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Stralsund Projekt „Mittenmang“: Kritiker verstummt
Vorpommern Stralsund Projekt „Mittenmang“: Kritiker verstummt
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00:00 25.06.2018

Stralsund. Stell dir vor, es ist Tag der Architektur, und keiner macht mit. Fast wäre für die altehrwürdige Hansestadt dieser peinliche Fall eingetreten, doch Axel Kaun rettete die Ehre der Stralsunder Bauherren-Gilde und führte Besucher am Samstag um die Badenstraße 52/53 herum. Er selbst gab dem Projekt den Titel „Mittenmang“, zu dem zwei Stadthäuser gehören.

Besonders für die Fassadengestaltung mit akzentuierter Fenstereinfassung bekam Bauherr Axel Kaun Lob von den Teilnehmern der Führung

Nummer 52 beherbergt über drei Etagen eine Wohnung von insgesamt 90 Quadratmetern mit Dachboden und Beletage mit Fenstern in alle Richtungen. Doch besonders für die Badenstraße 53, das als vorderes Gebäude sofort den Blick auf sich lenkt, erntete Bauherr und Planer Axel Kaun im Frühjahr viel Kritik. Zu wuchtig, zu dominant – so die Urteile. „Ich kann das zum Teil auch nachvollziehen, aber wenn man im Weltkulturerbe Lücken schließt, wird das immer für Diskussionen sorgen“, so der 48-Jährige. Man müsse immer Kompromisse finden – zwischen den Bedürfnissen der künftigen Nutzer und dem Masterplan der Hansestadt, der festlegt, wie im Weltkulturerbe was und mit welchem Grundriss gebaut werden darf. „Aber diese Grundstücke vor der Kirche und zwischen Rathaus und Quartier 17 waren für die Bebauung reizvoll.“ Inzwischen hätte sich die Debatte aber beruhigt.

Besucher Peter Möller sah keinen Grund für Kritik, ganz im Gegenteil. „Ich empfinde diesen Neubau nicht als Fremdkörper. Das liegt vielleicht auch daran, dass dieses Haus auch Zeitgenössisches hat, wenn ich zum Beispiel an den Anbau auf der Rückseite schaue. Besonders gefällt mir die spannende Gestaltung der Fassade“, sagte der Mann, der mit seiner Frau Inge Link gerade Urlaub in Stralsund macht und als Stadtplaner in Winsen an der Luhe (33000 Einwohner) sein Geld verdient. „Sie haben bewusst die Symmetrie der Fensteranordnung am Giebel durchbrochen, sehr gelungen finde ich die Fenstereinfassung.“ Ein Stralsunder bestätigte das und meinte: „Es lohnt sich, genauer hinzugucken, denn diese Details entdeckt man erst auf den zweiten Blick.“

Axel Kaun erklärte, dass dies ein Beispiel für Abweichungen von der Bebauung bis 1944 – da wurde das Haus von Bomben getroffen und zerstört – sei. „Eigentlich hatte diese Seite keine Fenster, sondern war eine Brandwand. Aber da nach dem bereits erwähnten Masterplan aus dem Jahr 2000 feststeht, dass die Lücken der einstigen Nummer 54 und 55 nicht bebaut, sondern als Freifläche bewusst erhalten bleiben, wollte ich schon einen Schau-Giebel, denn das Haus rückt ja besonders von der Ossenreyer ins Blickfeld.“ Entstanden sind in der Nummer 53 nun drei Wohnungen mit je 63 Quadratmetern mit Balkon oder Dachgalerie. Im Erdgeschoss befindet sich eine Ladenfläche. Die Freifläche der Nummern 54/55 wurde von der Stadt bereits gepflastert, so dass dieser Bereich baulich nicht mehr verändert wird.

Der Architekt verschwieg nicht, dass die Vorbereitungen viel Zeit und Geld gekostet haben. „Wir haben zwar keinen Keller gebaut, aber doch musste wegen der Bomben sechs Meter tief sondiert werden.

Außerdem war eine Pfahlgründung nötig“, so der Stralsunder, der übrigens selbst in der Altstadt wohnt. Wieviel er in das „Mittenmang“ investiert hat, wollte er den Teilnehmern der Führung dann doch lieber nicht verraten. Er betonte aber, dass er ewig keine Bank gefunden habe, die das Projekt unterstützen wollte.

„Mittenmang“

Das Projekt „Mittenmang“ umfasst zwei Grundstücke, die Badenstraße 52 (Stadthaus mit einer Wohnung) und 53 mit drei Wohnungen und Laden.

Die beiden Neubauten sind eine Ergänzung der südlichen Randbebauung des Nikolaikirchhofs. Sie liegen an der Schnittstelle zu Rathaus und Quartier 17. Maßstab und Geschossigkeit der Gebäude orientieren sich an den historischen Kubatoren der im Krieg zerstörten Vorgängerbauten.

Bildergalerie: www.ostsee-zeitung.de.

Ines Sommer

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