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Revolte im Kinderdorf: Kasse vom Bürgermeister geklaut

Steinhagen Revolte im Kinderdorf: Kasse vom Bürgermeister geklaut

In Steinhagen heißt es zum 9. Mal: Kinder an die Macht – die Erwachsenen kommen in den Elterngarten / 140 Schüler verdienen in Post, Gericht und Sozialstation ihr Kido-Geld

Steinhagen. „Hat jemand unsere Rathaus-Kasse geseh’n, das Siegel ist auch weg“, schimpft die Bürgermeisterin Maike Pietsch und bittet beim Gericht um Hilfe. „Unsere Kasse wurde auch geklaut“, sagt Richter Ben Schmit. „Da müssen wir jetzt mal hart durchgreifen“, findet Staatsanwältin Nele Reibisch. Gerade erst hat das Gericht die Postangestellten bestraft, die beim illegalen Glücksspiel erwischt wurden.

Im Kinderdorf des Amtes Niepars auf dem Schulhof Steinhagen haben die Mädchen und Jungen im Alter von sieben bis 12 Jahren mal wieder für zwei Wochen das Sagen. Sie wählen Bürgermeister und Gericht, alle anderen Ämter werden im Wechsel besetzt. Da können sich die Kinder aus 20 Gewerken ihren Job aussuchen. Pro Stunde gibt es zehn Kido, davon gehen natürlich zwei Kidos Steuern ab. Wer nicht arbeitet, verdient nichts.

Jodie aus Parow, Kim aus Zimkendorf und die Nieparserin Mia haben offensichtlich fleißig gearbeitet, denn sie horten reichlich Kidos. „Wir geben nur mal fünf Kidos fürs Essen aus, ansonsten sparen wir alles für die Versteigerung. Da gibt es tolle T-Shirts oder einen Ball mit allen Betreuer-Unterschriften“, haben die Mädels schnell eine Begründung für ihre Sparsamkeit. Und schwupp – wandert das nächste Kinderdorf-Geld ins Täschchen.

Sönke Niehuss aus Negast verdient sich seinen Lebensunterhalt in der Sozialstation. „Ich hab gerade erst 30 Kidos für einen Ausflug ins Tierheim bezahlt“, sagt der Achtjährige und beteuert, künftig eisern zu bleiben. Gemeinsam mit Julian Plog aus Abtshagen kreiert er aus Nägeln und Wolle ein Kunstwerk. „Das wollen wir versteigern“, erklärt Betreuer Willi von der Jugendfeuerwehr Abtshagen.

Tuka und Schahed aus Syrien sorgen im Kaufhaus für ein florierendes Geschäft mit allen möglichen Basteleien, die nebenan in der Werkstatt hergestellt werden. Zum Beispiel von Laura Beise, die mit ihren Freundinnen Brustbeutel bemalt. Sie zählt ihre mehr als 100 Kidos vor und sagt: „Ich spare auf einen Ausflug zum Reiterhof, da braucht man schon 30 Kidos.“ Wer so wenig verschwenderisch ist, braucht vor dem Erwachsenwerden sicher keine Angst zu haben.

„Uns ist schon in den letzten Jahren aufgefallen, dass die Kinder unheimlich viel Geld in der Tasche behalten. Deshalb haben wir 2016 mal wieder eine Währungsreform eingeführt – mit neuem Geld“, erklärt Julia Meiser und zeigt uns die Scheine. Sie kann auf zwei tolle Durchgänge des 9. Kinderdorfes zurückblicken. „Je 140 Kinder, inclusive Tagesgästen, wollten bei uns mitmachen“, sagt die 33-Jährige, die erstmals für das Projekt der Amtsjugendarbeit den Hut aufhat.

„Es hat dank der vielen Sponsoren alles gut geklappt. Nur an unserem Draht zu Petrus müssen wir noch arbeiten...“ So musste man zum Mottotag „Kirmes“ in die Sporthalle der Schule Steinhagen ausweichen. Beim zweiten Thementag zum Mittelalter regnete es wieder wie aus Kannen, aber da wurde in den Zelten trotzdem alles durchgezogen – mit Markttreiben, offenem Feuer, Stockbrot und Schwertkampf. „Die Kinder waren begeistert. Und das ist doch das, was zählt“, so Julia Meiser, der man ansieht, dass sie für ihr Projekt brennt.

Aus dem Restaurant steigt leckerer Kuchenduft empor, auch in der Näherei herrscht noch Hochbetrieb. Nur im Reisebüro ist es etwas ruhiger, denn die Dorfbewohner sparen für schlechte Zeiten.

An der „Stadtgrenze“ heben die beiden achtjährigen Joshua Melahn und Lukas Germer aus Negast die Kelle hoch und walten ihres Amtes: „Halt, hier dürfen Sie nicht rein. Hier haben Erwachsene nichts zu sagen.“ Deshalb müssen Antje und Mirko Schinke erst mal in den Elterngarten, bevor sie zum Trommelkurs eingeladen werden. Natürlich unter Kinder-Aufsicht.

Ines Sommer

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