Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Rauchverbot“ in Gärten

Stralsund „Rauchverbot“ in Gärten

Der Landkreis Vorpommern- Rügen untersagt jetzt das Verbrennen von Pflanzen-Abfällen.

Stralsund. Karl Z. (vollständiger Name der Red. bekannt) könnte vor Wut platzen. Der Bergener Kleingärtner wollte helfen und für Ordnung sorgen, und nun hat er den Schlamassel. „Ende vergangenen Jahres haben wir die verwilderte Parzelle unseres Nachbarn mit aufgeräumt.“ Die jahrelang vernachlässigten Sträucher und Bäume wurden kräftig zurückgeschnitten. Den Riesen-Haufen wollten sie im März anzünden. Doch das Feuer wird aus bleiben müssen: Der Landkreis hat das Verbrennen von Gartenabfällen ab sofort ausdrücklich untersagt – und zwar ganzjährig.

Das Verbot sei an sich ein alter Hut und das Verbrennen schon lange in der Landespflanzenabfallverordnung geregelt, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung, Olaf Manzke. In der 2001 vom damaligen Ministerpräsidenten Harald Ringstorff unterzeichneten Verordnung heißt es unter anderem: „Pflanzliche Abfälle (. . .) dürfen verbrannt werden, wenn eine Entsorgung (. . . ) oder eine Nutzung der von den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträgern durch Satzung anzubietenden Entsorgungssysteme nicht möglich oder nicht zumutbar ist.“ Das sei aber spätestens mit der Einführung der Biotonne im gesamten Landkreis nicht mehr der Fall. Seitdem werde flächendeckend eine Entsorgungsmöglichkeit für Bioabfall angeboten, sagt Dr. Bernd Liebelt, Fachgebietsleiter für Umweltschutz in der Kreisverwaltung. Und diese Möglichkeit, sprich: braune Tonne, müsse auch genutzt werden.

Entsorgung bislang unterschiedlich gehandhabt

Bislang wurde die Entsorgung von Gartenabfällen in den früheren Kreisen Rügen und Nordvorpommern sowie der Hansestadt Stralsund unterschiedlich gehandhabt. In Stralsund ist das Verbrennen seit Jahren untersagt – allerdings mit Ausnahmen. So gab es in den Kleingartensparten feste Termine, an denen Gehölzschnitt und ähnliches kontrolliert in Brand gesetzt werden durfte. Im Bereich Nordvorpommern war mangels Biotonne das Verbrennen pflanzlicher Abfälle vom 1. bis 31. März und vom 1. bis 31. Oktober werktags während zwei Stunden täglich in der Zeit von 8 bis 18 Uhr erlaubt.

Auf diesen Passus aus der Landesverordnung berief man sich auch auf Rügen – obwohl es dort schon längst die damaligen grünen Tonnen für Bio- und Gartenabfälle gab. Dennoch: Sperrige Äste oder größere Mengen an Heckenschnitt ließen und lassen sich über die Tonne nur schwer entsorgen. Aus diesem Grund hieß es auch in vielen Gärten der Insel im März und Oktober eines jeden Jahres „Feuer frei“ – mit ausdrücklicher Duldung des Kreises.

„Das ist seinerzeit nicht ganz korrekt gewesen im Sinne der Verordnung“, sagt Bernd Liebelt. Dass es nun plötzlich ganz akkurat und nach dem Buchstaben der Verordnung zugehen soll, hat seinen Worten zufolge mehrere Gründe. Zum einen sei die Biotonne „flächendeckend im Kreis eingeführt“. Zum anderen gebe es von Jahr zu Jahr mehr Anzeigen von Einwohnern, die sich durch kokelnde Nachbarn belästigt fühlten. Oftmals landeten auch riesige Laubhaufen im Feuer, die es erstickten und dessen Qualmwolken über ganzen Wohngebieten hingen. Um das zu verhindern – und dafür zu sorgen, dass nicht nebenbei noch mehr als Gartenabfälle im Feuer landen – hat das Umweltamt des Landkreises in den zurückliegenden Jahren vor allem in den Monaten März und Oktober die Einhaltung der Verordnung kontrolliert.

„2016 haben wir allerdings auf Bußgelder verzichtet“, sagt der Fachgebietsleiter. Man habe verstärkt auf Aufklärungsarbeit gesetzt. Mit offenbar mäßigem Erfolg. „Das ist mir völlig neu“, sagt Peter Heinemann. Er bewirtschaftet eine Parzelle in der Bergener Anlage „Freundschaft“. Heinemann ist nicht irgendein Kleingärtner, an dem dieses Verbot vorbeigegangen ist: Er ist der Vorsitzende des Landesverbandes der Gartenfreunde und stellvertretender Vorsitzender des Inselverbandes auf Rügen. Die Rügener Laubenpieper seien bislang davon ausgegangen, dass sie im März wieder – wie gehabt – einen Teil der Gartenabfälle verbrennen könnten. Wie der Kreis sich die Entsorgung vorstellt, ist Peter Heinemann schleierhaft. Allein in seiner Sparte gibt es über 200 Gärten. „Sollen die alle eine Biotonne bekommen und am Abfuhrtag gleichzeitig rausstellen? Das ist doch gar nicht praktikabel“, wehrt er ab. Und alles könne man nun mal nicht kompostieren, zum Beispiel Pflanzenteile, die von Krankheiten befallen seien.

Ausnahmegenehmigungen können beantragt werden

Beim Landkreis will man solche Einwände nicht gelten lassen. Genehmigungen zum Verbrennen werde es nur noch in Ausnahmefällen geben.

Astwerk und ähnliches könne man zerkleinern und über die Biotonne entsorgen, ebenso wie kranke Pflanzen, etwa die von der Miniermotte befallenen Blätter der Rosskastanie. „Wenn die Menge zu groß ist, muss man sie vielleicht auf dem Grundstück zwischenlagern und nach und nach in die Tonne werfen“, sagt Liebelt. Oder man könne zu einem der Wertstoffhöfe fahren. Dort muss für die Entsorgung der Reste aus dem Garten allerdings ins Portemonnaie gegriffen werden. Andernorts kommt man den Bürgern wenigstens in diesem Punkt entgegen, sagt Peter Heinemann: „Die Rostocker können ihre Gartenabfälle bei ihrem städtischen Entsorger kostenlos abliefern.“

Karl Z. will die Regelung nicht widerspruchslos hinnehmen – und beruft sich ebenfalls auf die Landespflanzenabfallverordnung. Das Verbrennen ist mit Einschränkungen erlaubt, wenn eine andere Form der Entsorgung nicht zumutbar ist. „Und das ist sie aus meiner Sicht bei solch großen Mengen, wie sie bei uns in der Sparte Ende letzten Jahres angefallen sind, nicht – weder die braune Tonne noch die kostenpflichtige Ablieferung am Wertstoffhof.“ Er werde eine Ausnahmegenehmigung beantragen. „Und viele andere Gärtner sicherlich auch.“

Maik Trettin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Wismar
Bunt soll er sein, der Schneemann von Leon Kruse. Der Siebenjährige verbringt während der Winterferien viel Zeit mit Renate Spieß (Hintergrund) im Kinder-Jugend-Freizeittreff in der Friedrich-Techen-Straße.

Kinder-Jugend-Freizeittreff, Agrarmuseum und Phantechnikum bieten Programme

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Stralsund
Verlagshaus Stralsund

Apollonienmarkt 16
18439 Stralsund

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag
10.00 bis 18.00 Uhr

Leiter Lokalredaktion: Benjamin Fischer
Telefon: 0 38 31 / 20 67 40
E-Mail:  stralsund@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.