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Stralsund Richter: „Reden Sie nicht solchen Scheiß“
Vorpommern Stralsund Richter: „Reden Sie nicht solchen Scheiß“
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00:01 26.04.2017

Der Chef-Architekt beim Bau des Stralsunder Hotels Scheelehof hat gestern im Prozess um Betrug und Insolvenzverschleppung bei der Sanierung des Hauses vor dem Amtsgericht ausgesagt. Der 65-jährige Ingenieur aus Sassnitz hat geschildert, wie es in den letzten Monaten vor der Insolvenz des Generalauftragnehmers Scheelebau GmbH auf der Baustelle zugegangen war. Seine mehr als dreistündige Aussage blieb dabei so ausweichend und schwammig, dass Richter Andreas Könning sich zu deutlichen Worten genötigt sah: „Reden Sie nicht solchen Scheiß

hier“, fuhr er den Zeugen an, als dieser statt eine Antwort zu geben, den Richter über das Baurecht belehrte.

Die Aussagen des Mannes waren, vorsichtig ausgedrückt, nicht immer schlüssig. Zunächst sagte er aus, dass die Organisation auf der Baustelle – bevor im Zuge der Zahlungsunfähigkeit das Chaos ausbrach – trotz des großen Zeitdrucks tadellos gewesen sei. „Wir haben zum Teil in drei Schichten gearbeitet. Bis zu 200 Leute waren auf der Baustelle. Trotzdem wussten wir immer genau, wer da ist“, sagte der Mann. Auch die Zahlungsmoral an die Subunternehmer sei gut gewesen. „Es hatte sich in Stralsund herumgesprochen, dass bei uns überdurchschnittlich schnell bezahlt wird. Die Unternehmen waren verwöhnt.“ Es habe keinerlei Anzeichen gegeben, dass sich daran etwas ändern könnte. Die Insolvenz kam der Aussage des Architekten nach völlig überraschend.

Zwei Stunden später sagte der Architekt wiederum, dass in den Wochen vor der Insolvenz schon hier und da der eine oder andere Unternehmer wegen diesem oder jenem Rechnungsproblem zu ihm gekommen wäre. Die habe er dann in das Büro weitergeschickt und die Sache als erledigt betrachtet.

Angeklagt sind der heute 62 Jahre alte frühere Geschäftsführer der Scheelebau GmbH aus Zansebuhr sowie der Geldgeber des Unternehmens, ein 60-jähriger Investor aus Altefähr. Ihnen wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, es bewusst unterlassen zu haben, Insolvenz anzumelden, obwohl ihnen die eigene Zahlungsunfähigkeit bekannt gewesen war. Außerdem hätten sie in diesem Wissen weitere Aufträge an Firmen erteilt. Rund 50 Betriebe warteten damals vergeblich auf ihr Geld – insgesamt rund 700000 Euro.

Beide Beschuldigten haben bereits am ersten Verhandlungstag am Montag über ihre Verteidiger alle Anklagepunkte zurückweisen lassen. Ausführlich äußerte sich der Rechtsanwalt des Scheelebau-Geschäftsführers. Die Strategie: Von Zahlungsunfähigkeit und Insolvenzverschleppung könne keine Rede sein, da sein Mandant bis zuletzt davon ausgehen konnte, dass sein Geschäftspartner, der andere Angeklagte, weiterhin alle Rechnungen begleichen würde, wie er es auch bisher getan hatte. Der Zahlungsstopp seines Partners sei völlig überraschend gewesen.

Der Chef-Architekt schilderte gestern – auf mehrfache, mühsame Nachfrage des Richters – wie die Kosten immer höher wurden. Nicht durch unvorhersehbare Probleme, sondern weil immer neue Aufgaben hinzu kamen, das ganze Projekt stetig größer wurde. Zu Beginn sei von fünf Millionen Euro die Rede gewesen, zuletzt waren es dann rund sieben Millionen Euro.

Scheelebau-Prozess: Was bisher geschah

Am ersten Verhandlungstag am Montag hatte die Staatsanwaltschaft die Anklage gegen Geschäftsführer und Geldgeber der Scheelebau GmbH verlesen, die im Zuge der Bauarbeiten am Stralsunder Hotel Scheelehof pleite ging. Die Hauptvorwürfe, die Staatsanwalt Christian Müller während seiner Anklage verlas, lauten Insolvenzverschleppung, Betrug, Bilanzfälschung und Verstoß gegen Buchführungspflichten.

Heute, Donnerstag und Freitag sind weitere Verhandlungstage am Amtsgericht Stralsund angesetzt. Beginn ist jeweils um 9 Uhr.

Alexander Müller

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