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Stralsund Rügener Milch aus dem Zapfhahn
Vorpommern Stralsund Rügener Milch aus dem Zapfhahn
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18:08 21.10.2017
Enno Tammling mit einigen seiner rund 220 Jerseykühen. Quelle: Anne Ziebarth
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Stralsund/Wiek

An neun Milchtankstellen auf der Insel Rügen und in Stralsund gibt es seit diesem Jahr Rügener Milch vom Tammlinghof in Wiek zu kaufen. Die Automaten stehen in den Kassenbereichen größerer Supermärkte und bieten die Möglichkeit, Milch in selbst mitgebrachte Gefäße oder Glasflaschen abzufüllen. Der Clou dabei: Die Milch ist - anders als an Hof-Milchtankstellen - pasteurisiert und muss zuhause nicht mehr abgekocht werden.

Direktvermarktung: Milch vom Hof in den Supermarkt

Das Konzept kommt bei den Kunden gut an. „Wir holen hier mindestens einmal in der Woche Milch“, erzählt Melanie Tiegelack aus Bergen. „Die schmeckt einfach besser als die aus dem Regal. Wie früher.“ Die Idee zum neuen Direktvermarktungs-Konzept wurde aus der Not geboren. „Das Milchjahr 2016 war unheimlich schlecht. Bei Milchpreisen von um die 20 Cent pro Liter für die Milchbauern, war mir klar, dass ich etwas ändern muss“, erzählt der 50-Jährige, der auf seinem Hof sowohl Ackerbau betreibt als auch Milchvieh hält.  Die Idee, die Milch seiner Kühe direkt im Supermarkt an die Kunden zu verkaufen, habe er in Bayern entdeckt. Die Milch wird auf dem jeweiligem Hof produziert und auch dort pasteurisiert. Anschließend wird die Milch gekühlt, in 200 Liter- Rollcontainer gefüllt und direkt an die Abnehmer und die Automaten in der Region ausgeliefert. Lange Transportwege entfallen.

Investitionen von 400.000 Euro für Umbauten und eine Pasteurisierungsanlage nötig

„Ich habe mit meiner Familie hin und her überlegt, schließlich haben wir uns im vergangenen Herbst entschlossen, das Modell auch hier einzuführen“, so Tammling. Der Aufwand war beträchtlich. Die Veterinär- und Lebensmittelbehörden mussten jede Station bis zur Milchflasche genau überprüfen, zusätzlich wurde ein Umbau auf dem Hof nötig. „Wir brauchten ja eine Anlage zum Pasteurisieren und einen weiteren Milchtank. Außerdem eine Waschanlage für die Rollcontainer, in der alle Teile gereinigt werden können“, zählt Tammling auf. „Insgesamt haben wir rund 400 000 Euro investiert, rund 60 000 Euro konnten wir an Fördermitteln bekommen“, sagt Tammling. „Und das in einer Zeit in der sich andere Milchbauern von ihren Tieren trennen.“

Milch der Jersey-Kühe ist besonders nährstoff- und proteinreich

Die Tiere sind in diesem Fall Jersey-Kühe. Die kleinen, zarten Kühe geben etwa 6000 Liter Milch pro Jahr – das ist zwar weniger als eine herkömmliche Milchkuh, allerdings hat die Milch der Jerseys einen hohen Fettgehalt von bis zu 6 Prozent und verfügt über einen höheren Nährstoff- und Proteingehalt als normale Milch. Auch der Preis der Milch aus dem Milchautomaten ist etwas höher. Der Liter Rügenmilch kostet an den Milchtankstellen 1,40 Euro, mit einer Kundenkarte 1,20 Euro. „Ich finde den Unterschied zu herkömmlicher Milch nicht so gravierend. Und Ware aus der Region ist erste Wahl“, meint Melanie Tiegelack. „Wir in der Familie versuchen, auch sonst regionale Produkte zu kaufen. Unser Fleisch beziehen wir zum Beispiel von der Landschlachterei in Gademow.“

Anne Friederike Ziebarth

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