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Stralsund Rambiner machen Ernst: Petition gegen B96-Lärm
Vorpommern Stralsund Rambiner machen Ernst: Petition gegen B96-Lärm
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02:26 29.03.2016
Wir fordern das Aufbringen eines Asphaltbelages, der den Schall dämmt.“Kathrin Stavenhagen, Bürgerinitiative Rambin

Die Bewohner von Rambin haben den Straßenlärm der B96 satt. In einer Eingabe haben 274 Bewohner des Ortes — das sind etwa ein Drittel der Einwohner Rambins — ihren Protest auf einer Unterschriftenliste bekundet. Hintergrund für den Ärger ist die Bauausführung der B96 bei Rambin. Obwohl in der Planung eigentlich eine Asphaltdecke vorgesehen war, wurde die Fahrbahn aus Beton gebaut. „Und das wohl auch noch in schlechter Qualität“, moniert Rambins Bürgermeister Christian Thiede (FDP). „Wenn man mit dem Auto darüberfährt, merkt man ja, dass es sich anfühlt wie ein Waschbrett.“

Mit der erheblichen Lärmbelästigung der Straße wollen sich die Einwohner nicht länger abfinden: Jetzt wendet sich die Bürgerinitiative mit ihrer Eingabe an das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Rostock sowie an Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturministerium von Christian Pegel (SPD) in Schwerin. Ihre Forderungen: Bau einer massiven, durchgehenden Schallschutzwand, Aufbringen eines schalldämmenden Asphaltbelages und eine vorübergehende Geschwindigkeitsbegrenzung, bis die lärmmindernden Maßnahmen greifen. Basis soll ein neues Lärmgutachten werden. „Dass der Fahrbahnbelag nachträglich von Asphalt in Beton verändert wurde, hat die Lärmemission nach unserem Empfinden sehr stark erhöht“, heißt es in der Eingabe. Darin sehen die Rambiner Initiatoren Jörg und Kathrin Stavenhagen den Knackpunkt: „Durch die verantwortliche Baufirma Deges wurde auf der Einwohnerversammlung in Rambin am 3. März zum Ausdruck gebracht, dass die Bauweise mit einer Waschbetonoberfläche bereits im Planfeststellungsbeschluss verankert war. Somit sei ,planfeststellungskonform‘ gebaut worden.“ Das sei aber nicht der Fall. Im rechtsgültigen Planfeststellungsbeschluss laute es vielmehr wörtlich: „Im Einvernehmen mit dem Land ist der Einsatz eines modifizierten ,Splittmastixasphaltes‘ im Bereich der Ortschaft Rambin vorgesehen. Hier können weitere lärmmindernde Effekte erzielt werden.“ Rechtlich gesehen ist der Planfeststellungsbeschluss (liegt der OZ vor) die Baugenehmigung für die neue Bundesstraße mit detaillierten Festlegungen, was und wie gebaut werden darf.

Der Begriff Beton für eine Fahrbahn kommt darin nicht vor. Ein „Vollschutz durch aktive Lärmschutzmaßnahmen“ sei im Planfeststellungsverfahren aus Kostengründen abgewiesen worden. Die Bürgerinitiative hinterfragt die Berechnungsgrundlage des Abwägungsverfahrens. Selbst bei Bestätigung dieser — der Höhe nach angezweifelten — Mehrkosten machten diese lediglich sechs Prozent der Bausumme des betreffenden Abschnittes von Rambin bis Samtens und nur ca. 0,8 Prozent des ersten Bauabschnitts der B 96n aus. Insofern sei es fraglich, ob aus Kostengründen die Schutzmaßnahmen abzuweisen waren. Weiteren Schutz vor Lärmemissionen erhoffen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative von den ohnehin geplanten Ausgleichsmaßnahmen in Form von Begrünungen.

In der Eingabe an die Behörde werden 25 Fragen zur Aufklärung gestellt und eine Antwort bis zum 15. April erbeten. Auch die Gemeindevertretung erwartet, dass die Deges ihre Ankündigung erfüllt, binnen sechs Wochen nach der Einwohnerversammlung Lösungen zu entwickeln.

Rund hundert Bewohner von Rambin hatten Anfang März bei dieser Zusammenkunft mit Vertretern der Deges ihrem Ärger Luft verschafft und Nachbesserungen verlangt. „Wir sind zwar nicht befugt, Zugeständnisse zu machen“, kündigte Deges-Manager Joachim Rascher am Ende der Veranstaltung an, „werden aber mit dem Infrastrukturministerium des Landes verhandeln und einen Maßnahmenkatalog entwickeln.“ Abhilfe könne, so Rascher, eine sechs Meter hohe Lärmschutzwand schaffen. Auch eine Änderung des Fahrbahnbelages sei „eine partielle Option.“ Zunächst könne an eine befristete Geschwindigkeitsbegrenzung gedacht werden.

Klein beigeben wollen die Rambiner auf keinen Fall. „Wir können sehr hartnäckig sein“, so Christian Thiede. „Wenn Eingabe und Vermittlung nichts bringen, müssen wir den Rechtsweg beschreiten.“

B96n Nord- und Südabschnitt

14 Kilometer lang ist der Südabschnitt der neuen Bundesstraße 96 der südlich von Rambin beginnt und hinter Samtens endet. Am 8. Dezember 2015 wurde er von der Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet.

Der Bau war mit Kosten von etwa 96,5 Millionen Euro verbunden. Die Bauzeit betrug viereinhalb Jahre.Der Weiterbau der B 96n von Samtens bis Bergen (Nordabschnitt) soll ab diesem Sommer starten.

Von Frank Levermann und Anne Ziebarth

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