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Prora-Verkauf: Zoff um Studie von Stralsunder SPD-Frau

Stralsund/Prora Prora-Verkauf: Zoff um Studie von Stralsunder SPD-Frau

Kreistagsmitglieder, die den Verkauf von Block V in Prora überwachen sollen, sind sauer, weil eine Untersuchung dazu vorab öffentlich wurde

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Bisher fehlte eine Machbar- keitsstudie dazu, wie die Gedenk- stättenarbeit an diesem Ort später aussehen könnte. Sonja Steffen SPD

Quelle: Foto: Ove Arscholl

Stralsund/Prora. Die seit Monaten laufenden Vorbereitungen des bislang größten geplanten Immobilien-Deals des Landkreises Vorpommern-Rügen sorgen erstmals für schlechte Laune im Kreistag. Grund ist eine Machbarkeitsstudie zum Betrieb eines modernen Dokumentationszentrums zur NS- und DDR-Geschichte, das in Block V der einst von den Nationalsozialisten als „Kraft-durch-Freude-Seebad“ konzipierten Anlage entstehen soll.

 

OZ-Bild

Die Untersuchung war in der vergangenen Woche von der Stralsunder SPD-Bundestagsabgeordneten Sonja Steffen der Öffentlichkeit vorgestellt worden (die OZ berichtete). Dies sorgt jetzt in einem zur Begleitung des gesamten Verkaufsprozesses von Block V gegründeten Fachausschuss für Ärger. Die SPD-Politikerin und Ausschussvorsitzende Kristine Kasten richtete während der vergangenen Sitzung am Dienstagabend deutliche Kritik an ihre Parteikollegin: „Wir sind hier keine Alibi-Veranstaltung.“ Aus ihrer Sicht hätte es sich gehört, die Studie zunächst den Mitgliedern des Fachausschusses und erst anschließend der Öffentlichkeit vorzustellen. Während in der Zeitung bereits aus dem Papier zitiert werde, liege es den Ausschussmitgliedern bislang noch nicht einmal vor, ätzte Kasten in Richtung Steffen. Nachdem sowohl Landrat Ralf Drescher (CDU) als auch sein Stellvertreter Manfred Gerth (SPD) den Stellenwert des Ausschusses daraufhin noch einmal unterstrichen hatten, warf der CDU-Kreistagsabgeordnete Thomas Reichenbach durchaus zynisch ein: „Ich geh’ gleich nach Hause.“ Gerth sagte den Ausschussmitgliedern nach der kurzen, aber aufgeladenen Debatte zu, dafür zu sorgen, dass auch sie die 37-seitige Machbarkeitsstudie, für die die Beratungsfirma Museo Consult 6500 Euro erhalten hat, erhalten werden.

Der fünfte Block ist der letzte in öffentlicher Hand. Er gehört zu großen Teilen dem Landkreis Vorpommern-Rügen und soll im März zum Verkauf ausgeschrieben werden. Der Investor muss aber mehrere Auflagen erfüllen – wie die mietfreie Unterbringung des Dokumentationszentrums auf einer Fläche von 2700 Quadratmetern in einem Teil des Gebäudes, das an eine Jugendherberge grenzt. Sie ist dort bereits seit 2011 beheimatet, nachdem dieser Abschnitt für 16,4 Millionen Euro saniert worden war.

In der Tat ist die Rolle des bereits im Herbst 2016 gegründeten Begleitgremiums zur Vorbereitung des Verkaufs eines Großteils des fünften Blockes in Prora auch intern etwas unklar. Hinter vorgehaltener Hand wird im Kreistag von einem „Durchwink-Verein“ gesprochen. Dem Ausschuss gehören keine ausgewiesenen, unabhängigen Immobilien- oder Tourismusexperten an, die die Pläne, die der Landkreis für Prora seit Monaten vorantreibt, fachlich bewerten könnten. Auch externe Experten sind bisher nicht eingeladen worden.

Sonja Steffen betont, dass sie nicht von dem Ausschuss mit einer Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung eines Dokumentationszentrums beauftragt worden sei, sondern die Initiative allein vom Dachverband „Bildungs- und Dokumentationszentrum Prora“ ausgegangen sei. Der war im August vergangenen Jahres gegründet worden, um die Gedenkarbeit, die in Prora bislang von zwei Vereinen an unterschiedlichen Standorten geleistet wird, besser aufeinander abzustimmen, ehe beide Projektträger später unter einem Dach miteinander verschmelzen sollen.

Zweiter Grund: „Bisher fehlte eine konkrete Machbarkeitsstudie dazu, wie die Gedenkstättenarbeit an diesem Ort später aussehen könnte und wie viel dieses Vorhaben kosten wird“, betonte Steffen. „Das wollten wir vorab erheben lassen. Und diese Zahlen liegen nun vor.“

Die Gerüste sind gefallen: Rathaus wieder frei

Stralsund. Alle Foto-Fans, Hochzeitspaare, Touristen und Einheimischen könnnen sich freuen: Es gibt wieder freie Sicht auf das Rathaus. Die Sanierung der 29 Meter hohen Fassade ist abgeschlossen.

Rund 2500 Ziegel wurden ausgetauscht – alles handgefertigte Einzelstücke, 300 Quadratmeter Verfugung und 250 Quadratmeter Putz auf der Rückseite erneuert, 80 Meter Risse saniert. Außerdem erfolgte die Freilegung von 107 Ankern, die mit Korrosionsschutz versehen und wieder vermauert wurden. Die Kosten betrugen 700 000 Euro. FOTO: STEFAN SAUER

Benjamin Fischer

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