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Stralsund Radfahrer in Stralsund: „Wir werden beschimpft und beleidigt“
Vorpommern Stralsund Radfahrer in Stralsund: „Wir werden beschimpft und beleidigt“
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12:24 23.08.2014
Stralsund

Die Stralsunder Ausgabe des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) hat erneut die Situation für Radfahrer in der Hansestadt kritisiert. Besonders der harsche Umgangston einiger Autofahrer stößt den Radlern übel auf. Der werde insbesondere dann angeschlagen, wenn die Radfahrer auf der Straße fahren und nicht die Radwege nutzen. „Wir werden durchs offene Fenster beschimpft und beleidigt. Ein Busfahrer hat sogar einmal versucht, mir aggressiv den Weg abzuschneiden“, sagt der Stralsunder Sprecher des Verkehrsclubs, Wolfgang Häusler. Der Rentner ist Diplom-Ingenieur und war jahrelang Straßen- und Verkehrsplaner in der Hansestadt.

Angesichts der angespannten Situation auf den Straßen ruft der 75-Jährige alle Kraftfahrer dazu auf, einen Blick ins Gesetzbuch zu werfen: Nicht jeder Radweg muss nämlich verpflichtend genutzt werden (siehe Info-Kasten). Stattdessen gibt es in Stralsund viele Straßen, auf denen der Radler die Wahl hat, ob er lieber auf der Fahrbahn oder dem Radweg in die Pedalen tritt. „Weil die Wege für Radler in Stralsund oft mit etlichen Hindernissen gepflastert sind, benutzen viele Leute lieber die Straße. Man kommt dort einfach schneller voran“, sagt Häusler. Gleichzeitig wünscht er sich mehr Verständnis durch die Autofahrer.

Grund für die Freiwilligkeit vieler Radwege sind einige Studien, nach denen auf Fahrradtrassen eine höhere Unfallgefahr besteht als auf gemeinsam genutzten Fahrbahnen. Ein Grund dafür sei demnach, dass Autofahrer Radler dort schlechter wahrnehmen, beispielsweise beim Abbiegen. Außerdem zwingen oft parkende Fahrzeuge und andere Hindernisse zu waghalsigen Manövern.

Die Wunschliste von Stralsunds Fahrradfahrern ist noch länger. VCD-Mann Häusler fordert, dass künftig auch auf Wegen an der linken Straßenseite geradelt werden darf. „Das ist bei den Menschen längst gängige Praxis und sollte legalisiert werden. Damit würde man ein großes Konfliktpotenzial minimieren“, sagt er. Das gelte beispielsweise für die Rostocker Chaussee im weiteren Umkreis der Kreuzung mit dem Carl-Heydemann-Ring. „Radfahrer müssen derzeit etliche Male die Straße wechseln, um das Rechtsfahrgebot dort einzuhalten. Das könnte man uns ersparen.“

Möglich wäre das, indem die Stadt die Wege auf der linken Seite mit einen Schild für Radler freigibt. Experten weisen jedoch daraufhin, dass dadurch auch eine höhere Unfallgefahr entsteht.

Der Stralsunder Chef des VCD, Anton Werner, spricht außerdem ein Dauerthema der Hansestadt an: „Mich stört, dass ich in der Altstadt über Kopfsteinpflaster rollen und dabei befürchten muss, dass die Dinge, die ich transportiere, kaputtgehen“, sagt er. Werner fordert deshalb einen gut befahrbaren Mittelstreifen. Bereits vor einem Jahr hatte das zuständige Amt diesen Vorschlag abgelehnt. Damals hieß es, dass die Möglichkeiten beschränkt seien, wenn der Charakter der Altstadt erhalten werden soll. Zudem sei es angesichts der parkenden Anwohner in den schmalen Gassen kaum machbar, Streifen mit einem flachen Belag zu bauen.

Wann Radfahrer auf der Straße fahren dürfen
Radwege müssen nur dann verpflichtend genutzt werden, wenn es durch ein Verkehrszeichen (das Bild zeigt eines von drei möglichen Schildern) angeordnet wird. Befindet sich am rechten Fahrbahnrand ein Radweg, der nicht durch ein Zeichen gekennzeichnet ist, besteht kein Benutzungsverbot der Straße. Es kann daher nicht beanstandet werden, wenn der Radler die Fahrbahn nutzt.
Ebenso besteht keine Pflicht zur Nutzung der Radtrasse, wenn der Weg unbenutzbar ist, zum Beispiel aufgrund von Schnee, Eis oder Löchern. Radfahrer müssen dann auf den Seitenstreifen oder die Fahrbahn ausweichen.
Die Benutzung von links angelegten Radwegen in Gegenrichtung ist mit besonderen Gefahren verbunden und deshalb grundsätzlich nicht erlaubt. Linke Radwege können aber mit Schildern für die Gegenrichtung freigegeben werden. Sind beide Seiten freigegeben, besteht freie Auswahl.
Radfahrer müssen derzeit etliche Male die Straße wechseln, um das Rechtsfahrgebot einzuhalten. Das könnte man uns ersparen.“Wolfgang Häusler, Verkehrsclub Deutschland



Alexander Müller

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