das Vertrauen der Wähler zurückgewinnen“, versucht Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow nach vorn zu schauen. „Wir müssen die Politik wieder verständlicher und bürgernaher machen. Nur so können wir dem entgegenwirken“, versucht die Stralsunder Landtagsabgeordnete Ann Christin von Allwörden auf die Schnelle ein Patentrezept gegen die AfD zu entwerfen.

Zu Merkels Wahlkreis gehören die Hansestädte Stralsund und Greifswald sowie der Landkreis Vorpommern-Rügen und das Amt Landhagen am Stadtrand von Greifswald. Sie hat den Wahlkreis seit 1990 stets gewonnen. Ihr bestes Ergebnis erreichte sie bei der Bundestagswahl im Jahr 2013. Damals sprachen 56,2 Prozent der Wähler in Vorpommern der Kanzlerin ihr Vertrauen aus. Das schlechteste Ergebnis kassierte die heute 63-Jährige 1998 (37,3 Prozent). Dass Merkel ihr Direktmandat gegen den AfD-Mann Leif-Erik Holm (19,6 Prozent) verteidigt, sei für Vorpommern „enorm wichtig und ich bin dankbar dafür. Sie hat uns als Region vorangebracht“, so Badrow.

Nachdem am Abend fast alle Wahlbezirke in Vorpommern-Rügen und Greifswald ausgezählt sind, deutet sich an, dass die Region neben Holm auch künftig weiter von einem Frauen-Dreier vertreten sein wird: Angela Merkel (CDU), Sonja Steffen (SPD) und Claudia Müller (Grüne). Vielleicht sogar von einem Vierer: Kerstin Kassner (Linke) hat aber zu später Stunde kaum Hoffnung. Holm gelingt der Einzug über die Landesliste der AfD, auf der er auf Platz 1 steht. Aber sehen lässt er sich an diesem Abend in der Region nicht.

Die Vorpommern-SPD versucht, ihre Wahlparty in der Stralsunder Altstadt mit Currywurst und Bier irgendwie über die Runden zu kriegen. Stille um 18 Uhr, als es die erste offizielle Prognose gibt. Noch nicht, als die Genossen ihr Ergebnis über den Bildschirm laufen sehen. Damit hatten sie irgendwie gerechnet. Aber als das der AfD erscheint, ist es mucksmäuschenstill. Nur das heiß brutzelnde Fett der Currywurstpfanne stört diesen Moment.

Zwar hat Sonja Steffen zum dritten Mal in Folge den Sprung in den Bundestag geschafft, allerdings hatte sie sich ein deutlich besseres Ergebnis für die SPD insgesamt erhofft. „Es ist vollkommen richtig, dass wir jetzt in die Opposition gehen. Was denn sonst?“, sagte sie. Steffen kann trotz ihres mageren Erststimmenergebnisses im Wahlkreis von nur knapp zwölf Prozent in Berlin bleiben, weil die SPD sie zu ihrer Spitzenkandidatin auf dem ersten Listenplatz gewählt hat. Dafür reicht das Ergebnis insgesamt gerade noch so.

Auch die Freude bei Vorpommern-Rügens Linken hielt sich am Abend in Grenzen. Der Applaus für die leichte Steigerung der Stimmenanteile insgesamt wurde getrübt vom Bangen um den Verbleib der Direktkandidatin Kerstin Kassner im Bundestag. „Dass wir uns leicht steigern konnten, ist schon eine riesige Leistung“, sagt die 59-Jährige in einem ehemaligen Stralsunder Jugendclub, den die Linke für den Abend gemietet hat. Weil jetzt sieben statt bisher fünf Parteien im Deutschen Bundestag vertreten sind, erhält die Linke dort absolut weniger Sitze. Kassner war 2013 über Platz drei der Landesliste in den Bundestag eingezogen. Auch in diesem Jahr kandidierte sie auf dem dritten Landeslistenplatz, angesichts der zu starken Gegenkandidatin in ihrem Wahlkreis, Angela Merkel (CDU), die einzige Möglichkeit für Kassner auf Berlin. Für das Abschneiden der AfD sieht Kassner eine Mitschuld bei den beiden großen Parteien: „Die CDU und die SPD haben die Probleme der Bürger nicht aufgenommen und damit dazu beigetragen, dass die Wähler eine sogenannte Alternative gewählt haben.“

Die Grünen feiern an mehreren Orten im Wahlkreis: In Stralsund in direkter Nachbarschaft mit der SPD, in einer Greifswalder Brasserie Tür an Tür mit der FDP. „Das gemeinsame Feiern ist ein guter Vorbote für die Koalitionsverhandlungen“, sagt FDP-Direktkandidat Patrick Meinhardt. Die Freude ist groß über das Abschneiden der FDP. Er sei aber erstaunt, „dass die SPD so schnell Fahnenflucht begeht“.Bei der SPD in Stralsund sorgt der Gang in die Opposition derweil für Erleichterung. Nur ein Parteimitglied kommentiert die überraschend schnelle Entscheidung mit einem F...-Wort. Die Mehrheit der Genossen stößt in Stralsund bierselig mit den Grünen an: „Jetzt seid ihr dran“, ruft eine Stralsunder SPD-Stadtvertreterin dabei herüber auf die andere Seite.

B. Fischer, M. Weber, K. Degrassi, R. Niemeyer

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