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Rügen: Anwohner empört über Großjagd auf Schwäne

Zudar Rügen: Anwohner empört über Großjagd auf Schwäne

Ehepaar entsetzt über den Abschuss von 35 Tieren auf der Halbinsel Zudar / Agrargesellschaft hatte die Genehmigung erteilt / Jäger ließ verletzte Tiere einfach liegen

Zudar. Große Empörung im Süden der Insel Rügen: Wie erst jetzt bekannt wurde, hat ein Jäger Ende Februar Dutzende Höckerschwäne auf einem Feld im Bereich des Ortes Groß

Schoritz und der Halbinsel Zudar geschossen. Erst im Dezember vergangenen Jahres hatte der Abschuss von 50 Schwänen in Klausdorf bei Stralsund zu massiven Protesten geführt.

Der neue Fall wurde jetzt von einem Ehepaar (Name der Redaktion bekannt) öffentlich gemacht. Die Frau und der Mann waren eines Morgens beim Kaffee von Schüssen erschreckt worden. „Als wir nachsahen, erkannten wir, dass auf einem Feld hinter unserem Haus jemand auf Schwäne schoss“, berichten sie.

Der Jäger habe eine weiße Jacke getragen und mehrere weiße Tücher um sich herum ausgebreitet. „Offenbar eine Praxis, um Schwäne anzulocken, die dort Artgenossen und damit Futter und ein sicheres Umfeld vermuten“, sagt Rüdiger Jurrat, Leiter der Jagdbehörde des Landkreises. Der Mann habe mit seinem Gewehr einen Schwan nach dem anderen vom Himmel geholt, dabei allerdings nicht sofort jedes angeschossene Tier erlöst, berichten die Zeugen.

Erst nach Aufforderung habe er einem verendenden Tier den Gnadenschuss gegeben.

Einen für die Jagd auf Wasservögel vorgeschriebenen Jagdhund wollen die Zeugen nicht gesehen haben. Die Kadaver habe der Schütze erst später abtransportiert und angekündigt, für seinen privaten Gebrauch die Brüste der Tiere räuchern zu wollen.

Den herbeigerufenen Polizisten konnte der Jagdpächter seine Legitimation offenbar glaubhaft machen, was Rüdiger Jurrat bestätigt. „Die Jagdzeit für Höckerschwäne endete zwar am 20. Februar 2016“, einen Tag zuvor habe die ansässige Agrargesellschaft allerdings die Verlängerung der Jagdzeit beantragt. „Begründet wurde dies mit der hohen Anzahl von 200 bis 400 Schwänen täglich auf den Rapskulturen“, so Jurrat. Daraufhin habe er „zur Verhinderung übermäßigen Wildschadens“ die Jagd für die Zeit vom 24. bis 29. Februar 2016 angeordnet.

„Dass wir das tun müssen, ist traurig und kein Landwirt macht das gern“, räumt Eike Lüth, Geschäftsführerin der Baltic Agrar GmbH & Co KG, ein. „Wir haben aber unsere Flächen direkt an den Ruhegebieten — und die Schwäne haben sich wegen der zuletzt milden Winter extrem vermehrt“, erklärt sie. Von einer möglichen Ernte von vier Tonnen pro Hektar würden die Schwäne unter Umständen bis zur Hälfte fressen. „Das ist für uns ein Schaden von insgesamt etwa 800 Euro pro Hektar.“ Zeitweise hätten Landwirte und Mitarbeiter versucht, die Schwäne zu Fuß oder durch Vogelscheuchen zu vergrämen.

„Manche Landwirte lassen Mais liegen, um von der neuen Ernte abzulenken“, sagt Rüdiger Jurrat, „aber Flächen für Ablenkungsäsungen stellen Landwirte natürlich nur zur Verfügung, wenn sie Ausgleichs-Zahlungen des Ministeriums erhalten.“ Solche Mittel habe sie immer wieder beantragt, klagt Eike Lüth, aber das Landwirtschaftsministerium habe jedes Mal abgelehnt. Die Geschäftsführerin verweist auch auf Hunderte Schwäne, die sie schon in Oberleitungen habe verenden sehen, was bereits zu Stromausfällen geführt habe. Geschossen wurden auf Rügen im vergangenen Jagdjahr 232 Höckerschwäne.

Die Sassnitzerin Kerstin Schulz, die sich mit der Pflege und Aufzucht von Wildtieren auskennt, findet, dass durch derart groß angelegte Jagden im wahrsten Sinne des Wortes mit Kanonen auf Schwäne geschossen wird. „Es besteht ja keine akute Gefahr für den Menschen durch Seuchen oder Ähnliches“, meint sie und rät, andere Methoden der sogenannten Vergrämung wie Selbstschussanlagen oder Gaskanonen zu prüfen. „Auch sollte man sich mal mit Vogelexperten und Wissenschaftlern zusammentun und das Problem beraten, um einen möglichst schonenden Weg zu finden.“

Der Hamburger Jagdverband verlangte jüngst von Landwirten, Schäden zunächst zu dokumentieren. Und das sogenannte „Schwanenschutz Komitee“ klassifiziert den Höckerschwan als halbzahmen Parkvogel, da er jahrhundertelang auf Parkgewässern domestiziert gehalten wurde.

Von Uwe Driest

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