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Presseverband: OB-Interview verstößt gegen alle Regeln

Stralsund Presseverband: OB-Interview verstößt gegen alle Regeln

Großes Echo auf inszeniertes Gespräch/ Stadtverwaltung verteidigt Vorgehensweise

Stralsund. Der Deutsche Journalistenverband (DJV) hat das inszenierte Interview zwischen Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) und dem Fernsehen am Strelasund (FAS) scharf kritisiert. „Sich die Fragen von den Mitarbeitern des OB vorgeben zu lassen, verstößt gegen alle Regeln des journalistischen Handwerks“, sagte der Berliner DJV-Sprecher Hendrik Zörner gestern.

„Professionelle Journalisten arbeiten nicht so. Und auch wenn eine Autorisierung des Interviews vereinbart ist, geht es nur um die Antworten, nicht aber um die Fragen der Journalisten“, stellt Zörner klar. Deshalb sei das Interview eher ein Werbespot als ein journalistischer Beitrag.

OB Badrow (CDU) steht in der Kritik, weil er dem FAS ein Interview gegeben hat, bei dem offenbar sowohl die Fragen als auch die Antworten von vornherein feststanden. Darüber hatten gestern Medien bundesweit berichtet.

Die Pressestelle des Rathauses schreibt auf OZ-Anfrage, dass es sich weniger um ein typisches Interview, als um eine Neujahrsansprache an die Bürger gehandelt habe, in dem der OB einen Jahresrück- und -ausblick gibt. „Es ist im Bereich der Medien- und Pressearbeit üblich, dass für solche thematisch umfangreichen und geplanten Sendeformate die örtliche Situation und Inhalte vorbesprochen werden — anders als bei spontanen Interviewsituationen anlässlich aktueller Themen“, so Pressesprecher Peter Koslik. Das Interview sei lediglich als Stilmittel gewählt worden, um die Ansprache aufzulockern.Vorgaben seien dem Stralsunder Sender vom Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Hansestadt nicht gemacht worden. Es habe aber wohl vorbereitende Gespräche gegeben, in denen Aufbau, Fragen, Überleitungen und Inhalte entwickelt wurden.

Das ist auch für den Geschäftsführer des lokalen Fernsehsenders, Heinz Merkel, übliche Praxis. „Wir machen das seit Jahren so. Die Fragen werden hingeschickt, der andere guckt sich die an.“ Auf die gleiche Weise habe man auch den Bürgermeister von Wolgast interviewt.

Thomas Lewing, CDU-Stadtverbandsvorsitzender, nimmt den Oberbürgermeister in Schutz. Er könne die ganze Aufregung nicht verstehen. „Ich weiß nicht, was daran skandalös sein soll.“ Seiner Meinung nach würde nur etwas gesucht, um Badrow bewusst schaden zu können.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Sonja Steffen hingegen findet das „Werbefernsehen“ für den Oberbürgermeister „einfach peinlich. Die freie Presse ist ein hohes Gut für unser Land und natürlich auch für Stralsund. Freie Presse heißt, dass Journalisten bohren, nachfragen, kritisch berichten. Und vor allem eins sind: unabhängig“. Diese Einschätzung teilt auch die linke Bundestagsabgeordnete Kerstin Kassner: „So etwas haben weder der OB noch das Fernsehen am Strelasund nötig“, meint die Politikerin. „So fördert man Politikverdrossenheit.“ Bürgerschaftsmitglied Michael Adomeit ist nicht überrascht. „Das wissen doch alle, dass das so läuft.“ Was ihn dabei am meisten ärgert: „Auch die Guten, die ehrlichen Politiker werden in einen Topf geworfen und diskreditiert.“

Nach Ansicht von Jürgen Suhr (Grüne) macht der Vorgang deutlich, wie wichtig unabhängige Medien als „unverzichtbarer Teil unserer Demokratie“ sind.

(Ein) Übung macht den (Oberbürger) Meister

Das Interview war eingeübt.

Die Antworten die Fragen.

Das nichts ein Wässerchen betrübt

Von dem was beide sagen.

Sie fragte ihn. Er tat spontan

Wie aus der hohlen Hand.

Alles lief geschickt nach Plan

Genauso wies im Drehbuch stand.

Betulich ließ sich in der Nähe

Alles hübsch durchwandern.

Schließlich hackt ja eine Krähe

niemals nicht der andern

Nichts durft aus dem Ruder laufen

Alles muss in Glied und Reih.

Für dumm die Bürger zu verkaufen

Was ist denn heute schon dabei.

Die wollen solche Leckerbissen

Gern aus unterstem Niveau.

Selbst bescheißen und beschissen

Sein, sind Teile dieser Show.

Ohne alle guten Geister

Von Erdogan bis Blatter.

Kuscheln nun mal Bürgermeister

Und Ihre Hofberichterstatter.

Und die Freiheit einer Presse

Kriegt bei sowas auf die .

Gedicht von Gunter Lampe, Stralsund

FACE BOOK

Auch im sozialen Netzwerk Facebook sorgt das Schein-Interview von OB Badrow für Debatten:

Chris Marc: FAS fragt an. OB willigt ein. Presseabteilung will aber Fragen vorher sehen. Diese werden geschickt, dann bearbeitet oder gestrichen. FAS hätte auch 'nein' sagen können. Haben sie aber nicht. Das ist das eigentlich Schlimme. Christian Schiebe: Schaut das irgendwo anders aus? Egal in welcher Stadt oder Bundesland. Dass Politiker nur gewisse Fragen zulassen und das in bestimmter Reihenfolge. Damit man ja auch die passende Antwort hat! Nichts neues also...

Mattes Reinert: Dass einige dies normal finden, erschreckt mich. Es ist nicht normal, dass Fragen für das Interview direkt vom OB kommen. Vielleicht ist das in Diktaturen normal, aber bei uns sollte es das nicht sein. Das ist kein Journalismus, sondern zensierte Berichterstattung.

Von Marlies Walther und Katharina Degrassi

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